Lumpenproletariat, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungLum-pen-pro-le-ta-ri-at
WortzerlegungLumpenProletariat
eWDG, 1969

Bedeutung

Marxismus, abwertend sich aus Angehörigen aller Klassen rekrutierende, deklassierte, moralisch verkommene Elemente in den kapitalistischen Ländern
Beispiel:
Es entstand ein zahlreiches männliches und weibliches Lumpenproletariat, das zur Landplage wurde [BebelFrau121]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Proletarier · Proletariat · Lumpenproletariat · proletarisch · Prolet
Proletarier m. ‘besitzloser und abhängiger Lohnarbeiter’, entlehnt (Anfang 19. Jh.), vielfach wohl über vermittelndes frz. prolétaire (vgl. schon mfrz. prolectaire ‘Bürger der untersten Klasse im antiken Rom’) aus lat. prōlētārius ‘die Nachkommenschaft betreffend’, (nach Servius Tullius’ Volkseinteilung) ‘der untersten Volksklasse angehörig’, substantiviert ‘Bürger der untersten Klasse, der dem Staate nur mit seiner Nachkommenschaft, nicht mit seinem Vermögen dient’, zu lat. prōlēs ‘Sprößling, Nachkomme, Nachwuchs, Abkömmling’, aus *pro-olēs ‘was hervorwächst’; vgl. lat. alere ‘(er)nähren aufziehen’. In der Bedeutung ‘Angehöriger der untersten Klasse im antiken Rom’ zuerst bei Wieland in der lat. Form Proletarius (1779). Frz. prolétaire erhält seine politische Bedeutung (mit dem wesentlichen Merkmal der Besitzlosigkeit) durch die Saint-Simonisten, gelangt in diesem Sinne zu Beginn des 19. Jhs. ins Dt. (anfangs gelegentlich noch mit ans Frz. erinnernder Schreibweise) und wird in den 30er Jahren des 19. Jhs. zum politischen Schlagwort in den Schriften demokratisch-republikanischer Autoren und in den Dokumenten der Arbeiterbewegung. Als Terminus der Klassentheorie wird Proletarier von Marx und Engels eingeführt (seit 1842). Vgl. E. Adelberg in: Zum Einfluß von Marx u. Engels auf die dt. Literatursprache (1978) 121 ff. Proletariat n. ‘Klasse der abhängigen, ausgebeuteten Lohnarbeiter, die keine eigenen Produktionsmittel besitzt, Arbeiterklasse’ (Anfang 40er Jahre 19. Jh.), aus gleichbed. frz. prolétariat (1836); dazu Lumpenproletariat n. ‘sich aus Angehörigen aller Klassen rekrutierende, deklassierte, politisch käufliche Elemente in der kapitalistischen Gesellschaft’ (Marx und Engels 1848). proletarisch Adj. ‘den Proletarier, das Proletariat betreffend’ (Anfang 40er Jahre 19. Jh.); zuvor gelegentlich im Sinne von ‘allgemein, einfach, oberflächlich’ (18. Jh.). Prolet m. abschätzige Rückbildung von Proletarier, auch ‘Mensch ohne Umgangsformen’ (Ende 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(der) Bodensatz der Gesellschaft · (der) untere Rand der Gesellschaft · ↗Prekariat · ↗Subproletariat · White trash  ●  Lumpenproletariat  derb
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor allem aber ist unterhalb der Arbeiterschaft ein neues Lumpenproletariat entstanden, und an manchen Stellen hat eben dieses Lumpenproletariat, die Unterklasse, das Spiel erobert.
Die Zeit, 21.06.1985, Nr. 26
Marx konnte über das Lumpenproletariat und die kriminelle Unterklasse schreiben, ohne daß ihn jemand als politisch unkorrekt angegriffen hat.
Die Welt, 16.11.2005
Sein ökonomisches Sanierungsprogramm habe vor allem das "Lumpenproletariat" ins Elend gestürzt.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1993]
Denn bedrohlicher als der Islam ist eine kulturell entwurzelte Bevölkerungsschicht, die aus den Dörfern in die Städte gezogen ist und ein neues Lumpenproletariat gebildet hat.
Der Tagesspiegel, 14.11.2002
Die SPD müsse sich von dem »intellektuellen Lumpenproletariat« (Franke) freimachen und den Kampf um die Stimmen »aller anständigen Arbeitnehmer« aufnehmen.
konkret, 1982
Zitationshilfe
„Lumpenproletariat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Lumpenproletariat>, abgerufen am 24.10.2019.

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