Kurpfuscher, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKur-pfu-scher
Wortbildung mit ›Kurpfuscher‹ als Erstglied: ↗Kurpfuschertum  ·  mit ›Kurpfuscher‹ als Grundform: ↗Kurpfuscherei
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend jmd., der (mit zweifelhaften Mitteln) Kranke behandelt, ohne durch eine abgeschlossene medizinische Ausbildung dazu berechtigt zu sein
Beispiele:
immer weniger Leute vertrauen heute noch auf die Praktiken von Kurpfuschern
Eisenbart war kein Quacksalber oder Kurpfuscher [Natur u. Heimat1960]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kur · Badekur · Hungerkur · Pferdekur · Wunderkur · Kurgast · Kurort · Kurpfuscher · kurpfuschen · kurieren · kuren
Kur f. ‘Heilverfahren’, besonders ‘mit dem Aufenthalt in einem Badeort oder Sanatorium verbundene medizinische Behandlung’. Lat. cūra ‘Sorge, Fürsorge, Behandlung, Besorgnis’, dessen Ursprung ungeklärt ist, bleibt in der medizinischen Terminologie im Sinne von ‘Krankenpflege, Heilbehandlung’ lebendig und wird so Ende des 15. Jhs. als Cur ins Dt. entlehnt (daneben frühnhd. Cure, Chur, in gelehrten Texten bis ins 17. Jh. noch Cura). Die Schreibung Kur findet sich vom 17. Jh. an gelegentlich, setzt sich aber erst um 1900 durch. Das Substantiv erscheint in Komposita wie Badekur f. ‘Anwendung von Heilbädern’ (18. Jh., zuvor Badencur, 17. Jh.); Hungerkur f. ‘Fastendiät’ (18. Jh.); Pferdekur f. ‘Behandlung mit drastischen Mitteln’, ursprünglich ‘tierärztliche Versorgung eines Pferdes’ (17. Jh.); Wunderkur f. ‘Kur mit ungewöhnlichem, an ein Wunder grenzendem Heilerfolg’ (17. Jh.); Kurgast m. ‘wer sich zur Kur oder zur Erholung in einem Badeort aufhält’ (18. Jh.); Kurort m. ‘Erholungs-, Badeort’ (2. Hälfte 19. Jh.); Kurpfuscher m. ‘wer ohne abgeschlossene medizinische Ausbildung unberechtigt Kranke behandelt’, abschätzig auch ‘schlechter, unfähiger Arzt’ (Ende 18. Jh., zuerst in Österreich), woran sich jüngeres kurpfuschen Vb. ‘sich als Kurpfuscher betätigen’ (19. Jh.) anschließt (zum Grundwort s. ↗pfuschen). kurieren Vb. ‘mit Erfolg ärztlich behandeln, heilen’ (16. Jh.), nach lat. cūrāre ‘Sorge tragen, besorgen, pflegen, heilen’ (abgeleitet von lat. cūra, s. oben). kuren Vb. ‘eine Kur machen’ (anfangs auch synonym mit kurieren), denominative Bildung des ausgehenden 18. Jhs., jedoch erst im 20. Jh. stärker verbreitet.

Thesaurus

Synonymgruppe
Scharlatan · ↗Wunderheiler  ●  Kurpfuscher  derb · ↗Quacksalber  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arzt Quacksalber

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kurpfuscher‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und überall sollen die Opfer der Kurpfuscher medizinische Hilfe beanspruchen können.
Die Zeit, 16.09.1994, Nr. 38
Einige hielten ihn für einen Kurpfuscher, der Kirche war die Sache eher peinlich.
Der Tagesspiegel, 07.12.2003
Auch dieser Kurpfuscher behielt die unglückliche Patientin monatelang in seiner Behandlung.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 897
Einst wird es keine Kurpfuscher und Wunderdoktoren mehr geben: sobald die Medizin dieses Ideal, gegen jede Krankheit eine methodische Behandlung ersonnen zu haben, erreicht hat.
Schleich, Carl Ludwig: Besonnte Vergangenheit, Lebenserinnerungen (1859-1919). In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1921], S. 31483
Bilder von Quacksalbern, Kurpfuschern (H. Bosch), Steinschneidern und fahrenden Ärzten sind in dieser Zeit beliebte Themen.
o. A.: Lexikon der Kunst - A. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 22556
Zitationshilfe
„Kurpfuscher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kurpfuscher>, abgerufen am 16.10.2019.

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