Lauschangriff, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Lauschangriff(e)s · Nominativ Plural: Lauschangriffe
WorttrennungLausch-an-griff
WortzerlegunglauschenAngriff
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

die als Angriff (Lesart 1) verstandene Aktion, bei der jmd. heimlich belauscht (Lesart 1), abgehört (Lesart 1 c), ausspioniert wird   bewilligte, von Polizei oder Nachrichtendienst durchgeführte heimliche Überwachungsmaßnahme
Beispiele:
Ausgebrochen war sie [die politische Krise in Mazedonien] im Februar 2015, als die Existenz Tausender von Telefonaufzeichnungen ruchbar wurde, die auf eine systematische Abhörkampagne von Geheimdienstleuten hinwies. Der Lauschangriff richtete sich gegen Politiker jeder Couleur, gegen Journalisten, Richter und Geschäftsleute. [Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2016]
Mitgehört haben US-Agenten, als Trumps späterer kurzzeitiger Nationaler Sicherheitsberater […] illegalerweise einen politischen Deal mit dem russischen Botschafter in Washington verabredete. Das Abhören wäre gesetzwidrig, wenn der Lauschangriff gezielt gegen den Ex-General ging – aber legal, wenn dies bei der Überwachung des russischen Diplomaten zufällig als »Beifang« herauskam. [Die Welt, 21.03.2017]
Angestrebt werde [in Italien] eine Einschränkung der Lauschangriffe auf Untersuchungen gegen die Mafia und gegen den Terrorismus. Bisher war eine Abhörung beim Verdacht von Verbrechen zulässig, die mit mindestens fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. [Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2008]
Ohne die Befreiungsaktion hätte das [entführte] Kind keine Überlebenschance gehabt, sagte der Inspekteur der sächsischen Polizei, Helmut Spang[…]. Nach Angaben Spangs war es erst mit einem Lauschangriff möglich, den Täter und sein Opfer zu observieren und einen geeigneten Zeitpunkt für den Zugriff des Sondereinsatzkommandos abzupassen. [Frankfurter Rundschau, 04.11.1998]
Vor Einsatz des Lauschangriffes müsse ein Richter zustimmen. [Berliner Zeitung, 14.01.1998]
Das Gesetz zum Abhören von Wohnungen zur Strafverfolgung, bekannt unter der Bezeichnung »Lauschangriff«, hat der Bundestag in erster Lesung gebilligt. [o. A. [wor]: Lauschangriff. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1997]]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein präventiver, angeordneter, [von der Justiz] bewilligter Lauschangriff
als Akkusativobjekt: einen Lauschangriff befürworten, anordnen, billigen, genehmigen
in Koordination: Lauschangriff und Rasterfahndung, Telefonüberwachung, Online-Durchsuchung
spezieller
Phrasem:
Großer Lauschangriff (= ein Bündel akustischer und optischer Überwachungsmaßnahmen, die gesetzlich legitimiert sind)
Beispiele:
Als Großer Lauschangriff werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz umgangssprachlich akustische und optische Überwachungsmaßnahmen der Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste bezeichnet. [de.wikipedia.org, 06.04.2018, aufgerufen am 06.09.2018]
Nun haben wir es Schwarz auf Weiß von den Hütern des Grundgesetzes: Das Aushorchen von Bürgern im trauten Heim lediglich auf einen vagen Verdacht hin verletzt deren Menschenwürde. Die Allparteien-Koalition welche 1998 die Verfassung änderte, um die »akustische Wohnraumüberwachung«, vulgo Großer Lauschangriff, zu ermöglichen, hat sich am Allerheiligsten der bundesrepublikanischen Staatsräson versündigt, an Artikel 1 des Grundgesetzes. [Spiegel, 03.03.2004 (online)]
Ich schreibe Ihnen wegen des großen Lauschangriffs, den ich keinesfalls befürworten kann. Ich finde, eine solche Einschränkung der Grundrechte ist nicht mit einer so geringen Aussicht auf Erfolg bei der Verbrechensbekämpfung zu begründen. […] Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ein geringer Verdacht genügt, die Privatsphäre der Bürger zu verletzen. [Die Zeit, 26.02.1998, Nr. 10]
Der Deutsche Anwaltsverein hat es als »unerträglich« bezeichnet, daß die Möglichkeit der elektronischen Wohnraumüberwachung, mit anderen Worten: der große Lauschangriff, auch auf Räume ausgedehnt werden soll, in denen Rechtsanwälte ihren Beruf ausüben. Ähnlich alarmiert reagierten IG-Medien-Chef Detlef Hensche und der Berufsverband der bayerischen Psychoanalytiker auf das Gesetzesvorhaben, wonach auch Ärzte und Journalisten künftig belauscht werden können. Diesen Berufsgruppen ist[…] gemein, daß sie sich auf das »Zeugnisverweigerungsrecht der Berufsgeheimnisträger« berufen können. [o. A. [hsm]: Zeugnisverweigerungsrecht. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 02.02.1998.]
Die Polizei darf nach richterlicher Zustimmung zur Vorbeugung von Straftaten Privatwohnungen abhören (Großer Lauschangriff). [Berliner Zeitung, 15.01.1996]

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Ausschnüffeln · (das) Ausspionieren · (das) Ausspähen · Ausspähung · ↗Bespitzelung · Lauschangriff · ↗Schnüffelei · ↗Spionage · ↗Spitzelei
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abhören Atomwissenschaftler Ausführungsgesetz Befürworter Berufsgeheimnisträger Berufsgruppe Einführung FDP-Mitgliederbefragung Gesetzespaket Grundgesetzänderung Kronzeugenregelung Legalisierung Mitgliederbefragung Mitgliederentscheid Nachbesserung Parteitagsbeschluß Privatwohnung Rasterfahndung Telefonüberwachung US-Geheimdienst Verfassungsbeschwerde Video-Überwachung Videoüberwachung Wanze Zulässigkeit groß illegal nachbessern präventiv sogenannt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lauschangriff‹.

Zitationshilfe
„Lauschangriff“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Lauschangriff>, abgerufen am 24.06.2019.

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