Kriecherei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kriecherei · Nominativ Plural: Kriechereien
Aussprache
WorttrennungKrie-che-rei
Wortzerlegungkriechen-erei
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend (fortwährendes) unterwürfiges Verhalten vor dem Vorgesetzten
Beispiele:
diese Kriecherei ist mir äußerst zuwider
der König flehte in Briefen voll hündischer Kriecherei die Gnade des Siegers an [MehringDt. Geschichte116]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kriechen · Kriecher · Kriecherei · kriecherisch · Kriechtiere · krauchen · kreuchen
kriechen Vb. ‘sich dicht am Boden fortbewegen’, übertragen ‘sich sehr langsam fortbewegen’, ahd. kriohhan (8./9. Jh.), mhd. kriechen führt mit ablautendem ↗krauchen und verwandtem ↗Krücke (s. d.) auf ie. *greug-, *grūg-, eine Erweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (wozu auch ↗Kringel, ↗Krippe, ↗Kraft, ↗Krume, ↗krumm, s. d.). Einer zur gleichen Wurzel gebildeten, aber auf Labial ausgehenden Erweiterung ie. *greub-, *grūb- folgen die (im Nhd. nicht vertretenen) Verben mhd. (md.) krūfen, mnd. krūpen, mnl. crūpen, nl. kruipen sowie aengl. crēopan, engl. to creep, anord. krjūpa ‘kriechen’ (wozu auch ↗Kropf und ↗Krüppel, s. d.). Übertragener Gebrauch von kriechen im Sinne von ‘unterwürfig schmeicheln’ entwickelt sich im 18. Jh. Dazu Kriecher m. ‘unterwürfiger Schmeichler’, Kriecherei f. ‘unterwürfiges Benehmen’, kriecherisch Adj. ‘unterwürfig-schmeichlerisch’ (18. Jh.). Kriechtiere Plur. in dt. zoolog. Fachsprache für Reptilien (19. Jh.). Eine ablautende omd. Variante zu kriechen ist krauchen Vb. ‘sich kriechend fortbewegen’ (16. Jh.), älteres md. krūchen voraussetzend. Die Wendung was kreucht und fleucht folgt einer Nebenform kreuchen, mhd. kröuchen, die, da schwach flektierend, von einem Kausativum zu krauchen beeinflußt sein dürfte.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kriecherei · ↗Speichelleckerei · ↗Unterwürfigkeit · blinde Ergebenheit · devote Haltung
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die würdelose Kriecherei, auch vor dem berühmtesten Gast, kannte sie nicht.
Süddeutsche Zeitung, 21.01.2004
Er ist von lauter Jasagern umgeben, und ihre Kriecherei scheint ihm nicht zu missfallen.
Die Welt, 21.04.2001
Manche tun sich tatsächlich schwer damit, Freundlichkeit Kunden gegenüber von Kriecherei zu unterscheiden.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 232
Bei aller Artigkeit und Bescheidenheit hüte man sich jedoch, in Kriecherei zu verfallen.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 6542
Vor den Doktortitel haben die Götter nicht nur den Schweiß gesetzt, sondern oft auch etwas Heuchelei und Kriecherei.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18541
Zitationshilfe
„Kriecherei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kriecherei>, abgerufen am 22.07.2019.

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