Mahnmal, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Mahnmal(e)s · Nominativ Plural: Mahnmale
Nebenform seltenMahnmal · Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Mahnmal(e)s · Nominativ Plural: Mahnmäler
Aussprache
WorttrennungMahn-mal
WortzerlegungmahnenMal1
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

Holocaust-Mahnmal, Wien, Judenplatz
(Hans Peter Schaefer, CC BY-SA 3.0)
Mahnmal für die Terroranschläge vom 11.9.2001 in den USA
(MusikAnimal, CC BY-SA 4.0)
Denkmal, das an ein (sittlich zu verurteilendes) historisches Ereignis, insbesondere an ein völkerrechtliches Verbrechen o. Ä. erinnert und nachfolgenden Generationen als Mahnung dienen soll
Beispiele:
Die britischen Opfer des Anschlags auf ein Strandhotel in Tunis erhalten […] eine eigene Gedenkstätte. Ein weiteres Mahnmal soll an alle anderen britischen Opfer von Terrorattentaten im Ausland erinnern[…]. [Die Zeit, 05.07.2015 (online)]
[…]Mit dem Mahnmal gegen Krieg und Faschismus […] hat Alfred Hrdlicka einen der zentralen Orte des Gedenkens in Wien geschaffen, der für viele ein würdiger Platz der Erinnerung ist. Er hat dazu beigetragen, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten […]. [Der Standard, 05.12.2009]
Die Auseinandersetzung mit Gewaltherrschaft und Völkermord sind auch zentrale Themen des Gedächtnis- und Konzeptkünstlers Jochen Gerz[…]. Als »Denkzeichen« gegen die Verdrängung stehen Mahnmale des Künstlers unter anderem in Hamburg und Saarbrücken. [die tageszeitung, 26.03.1996]
Bundeskanzler Brandts berühmter Kniefall 1970 am Mahnmal im Warschauer Ghetto war mehr als eine bloße Geste. [Berliner Zeitung, 09.12.1995]
Aus Anlaß der zwölften Wiederkehr des 20. Juli 1944 beschließt das Parlament, eine Delegation zum Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen zu entsenden, die dort im Namen der Studentenschaft der Universität Hamburg einen Kranz niederlegen möge. [Die Zeit, 26.07.1956, Nr. 30]
Ein Mahnmal müsse eine Mahnung sein an alle, die guten Willens sind, »und daß die Völker nie wieder Krieg führen sollten«. Die Stadt werde […] ein Kollektiv-Mahnmal schaffen, das sowohl der gefallenen Soldaten beider Weltkriege als auch der zivilen Bombenopfer würdig sei. [Der Spiegel, 27.05.1953, Nr. 22]
Daß wir noch immer nicht frei sind von den Läuterungszwängen dieser [nazistischen] Vergangenheit, zeigen wachsende Anstrengungen, Denkmäler hier, Mahnmäler dort und Gedenkstätten am Ort der Schandtaten selbst einzurichten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.1994] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein steinernes, schlichtes, eindrucksvolles Mahnmal
als Akkusativobjekt: ein Mahnmal entwerfen, errichten, bauen, einweihen, besuchen, besichtigen, schänden
als Aktivsubjekt: das Mahnmal symbolisiert etw., erinnert an etw.
mit Genitivattribut: das Mahnmal der Bücherverbrennung, des [unbekannten] Soldaten, der Opfer [des Nationalsozialismus]
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Mahnmal für die [ermordeten] Juden, für die Maueropfer, gegen Krieg [und Faschismus], zum Gedenken, zur Erinnerung
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. [einen Kranz] am Mahnmal niederlegen; eine Gedenkfeier am Mahnmal
in Koordination: Mahnmale und Gedenkstätten, Denkmäler
bildlich
Beispiele:
Mlalazis Buch ist ein berührender literarischer Beitrag zur Geschichte Simbabwes, zugleich ein Mahnmal für die zivilen Opfer der afrikanischen Bürgerkriege […]. [Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2014]
Zu den […] Fotografen in Vietnam gehörte Huynh Cong »Nick« Ut – dessen 1972 aufgenommenes Foto eines nackten Mädchens, das vor einem Napalm-Angriff flieht, wurde zu einem Mahnmal für die Unmenschlichkeit des Krieges. [Der Standard, 11.05.2012]
Marc Rothemunds Kinodrama über die NS-Widerstandskämpferin Scholl erhielt den mit 200.000 Euro höchstdotierten Produzentenpreis. Der Film sei »ein Mahnmal gegen das Vergessen« mit herausragenden schauspielerischen Leistungen, und er habe eine Botschaft für alle Menschen – Zivilcourage[…]. [Spiegel, 14.01.2006 (online)]
Krzysztof Meyer, der in seiner »Polnischen Symphonie« ein Mahnmal (= Mahnung, Aufforderung zu) nationaler Selbstbestimmung zu errichten glaubte, findet sich unversehens zum musikalischen Dekorateur der vierzigjährigen Volksrepublik erhoben: seine Symphonie wurde in diesem Jahr bereits dreimal im Fernsehen gesendet. [Die Zeit, 12.10.1984, Nr. 42]
Die ganze Welt schaute in diesen Tagen auf die Stadt [Nürnberg], deren Trümmer ein erschütterndes Mahnmal sind an den furchtbarsten aller Kriege, dessen Anzettelung den zwanzig auf der Anklagebank des Nürnberger Gerichtssaales sitzenden ehemaligen Größen des Naziregimes zur Last gelegt wird. [Süddeutsche Zeitung, 1995. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 27.11.1945.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mal2 · Denkmal · Mahnmal · Merkmal · Muttermal · Wundmal
Mal2 n. ‘Zeichen, Fleck, verfärbte Hautstelle’ (Wund-, Muttermal), hervorgegangen aus ahd. māl, vgl. ougmāl ‘Augenschminke’, anamāl(i) ‘Narbe’ (9. Jh.), mhd. mnd. māl ‘Zeichen, Merkmal, Fleck’, mnl. mael, nl. maal, got. mēla (Plur.) ‘Schrift’ (germ. *mēla-; zu Herkunft und Verwandtschaft s. ↗malen), mit dem ahd. (um 800), mhd. meil ‘Fleck, Zeichen, Befleckung, Sünde, Schande’ in frühnhd. mal ‘Zeichen, Fleck, Markierung’ zusammenfällt, wobei zugleich vielfach semantischer Einfluß von lautgleichem ↗Mal (s. d.) erkennbar ist. Die Herkunft von ahd. mhd. meil, mnd. mēl, aengl. māl, engl. mole ‘Muttermal’, got. mail ‘Runzel’ ist ungewiß. Vielleicht sind vergleichbar griech. miá͞inein (μιαίνειν) ‘beflecken, besudeln’ und lit. máiva ‘Sumpfboden’, so daß eine Wurzel ie. *mai- ‘beflecken, beschmutzen’ angenommen werden kann. Denkmal n. ‘Erinnerungszeichen’ (16. Jh.); seit dem 17. Jh. (wohl unter Einfluß von ↗Monument, s. d.) ‘gegenständliches Bauwerk, Standbild’. Mahnmal n. ‘zur Mahnung, Erinnerung gesetztes Zeichen oder Denkmal’ (20. Jh.). Merkmal n. ‘Kennzeichen’ (17. Jh.). Muttermal n. ‘von Geburt an vorhandener Fleck, Zeichen in der Haut’ (16. Jh.). Wundmal n. ‘Zeichen einer körperlichen Verletzung, frische oder vernarbte Wunde’, ahd. wuntmāli (um 1000), wuntmāl (11. Jh.), mhd. wuntmāl.

Thesaurus

Synonymgruppe
Denkmal · ↗Ehrenmal · Mahnmal · ↗Monument
Unterbegriffe
  • Barbarossadenkmal · Kaiser-Wilhelm-Denkmal · Kyffhäuserdenkmal
  • Grabdenkmal · ↗Grabmal
  • Bodendenkmal · archäologisches Denkmal
  • Luftbrückendenkmal  ●  ↗Hungerharke  ugs. · Hungerkralle  ugs.
  • Bismarckdenkmal · Bismarckturm
Assoziationen
  • Denkmaltopographie  ●  Kunsttopographie  österr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bebelplatz Bücherverbrennung Denkmal Einweihung Errichtung Faschismus Förderkreis Gedenken Gedenkstätte Gedenktafel Hakenkreuz Initiatorin Inschrift Jude Kniefall Kranz Kranzniederlegung Mahnmal Opfer Opfergruppe Stele Topographie beschmieren einweihen enthüllen errichten monumental niederlegen schänden zentral

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Mahnmal‹.

Zitationshilfe
„Mahnmal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Mahnmal>, abgerufen am 23.05.2019.

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