Lückenbüßer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungLü-cken-bü-ßer (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

jmd., der für einen anderen eingesprungen ist, den man lieber genommen hätte
Beispiele:
als Lückenbüßer einspringen, dienen
den Lückenbüßer spielen
ich war nur als Lückenbüßer eingeladen, denn Herr X hatte abgesagt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Buße · büßen · Lückenbüßer
Buße f. ‘Sühne, reuevolle Umkehr zu Gott, Geldstrafe, Wiedergutmachung’. Ahd. buoz(a) f. (9. Jh.), mhd. buoz m., buoze f., asächs. afries. bōta, mnd. bōte, mnl. nl. boete, aengl. anord. bōt, engl. boot, schwed. bot, got. bōta bezeugen ein gemeingerm. *bōtō, das mit den unter ↗baß und ↗besser (s. d.) behandelten Formen auf germ. *bat-, *bōt- ‘gut’ zurückgeht. Die Bedeutung ‘Gutes, Nutzen’ zeigt sich vor allem im Got., während in den übrigen germ. Sprachen vornehmlich ‘Besserung, Ausbesserung, Wiederherstellung, Wiedergutmachung’ gilt, besonders in der Sprache des Handwerks und der Wissenschaft, der magischen Beschwörung, des Rechts und der Kirche; vgl. Weisweiler Buße (1930). Die Bedeutung ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn’ wird außerhalb des Got. auch von nominalen Bildungen der Ablautstufe *bat- übernommen wie mhd. baʒʒe f., anord. bati m. büßen Vb. ‘sühnen, Buße leisten, Strafe erleiden’. Das gemeingerm. Verb ahd. buozen (9. Jh.), mhd. büezen, asächs. bōtian, aengl. bētan, afries. bēta, anord. bœta, got. bōtjan (germ. *bōtjan) weist in den einzelnen germ. Sprachen im wesentlichen die gleichen Bedeutungen auf, wie sie für das Substantiv gelten; es scheint daher vom Substantiv abgeleitet zu sein. Doch gibt es Gründe für die Annahme, daß sich eine Reihe der für das Substantiv außerhalb des Got. angegebenen Bedeutungen zunächst beim Verbum entwickelt und dann auf das Substantiv zurückgewirkt hat. Das Verbum wäre danach als unmittelbare Bildung zur germ. Wurzel *bat-, *bōt- bzw. zur komparativischen Adjektivform (nhd. ↗besser, s. d.) anzusehen mit den Ausgangsbedeutungen ‘gut, von Nutzen sein’, aber auch ‘gutmachen, bessern’; vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 14 ff. Im heutigen Dt. ist die Vielfalt der Bedeutungen beim Verb wie beim Substantiv stark reduziert. Die alte Bedeutung ‘bessern’ ist noch in Lückenbüßer m. ‘wer eine Lücke ausfüllt’ (16. Jh.) enthalten.

Thesaurus

Synonymgruppe
Lückenbüßer  fig. · Lückenfüller  fig. · ↗Notnagel  fig. · Notstopfen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Funktion Rolle Sündenbock dienen einspringen herhalten mißbrauchen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lückenbüßer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was liegt da näher, als ihm vorzuhalten, zum Lückenbüßer seien die Frauen wohl gerade gut genug.
Die Zeit, 31.08.1979, Nr. 36
Dabei erblickten sie das Licht der Comic-Welt eigentlich als "Lückenbüßer".
Bild, 19.09.2000
Das Auto frißt mich auf, Rousseau ist nur noch Lückenbüßer.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1936. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1936], S. 89
Bei langem Zögern könnte dieser oder jener auf den fatalen Gedanken kommen, er sei ein Lückenbüßer.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 6605
In solchen Situationen sucht man eifrig nach einem Lückenbüßer, also nach einem Gutmütigen im Bekanntenkreis, der es nicht übelnimmt, im letzten Augenblick eingeladen zu werden.
Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons, Wien: Ullstein 1954 [1953], S. 126
Zitationshilfe
„Lückenbüßer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Lückenbüßer>, abgerufen am 25.06.2019.

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