Kunstgriff, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKunst-griff (computergeneriert)
WortzerlegungKunstGriff
eWDG, 1969

Bedeutung

besonders geschickter, wirksamer Handgriff, besonders wirksame Methode, um etw. leicht ausführen zu können, Kniff, Trick
Beispiele:
ein genialer, raffinierter, unerlaubter Kunstgriff
einen (kleinen) Kunstgriff anwenden
jmdm. einen Kunstgriff zeigen
um sein Ziel zu erreichen, erfindet er Mittel und Kunstgriffe
der böse Lüstling, der ihm mit allen Kunstgriffen des Verführers seine einzige Geliebte ... entführte [AndresLiebesschaukel130]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Griff · Handgriff · Kunstgriff · griffig
Griff m. ‘das Greifen, Zufassen, Vorrichtung zum Anfassen’, auch in terminologischen Verwendungen, z. B. ‘vorschriftsmäßige Handhabung der Waffe’, ‘beim Anfassen festzustellende Eigenschaften eines Gewebes’, ahd. -grif in Zusammensetzungen (zuerst hantgrif, um 800, s. unten, s. auch ↗Angriff, ↗Übergriff, vgl. schon langobard. anagrip ‘Antastung’, 7. Jh.), mhd. grif ‘das Greifen, Tasten, Klaue, Umfang’ (spätmhd. auch ‘Zugehöriges’), mnd. grēpe ‘das Greifen, Zugriff, Henkel, Kunstgriff’, mnl. grēpe, greep ‘das Greifen, Umfang’, nl. greep ‘das Greifen’, aengl. gripe ‘Griff, Ergreifung, Angriff, Gewalt’, engl. grip ‘das Greifen, Griff, Händedruck, Gewalt’, anord. gripr ‘Eigentum, Kleinod’ beruhen auf einem Maskulinum germ. *gripi-, das zu dem in nhd.greifen (s. d.) fortlebenden starken gemeingerm. Verb gebildet ist; zu vergleichen sind weiterhin anord. -grip (in Zusammensetzungen), norw. grep, schwed. grepp, dän. greb ‘Griff’, die auf ein ebenfalls deverbatives Neutrum germ. *gripa- zurückgehen. Das schwundstufige Verbalabstraktum wird im Mhd. jägersprachlicher Ausdruck für ‘Greifvogelfuß, Klaue’ und ist mnd. und im älteren Nhd. im Sinne von ‘Kunstgriff, Kniff’ gebräuchlich (16. bis 18. Jh., auch Grifflein). Außerdem bezeichnet es mnd. seit dem 15. Jh., hd. vom 17. Jh. an den zum Anfassen bestimmten Teil eines Gegenstands (Henkel, Stiel, Knauf, Hebel u. ä.). Handgriff m. ‘Zugriff, Handhabung’ (namentlich ‘geschicktes Herangehen, Kunstfertigkeit’) sowie ‘Vorrichtung zum Anfassen’, nhd. in beiden Bedeutungen seit dem 16. Jh.; vorher ahd. hantgrif ‘Handvoll’ (um 800), mnd. hantgrēpe ‘Stiel, Henkel, Türgriff’, auch ‘Griff mit der Hand’ (vgl. mhd. hantgrift f. ‘das Handanlegen’). Kunstgriff m. ‘geschicktes, besondere Fertigkeiten voraussetzendes Herangehen, Kniff’ (17. Jh.), vgl. gleichbed. nl. kunstgreep. griffig Adj. ‘handlich, gut anzugreifen’, bis ins 19. Jh. auch ‘gierig’, ahd. griphīg ‘zugreifend, begierig’ (11. Jh.), mhd. griffec ‘greifbar’; vgl. mhd. griphec ‘raubgierig, handlich’, ferner mhd. grīfec, frühnhd. greifig ‘wonach greifend, gierig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(der) richtige Dreh · ↗(genialer o.ä.) Trick · (raffinierter o.ä.) Kunstgriff · ↗(spezielle) Praktik · ↗(spezielle) Technik · ↗(spezieller, genialer) Handgriff · ↗Dreh · ↗Finesse · ↗Kniff · ↗Kunststück · Trick 17 · Trick siebzehn · trickreiche Methode  ●  ↗(cleverer o.ä.) Schachzug  fig.
Assoziationen
  • Treibarbeit · ↗Treiben
  • Kriegslist  ●  Ruse de Guerre  geh., franz. · Stratagem  geh., griechisch · ↗Strategem  geh., griechisch · Strategema  geh., griechisch
  • Muster · ↗Tour · ↗Trick · ↗Vorgehensweise  ●  ↗Masche  abwertend · ↗Spiel(chen)  ugs.
  • (das ist) das Interessante (an)  ●  (das ist) der springende Punkt  fig. · das ist der Witz an der Sache  Redensart · darum geht es ja gerade!  ugs., variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erzählen angewandt anwenden architektonisch bewährt bilanziell dialektisch didaktisch dramaturgisch erzählerisch filmisch gelungen genial geschickt gewagt inszenatorisch juristisch kompositorisch kühn literarisch mathematisch methodisch raffiniert rhetorisch semantisch simpel sprachlich stilistisch taktisch wirkungsvoll

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kunstgriff‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie viele schlechte Kritiken hätte er seinem Haus mit diesem Kunstgriff erspart!
Süddeutsche Zeitung, 21.05.2003
Mit diesem biographischen Kunstgriff versucht der Autor das ermüdende Chaos disparater Ereignisse in persönlichen Schicksalen faßbar zu machen.
Der Tagesspiegel, 02.10.1998
Um diesen Kunstgriff zu motivieren, erfand er die rührselige Geschichte.
Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 181
Sie schmeichelten sich, daß Ihre diplomatischen Kunstgriffe hinreichen würden, nicht wahr?
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 1035
Der Propagandist pflegt im allgemeinen weniger als die anderen Werber raffinierte technische Kunstgriffe anzuwenden.
Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 52
Zitationshilfe
„Kunstgriff“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kunstgriff>, abgerufen am 19.10.2019.

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