Leumund, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Leumund(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungLeu-mund
Wortbildung mit ›Leumund‹ als Erstglied: ↗Leumundszeuge · ↗Leumundszeugnis
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Ruf, in dem jmd. steht
Beispiele:
jmd. hat einen guten, üblen Leumund
gesucht wird eine Persönlichkeit mit einwandfreiem Leumund
jmds. Leumund verteidigen
der Angeklagte hat keinen guten Leumund
2.
der böse LeumundKlatsch, üble Nachrede
Beispiele:
sie war dem bösen Leumund am meisten ausgesetzt
Der böse Leumund ... munkelt sogar, daß ihre beiden letztgeborenen Kinder nur dem Namen nach Sprößlinge ihres alten, halbblinden Gatten seien [St. ZweigBalzac84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leumund · beleumden · beleumunden · verleumden · Verleumder · verleumderisch · Verleumdung
Leumund m. ‘Ruf, in dem einer steht’. Das nur im Dt. begegnende Substantiv ahd. (h)liumunt (8. Jh.), mhd. liumunt ‘Ruf, Ruhm, Gerücht’ gehört zu der unter ↗laut (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *k̑lēu- ‘hören, wovon man viel hört’. Suffixablaut (ie. -men-) zeigen got. hliuma ‘Gehör’, awest. sraoman- ‘Gehör’; auf eine adjektivbildende to-Erweiterung des Suffixes in seiner schwundstufigen Form (ie. -mṇ-) führen dagegen ahd. (h)liumunt (ie. *k̑leumṇto-) sowie aind. śrṓmata- ‘guter Ruf, Berühmtheit’, so daß von einer Bedeutung ‘Gehörtes, Rühmliches’, auch ‘öffentliche Meinung’ ausgegangen werden kann. Im Mhd. stehen neben liumunt (md. lūmunt) die abgeschwächten Formen liument, liumet, liumt, dazu auch schwache Formen wie liumde, leumde. Im Nhd. hat sich die vollere Form gehalten, weil man das Wort volksetymologisch als der Leute Mund aufgefaßt hat. Die zugehörigen Verben setzen dagegen meist die Kurzform mhd. liumde fort: beleumden Vb. neben beleumunden ‘einen Leumund ausstellen’, mhd. beliumden, beliumunden ‘jmdn. in den Ruf von etw. bringen’, oft im Part. Prät. beleumdet, beleumundet ‘im Ruf, in einem bestimmten Ruf stehend’. verleumden Vb. ‘jmdn. schlechtmachen, böswillig verdächtigen’, mhd. verlium(un)den, verliumen ‘in schlechten Ruf bringen’; dazu Verleumder m. (16. Jh.), verleumderisch Adj. (17. Jh.), Verleumdung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(guter) Ruf · ↗Ansehen · ↗Bild · ↗Image · Leumund · ↗Namen · ↗Prestige · ↗Renommee · ↗Reputation · ↗Stellung
Assoziationen
  • (ein) (hohes) Ansehen genießen · ↗anerkannt · geachtet werden · geschätzt werden · ↗namhaft · ↗profiliert · ↗renommiert  ●  (einen) guten Leumund haben  variabel · (einen) guten Namen haben  variabel · (einen) guten Ruf genießen  variabel · (einen) guten Ruf haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verlieren haben  variabel · (einen) guten Ruf zu verteidigen haben  variabel · (gut) angesehen sein  variabel · (sein) Name hat (in bestimmten Kreisen) einen guten Klang  variabel · in einem guten Ruf stehen  variabel · (sich) eines guten Ruf(e)s erfreuen  geh. · bestbeleumdet  geh. · gut beleumdet  geh., variabel · gut beleumundet (sein)  geh., variabel
  • Achtung · ↗Ansehen · ↗Autorität · ↗Bedeutung · ↗Einfluss · ↗Geltung · ↗Hochachtung · ↗Prestige · ↗Renommee · ↗Wertschätzung · ↗Würdigung  ●  ↗Standing  engl.
  • (seinen ) Ruf nicht aufs Spiel setzten (wollen) · einen Ruf zu verlieren haben
  • (einen) schlechten Ruf (haben) · (jemandem / einer Sache) haftet ein schlechter Ruf an · ↗Imageproblem  ●  die Bösen sein  ugs., fig.
  • Diffamierung · ↗Herabwürdigung · ↗Rufschädigung · ↗Schmähung · ↗Verleumdung · ↗Verunglimpfung  ●  ↗Diffamation  geh. · ↗Diffamie  geh.
  • (das) Gesicht wahren · (die) Würde wahren
  • (große) Bekanntheit erlangen · (großes) Ansehen erlangen (mit) · (großes) Ansehen gewinnen · (sich) (großes) Ansehen erwerben (mit) · bekannt werden (mit)  ●  (sich) einen Namen machen (mit / durch)  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte ausgezeichnet befreien besitzen bös demokratisch einwandfrei genießen gut makellos nachweisen schlecht tadellos verfügen zweifelhaft übel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Leumund‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über seinen Leumund hat er sich eigentlich nie beklagen können.
Die Zeit, 20.11.1981, Nr. 48
Die Politik hat zwar einen schlechten Leumund, aber ist nicht durchgängig schlecht.
Die Welt, 15.04.2000
Der böse Leumund aber wispert sich heute noch durch die Fachliteratur.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 227
Übrigens gewähre ich nur Damen von bestem Leumund und feinsten Manieren Unterkunft unter meinem Dach.
Klabund: Der Kreidekreis. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 15006
Ein Mann wie der Kanalräumer, mit Arbeit und gutem Leumund, mied den »Pavian«.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 360
Zitationshilfe
„Leumund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Leumund>, abgerufen am 19.10.2019.

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