Marter, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Marter · Nominativ Plural: Martern
Aussprache
WorttrennungMar-ter (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Marter‹ als Erstglied: ↗martervoll
eWDG, 1974

Bedeutungen

gehoben körperliche, seelische Pein, Qual
Beispiele:
jmdm. höllische, entsetzliche Martern zufügen, bereiten
er ertrug die Martern seiner schweren Krankheit, litt unter der Marter des Gewissens
unter, nach vielen Martern sterben
der Gedanke an das Geschehene war für sie eine furchtbare Marter
historisch Folterung
Beispiele:
durch die Marter wollte man ein Geständnis erzwingen
Keine unnütze Marter, sondern sichere Haft [C. F. Meyer4,269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marter · Marterl · martern · Märtyrer · Martyrium
Marter f. ‘Folter, Qual, Peinigung’, ahd. martira, mart(a)ra (8. Jh.), mhd. marter, martere ‘Blutzeugnis’, besonders ‘Christi Passion, Kruzifix, Qual, Pein, Verfolgung, Folter’ ist als ein Wort des frühen Christentums entlehnt aus kirchenlat. martyrium ‘Blutzeugnis für die Wahrheit des Christentums, der christlichen Religion, Leiden, die die Märtyrer zu erdulden haben’, auch ‘Märtyrergrab, Kapelle’ (errichtet zum Gedenken an Märtyrer), griech. martýrion (μαρτύριον) ‘das Bezeugen, Zeugnis, Beweis, Zeichen’, dann auch (im Neuen Testament) ‘Verkündigung des Evangeliums, Predigt’. Das im Dt. auftretende fem. Genus beruht vielleicht auf dem Einfluß von Qual und Pein. Zugrunde liegt griech. mártys (μάρτυς), (dor.) mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, kirchensprachlich ‘Blutzeuge’, eigentlich wohl ‘Zeugnis’, Verbalnomen zu einem Verb mit der Bedeutung ‘sich erinnern’, vgl. aind. smárati ‘erinnert sich, gedenkt’, griech. mérimna (μέριμνα) ‘Sorge, Besorgnis’ und (nicht sicher) lat. memor ‘sich erinnernd, eingedenk’. Aus dem Griech. übernommenes kirchenlat. martyr gilt anfangs für den ‘Augenzeugen des Lebens und Wirkens Christi’, danach für einen Menschen, der sich trotz Folter und Tod zum Christentum bekennt (s. unten Märtyrer). Eine parallele Entwicklung erfährt martyrium. Marter bezeichnet zunächst sowohl die Passion Christi wie auch den Leidensweg der Heiligen und der Bekenner Christi, später (16. Jh.) auch die Folterung eines Gefangenen oder Verbrechers sowie das dazugehörige Gerät und geht schließlich in den (im Mhd. nur vereinzelt bezeugten) allgemeinen Gebrauch von ‘Schmerz, Not, Elend’ über. Marterl n. ‘Gedenkkreuz, -tafel am Weg für einen Unglücksfall’ (19. Jh., südostd.), deminutive Ableitung von Marter im Sinne von ‘bildliche Darstellung des Lebens und Leidens Christi, Kruzifix’ zum Gedächtnis (15. Jh.). martern Vb. ‘foltern, peinigen’, ahd. martirōn, mart(a)rōn (8. Jh.), mhd. martern, marteren ‘zum Märtyrer machen, ans Kreuz schlagen, foltern, plagen’. Märtyrer m. ‘Christ, der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist’, dann allgemein ‘ein für sein Glaubensbekenntnis, für seine Überzeugung oder für seine politischen Ziele und Handlungen Verfolgung, Gefangenschaft, Peinigung oder Tod Erleidender’, ahd. martarāri (10. Jh.), martirāri (11. Jh.), mhd. marterære, merterære, im Nhd. bis ins 19. Jh. noch Märterer, aus lat. martyr, griech. mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, im Ahd. mit dem Suffix der Nomina agentis -āri weitergebildet; seit dem 16. Jh. in der Form Märtyrer formal wieder an das griech.-lat. Vorbild angelehnt. Martyrium n. ‘Opfertod, Blutzeugenschaft, schweres Leiden um seines Glaubens, seiner Überzeugung willen, Qual’ (19. Jh.), kirchenlat. martyrium (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Drangsal · ↗Folter · ↗Folterung · ↗Höllenpein · ↗Höllenqual · Marter · ↗Misshandlung · ↗Pein · ↗Peinigung · ↗Quälerei · ↗Tortur
Unterbegriffe
  • Auspeitschen · ↗Flagellation · ↗Geißelung
  • saubere Folter · weiße Folter
  • hochnotpeinliche Befragung · peinliche Befragung · scharfe Frage
Assoziationen
  • Generalinquisitor · ↗Großinquisitor
  • Stachelrolle · gespickter Hase
  • Spanischer Bock · Spanischer Reiter · Spanisches Pferd
  • Bogerschaukel · Papageienschaukel
  • Schreckung · ↗Territion
  • Beinschraube · Schraubstiefel · Spanischer Stiefel
Religion
Synonymgruppe
Bildstock · Materla · Materle · Wegstock  ●  Helgenstöckli  schweiz. · Marter  österr., bair. · ↗Marterl  österr., bair.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Art Folter Hölle Pein Qual Tod erdulden glorreich grausam kalt psychisch seelisch tausend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Marter‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur liegt die Marter bei denen, die sich das auch noch anschauen müssen.
Der Tagesspiegel, 21.06.2000
Mein Vater hatte einige Male versucht, mir, vor allem sich selbst, diese Marter zu ersparen.
Maron, Monika: Stille Zeile Sechs, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1991, S. 102
An den Martern seiner Gegner hat er sich nicht ergötzt.
Foerster, W.: Herodes und seine Nachfolger. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 10248
Es sei nicht christlich, den Tod und die Marter zu fürchten.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 1071
Wissen Sie noch, was ein zünftiges Martern alles erfordert und bedeutet?
konkret, 1992
Zitationshilfe
„Marter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Marter>, abgerufen am 18.09.2019.

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