Märtyrer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Märtyrers · Nominativ Plural: Märtyrer
WorttrennungMär-ty-rer
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Märtyrer‹ als Erstglied: ↗Märtyrergestalt · ↗Märtyrerin · ↗Märtyrerkrone · ↗Märtyrertod · ↗Märtyrertum
eWDG, 1974

Bedeutung

jmd., der wegen seiner Überzeugung Verfolgungen oder den Tod erleiden musste, Blutzeuge
Beispiele:
ein Märtyrer seiner Weltanschauung, Überzeugung, Idee, der Freiheit, des Geistes
als Märtyrer untergehen, sterben
er ist nicht zum Märtyrer geboren
den Märtyrer spielen
jmdn. zum Märtyrer machen, stempeln, für einen Märtyrer halten, als Märtyrer ansehen
all denen, die zu Märtyrern einer großen Sache wurden [JohoWendemarke321]
Religion jmd., der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist
Beispiel:
ein Märtyrer des Glaubens
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marter · Marterl · martern · Märtyrer · Martyrium
Marter f. ‘Folter, Qual, Peinigung’, ahd. martira, mart(a)ra (8. Jh.), mhd. marter, martere ‘Blutzeugnis’, besonders ‘Christi Passion, Kruzifix, Qual, Pein, Verfolgung, Folter’ ist als ein Wort des frühen Christentums entlehnt aus kirchenlat. martyrium ‘Blutzeugnis für die Wahrheit des Christentums, der christlichen Religion, Leiden, die die Märtyrer zu erdulden haben’, auch ‘Märtyrergrab, Kapelle’ (errichtet zum Gedenken an Märtyrer), griech. martýrion (μαρτύριον) ‘das Bezeugen, Zeugnis, Beweis, Zeichen’, dann auch (im Neuen Testament) ‘Verkündigung des Evangeliums, Predigt’. Das im Dt. auftretende fem. Genus beruht vielleicht auf dem Einfluß von Qual und Pein. Zugrunde liegt griech. mártys (μάρτυς), (dor.) mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, kirchensprachlich ‘Blutzeuge’, eigentlich wohl ‘Zeugnis’, Verbalnomen zu einem Verb mit der Bedeutung ‘sich erinnern’, vgl. aind. smárati ‘erinnert sich, gedenkt’, griech. mérimna (μέριμνα) ‘Sorge, Besorgnis’ und (nicht sicher) lat. memor ‘sich erinnernd, eingedenk’. Aus dem Griech. übernommenes kirchenlat. martyr gilt anfangs für den ‘Augenzeugen des Lebens und Wirkens Christi’, danach für einen Menschen, der sich trotz Folter und Tod zum Christentum bekennt (s. unten Märtyrer). Eine parallele Entwicklung erfährt martyrium. Marter bezeichnet zunächst sowohl die Passion Christi wie auch den Leidensweg der Heiligen und der Bekenner Christi, später (16. Jh.) auch die Folterung eines Gefangenen oder Verbrechers sowie das dazugehörige Gerät und geht schließlich in den (im Mhd. nur vereinzelt bezeugten) allgemeinen Gebrauch von ‘Schmerz, Not, Elend’ über. Marterl n. ‘Gedenkkreuz, -tafel am Weg für einen Unglücksfall’ (19. Jh., südostd.), deminutive Ableitung von Marter im Sinne von ‘bildliche Darstellung des Lebens und Leidens Christi, Kruzifix’ zum Gedächtnis (15. Jh.). martern Vb. ‘foltern, peinigen’, ahd. martirōn, mart(a)rōn (8. Jh.), mhd. martern, marteren ‘zum Märtyrer machen, ans Kreuz schlagen, foltern, plagen’. Märtyrer m. ‘Christ, der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist’, dann allgemein ‘ein für sein Glaubensbekenntnis, für seine Überzeugung oder für seine politischen Ziele und Handlungen Verfolgung, Gefangenschaft, Peinigung oder Tod Erleidender’, ahd. martarāri (10. Jh.), martirāri (11. Jh.), mhd. marterære, merterære, im Nhd. bis ins 19. Jh. noch Märterer, aus lat. martyr, griech. mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, im Ahd. mit dem Suffix der Nomina agentis -āri weitergebildet; seit dem 16. Jh. in der Form Märtyrer formal wieder an das griech.-lat. Vorbild angelehnt. Martyrium n. ‘Opfertod, Blutzeugenschaft, schweres Leiden um seines Glaubens, seiner Überzeugung willen, Qual’ (19. Jh.), kirchenlat. martyrium (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Märtyrer [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apostel Bekenner Blut Brigade Freiheitskampf Gebein Gloriole Heiliger Heiligsprechung Held Komödiant Paradies Prophet Reliquie Schrein Selbstmordattentäter Selbstmörder Seligsprechung christlich frühchristlich gefallen heldenhaft hochstilisieren metrisch schiitisch seligsprechen stilisieren verehren verherrlichen verklären

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Märtyrer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für seine Kämpfer sei jetzt die Zeit, zu Märtyrern zu werden.
Der Tagesspiegel, 30.11.2001
Sein früher Tod unter den Nationalisten machte ihn zu einem Märtyrer, der bis heute verehrt wird.
Süddeutsche Zeitung, 02.05.1998
Auch der Garten hat seine Helden; auch der Garten hat seine Märtyrer.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 378
Dann wären Sie ein Märtyrer gewesen wegen Ihrer tollkühnen Äußerungen.
Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 100
Auch liege der arme Kurt so schön »unter den Märtyrern«.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 194
Zitationshilfe
„Märtyrer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Märtyrer>, abgerufen am 17.02.2019.

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