Lesung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Lesung · Nominativ Plural: Lesungen
Aussprache
WorttrennungLe-sung
Wortzerlegunglesen1-ung
Wortbildung mit ›Lesung‹ als Letztglied: ↗Autorenlesung · ↗Buchlesung · ↗Dichterlesung · ↗Etatlesung · ↗Sonntagslesung · ↗Thoralesung · ↗Toralesung
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
öffentliche Veranstaltung, auf der aus Dichtwerken vorgelesen wird
Beispiele:
mit gut ausgewählten und zusammengestellten Beiträgen stellten sich junge Autoren in einer Lesung vor
DDR eine pädagogische Lesung (= Arbeit über ein pädagogisches Thema, die vor Lehrern, Studierenden vorgelesen wird)
2.
Politik
Beispiele:
die erste, zweite, dritte Lesung eines Gesetzes im Parlament (= Beratung eines Gesetzentwurfs vor der Volksvertretung)
auf der Tagung steht das Lebensmittelgesetz in zweiter Lesung
3.
Lesart
Beispiele:
eine abweichende Lesung
Im Text schließt er sich an die Lesung an, die Carl von Kraus im Jahre 1936 ... geboten hat [Muttersprache1957]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lesen · Lese · Ährenlese · Auslese · Blütenlese · Nachlese · Traubenlese · Weinlese · auslesen · erlesen · erlesen · auserlesen · verlesen · belesen · Lesebuch · Leser · leserlich · Lesung
lesen Vb. ‘den Sinn von Schriftzeichen erfassen, Schrift durch Sprechen wiedergeben, vorlesen, Vorlesungen halten, auflesen, sammeln, ernten’, ahd. lesan (8. Jh.), Prät. Plur. lārum (mit grammatischem Wechsel von r und s), mhd. lesen ‘auswählend sammeln, aufheben, an sich nehmen, (sich ver)sammeln, in Ordnung bringen, wahrnehmen, erblicken, (vor)lesen, als Lehrer vortragen, Messe lesen, erzählen, berichten’, asächs. lesan ‘sammeln, auflesen, lesen’, mnd. mnl. lēsen, nl. lezen ‘lesen’, aengl. lesan ‘zusammenlesen, sammeln’ (daraus mundartlich engl. to lease ‘Ähren lesen’), anord. lesa ‘auflesen’ (die Bedeutung ‘lesen’ ist aus dem Mnd. entlehnt), schwed. läsa ‘lesen, lernen, studieren’, got. lisan ‘auflesen, sammeln’ sind vergleichbar mit lit. lèsti ‘picken, pickend fressen’, lasýti ‘picken, auslesen, aussuchen, auswählen’, hethit. leššāi- ‘auflesen’ und führen auf eine Wurzel ie. *les- ‘sammeln, auflesen’. Gemeingerm. ist die Bedeutung ‘auflesen, sammeln’, zu der im Dt. und Nl. noch ‘Geschriebenes lesen’ hinzutritt. Dieselbe Bedeutungsentwicklung liegt vor in lat. legere ‘auflesen, sammeln, auslesen, auswählen, (vor)lesen’ und griech. légein (λέγειν) ‘auflesen, sammeln, sagen, sprechen, vortragen, vorlesen’ (s. ↗Legion und ↗Lexikon). Möglicherweise ist für das Germ. vom Aufsammeln und Deuten der zur Weissagung ausgestreuten Runenstäbe auszugehen. Die Bedeutung ‘Geschriebenes lesen’ wird sich unter dem Einfluß von lat. legere entwickelt haben. Die ursprüngliche Bedeutung ‘(auf-, ein)sammeln, auflesen’ ist bis heute in Ähren, Holz, Trauben lesen, die von ‘aussondern, verlesen’ in Linsen, Erbsen lesen bewahrt. Dazu auch Lese f. ‘das Auf-, Einsammeln, Ernte’, besonders ‘Weinernte’ (Anfang 18. Jh.), aus älterem Weinlese (s. unten) gekürzt; Ährenlese f. (18. Jh.), zuvor Ährlese (1700); Auslese f. ‘Auswahl’ (18. Jh.), ‘die ausgewählte Menge, die Besten, Elite, Wein aus ausgelesenen Trauben’ (19. Jh.); Blütenlese f. ‘Sammlung ausgewählter Gedichte oder Prosastücke’ (Ende 18. Jh.), s. auch ↗Anthologie; Nachlese f. ‘das Nachsammeln (von Ähren, Weintrauben), Nachernte’ (17. Jh.); Traubenlese f. (17. Jh.); Weinlese f. (15. Jh.). auslesen Vb. ‘prüfend herauslesen, aussuchen, als untauglich aussondern, zu Ende lesen’, ahd. ūʒlesan ‘heraussuchen, aussondern’ (10. Jh.), mhd. ūʒlesen ‘auswählen, zu Ende lesen’. erlesen Vb. heute noch in gehobener Sprache für ‘auswählen, durch Lesen aneignen’, ahd. irlesan (9. Jh.), mhd. erlesen ‘durch Lesen erforschen, bis zu Ende lesen, erwählen’; dazu erlesen Part.adj. ‘ausgesucht, von hervorragender Qualität’ (16. Jh.), daneben gleichbed. auserlesen Part.adj. mhd. ūʒerlesen. verlesen Vb. ‘Schlechtes, Ungeeignetes aussondern, öffentlich vorlesen’, reflexiv ‘sich beim lauten Lesen versprechen, falsch lesen’, mhd. verlesen ‘öffentlich vorlesen’. belesen Part.adj. ‘durch vieles Lesen gut unterrichtet, gebildet’ (17. Jh.), zu belesen ‘durchlesen, gründlich lesen’ (17. Jh.); vgl. schon Wohlbelesenheit (16. Jh.). Lesebuch n. ‘Buch mit nach besonderen Gesichtspunkten zusammengestelltem Lesestoff, zumal für Schulkinder’ (18. Jh.). Leser m. ‘wer (Bücher) liest’, ahd. lesā̌ri ‘(Vor)leser eines Buches, Traubenleser’ (Hs. 12. Jh.), mhd. lesære ‘(Vor)leser, Weinleser’. leserlich Adj. ‘gut zu lesen, leicht zu entziffern’ (17. Jh.), älter leslich (Ende 15. Jh.), daneben lesenlich (15. Jh.). Lesung f. ‘das Lesen von Büchern, das laute Lesen von Texten, besonders im Gottesdienst’ (15. Jh.), ‘Beratung über Gesetzentwürfe, Haushaltsvorlagen, Verträge im Parlament, in der Volksvertretung’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. reading (of a bill), eigentlich ‘Vorlesen eines Gesetzentwurfs’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Autorenlesung · ↗Buchvorstellung (durch den Autor) · ↗Dichterlesung · ↗Leseabend · Lesung · Vorleseabend
Assoziationen
  • Autorenwettbewerb · Dichterwettstreit · Kampf der Wagen und Gesänge (lit.)  ●  Poetry Slam  engl.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausstellung Autor Autorin Bundestag Diskussion Etat Filmvorführung Gesetzentwurf Hörspiel Kabarett Konzert Lesung Musik Nationalversammlung Podiumsdiskussion Theateraufführung Vortrag Workshop abschließend behandeln beraten billigen debattieren dritt erst stattfinden szenisch verabschieden veranstalten zweit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lesung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwischen diesen beiden Lesungen sollen zudem nur 48 Stunden liegen.
Die Welt, 09.10.2004
Um 23 Uhr folgt eine Lesung, für die 50 Cent zu zahlen sind.
Der Tagesspiegel, 05.11.2003
Jedenfalls hat er mal einen Autor zu einer Lesung an unsere Schule eingeladen.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 156
Der Dichter erklärt sein spätes Erscheinen, eine Lesung seiner Texte.
Woelk, Ulrich: Freigang. Verlag S. Fischer, Frankfurt 1990, S. 211
In der Edition sind mehrfach falsche Lesungen älterer Ausgaben berichtigt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1929, S. 1058
Zitationshilfe
„Lesung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Lesung>, abgerufen am 19.10.2019.

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