Kriecher, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kriechers · Nominativ Plural: Kriecher
Aussprache
WorttrennungKrie-cher
Wortbildung mit ›Kriecher‹ als Erstglied: ↗kriecherisch  ·  mit ›Kriecher‹ als Letztglied: ↗Arschkriecher
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend jmd., der sich vor dem Vorgesetzten unterwürfig verhält
Beispiele:
er ist ein typischer Kriecher!
[er war] guter Laune, eifrig, nicht immer diszipliniert, aber kein Kriecher [HermlinGemeinsamkeit62]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kriechen · Kriecher · Kriecherei · kriecherisch · Kriechtiere · krauchen · kreuchen
kriechen Vb. ‘sich dicht am Boden fortbewegen’, übertragen ‘sich sehr langsam fortbewegen’, ahd. kriohhan (8./9. Jh.), mhd. kriechen führt mit ablautendem ↗krauchen und verwandtem ↗Krücke (s. d.) auf ie. *greug-, *grūg-, eine Erweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (wozu auch ↗Kringel, ↗Krippe, ↗Kraft, ↗Krume, ↗krumm, s. d.). Einer zur gleichen Wurzel gebildeten, aber auf Labial ausgehenden Erweiterung ie. *greub-, *grūb- folgen die (im Nhd. nicht vertretenen) Verben mhd. (md.) krūfen, mnd. krūpen, mnl. crūpen, nl. kruipen sowie aengl. crēopan, engl. to creep, anord. krjūpa ‘kriechen’ (wozu auch ↗Kropf und ↗Krüppel, s. d.). Übertragener Gebrauch von kriechen im Sinne von ‘unterwürfig schmeicheln’ entwickelt sich im 18. Jh. Dazu Kriecher m. ‘unterwürfiger Schmeichler’, Kriecherei f. ‘unterwürfiges Benehmen’, kriecherisch Adj. ‘unterwürfig-schmeichlerisch’ (18. Jh.). Kriechtiere Plur. in dt. zoolog. Fachsprache für Reptilien (19. Jh.). Eine ablautende omd. Variante zu kriechen ist krauchen Vb. ‘sich kriechend fortbewegen’ (16. Jh.), älteres md. krūchen voraussetzend. Die Wendung was kreucht und fleucht folgt einer Nebenform kreuchen, mhd. kröuchen, die, da schwach flektierend, von einem Kausativum zu krauchen beeinflußt sein dürfte.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kriecher · ↗Schmeichler  ●  ↗Radfahrer  fig. · ↗Wurm  veraltet · ↗Arschkriecher  derb · Byzantiner  geh., veraltend · ↗Liebediener  geh. · ↗Schleimer  ugs., Hauptform · ↗Schleimscheißer  derb · ↗Schranze  geh., veraltet · ↗Speichellecker  derb · ↗Steigbügelhalter  geh. · ↗Stiefellecker  derb
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Heuchler Schleimer Schmeichler

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kriecher‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seitdem haust ein kleiner Chor der perfiden Kriecher in unserem Ohr und singt Disco-Hits aus den Siebzigern.
Die Welt, 14.01.2002
Das Vieh kann sich in jede menschliche Gestalt verwandeln und hat aus den Bürgern der Stadt schleimige Kriecher gemacht.
Süddeutsche Zeitung, 11.06.2001
Er mußte sich daran erinnern, daß er Bechthold zwar einerseits für hochintelligent und fachlich durchaus versiert hielt, andererseits für einen schleimigen Kriecher und Pedanten.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 626
Da brauchen sie sich noch nicht mal umzustellen, all die Schleimer und Kriecher und Leute ohne eigenen Kopf.
Boie, Kirsten: Skogland, Ort: Hamburg 2005, S. 367
Er wäre ein Kriecher und Streber; dabei führte er eine niedrige Geschichte in seinem Verhalten gegen Liszt vor.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30219
Zitationshilfe
„Kriecher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kriecher>, abgerufen am 18.06.2019.

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