Kratzfuß, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKratz-fuß
WortzerlegungkratzenFuß
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltet tiefe Verbeugung, bei der man den einen Fuß scharrend nach hinten zieht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kratzen · Kratze · Kratzer · abkratzen · zerkratzen · aufgekratzt · Kratzbeere · Kratzbürste · kratzbürstig · Kratzfuß
kratzen Vb. ‘mit einem rauhen, scharfen oder spitzen Gegenstand schaben, reiben, ritzen’. Neben ahd. krazzōn (9. Jh.), mhd. kratzen, aschwed. schwed. (mundartlich) kratta, dän. kratte stehen die j-Bildungen mhd. kretzen, mnl. cretten, cretsen sowie (ablautend) anord. krota ‘etw. mit Figuren verzieren’. Wenn außerhalb der germ. Sprachen alban. gërresë ‘Kratzeisen, Topfkratzer’ hierher zu stellen ist, kann von ie. *gred- ‘kratzen’ ausgegangen werden. Auf einer s-Erweiterung beruhen wohl mnd. nd. krassen und mnl. crassen, nl. krassen; vgl. Kaspers in: PBB (H) 77 (1955) 235 ff. Kratze f. ‘Werkzeug zum Kratzen’, mhd. kratze. Kratzer m. ‘wer kratzt’ (16. Jh.), ‘Kratzwunde, Schramme’ (20. Jh.). abkratzen Vb. ‘etw. kratzend entfernen’, mhd. abekratzen; derb umgangssprachlich ‘sterben’ (19. Jh.), nach ‘sich davonmachen, mit einem Kratzfuß abtreten’ (s. unten Kratzfuß). zerkratzen Vb. ‘durch Kratzen zerstören’, mhd. zerkratzen, zerkretzen. aufgekratzt Part.adj. ‘gut angezogen, munter, vergnügt’ (18. Jh.), aufkratzen ‘(sich) putzen, (sich) heiter stimmen’, eigentlich ‘durch Kratzen aufscharren, aufreiben’, z. B. Erde, Haut (16. Jh.), dann ‘durch Kratzen aufbereiten (Tuch, Kleider), erneuern’. Kratzbeere f. heute auch (in mundartlicher Lautung, vgl. omd. kroatzen) Kroatzbeere ‘Brombeere’, spätmhd. kratzber, nach den kratzenden Stacheln des Strauches. Kratzbürste f. ‘grobe, scharfe Reinigungsbürste’, übertragen ‘unfreundliche, widerspenstige Person’ (17. Jh.); kratzbürstig Adj. ‘unfreundlich, widerspenstig’ (19. Jh.). Kratzfuß m. ‘Verbeugung, bei der man einen Fuß scharrend nach hinten zieht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Diener · ↗Knicks · ↗Verbeugung · ↗Verneigung  ●  Kratzfuß  veraltet · ↗Ehrenbezeigung  geh. · ↗Reverenz  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Beugemann · ↗Bückling · ↗Ergebenheitsbekundung · ↗Kniefall · ↗Kotau · Kratzfuß · ↗Selbsterniedrigung · ↗Unterwerfung  ●  ↗Unterwerfungsgeste  Hauptform · ↗Proskynese  geh., veraltet, historisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bückling

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kratzfuß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eigentlich hatte er noch mehr rhetorische Kratzfüße beabsichtigt, doch er nahm sich zurück, wohl um nicht überdeutlich zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 16.08.1999
Da konnte Diederich sich nicht länger enthalten, ihm mit einem Kratzfuß zu danken.
Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 259
Wer nach Gentleman aussah und die passenden Kratzfüße vollführte, wurde vom Wachpersonal durchgelassen.
Die Zeit, 01.05.2013, Nr. 18
Er begrüßte uns sehr ehrerbietig; die Kratzfüße und Bücklinge hätten genügt, eine Exzellenz zu empfangen.
Viersbeck, Doris: Erlebnisse eines Hamburger Dienstmädchens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8181
Ein langer, blonder, blauäugiger Schwabe in Russisch-Feldgrau erscheint und macht, ebenso höflich wie unmilitärisch, seinen Kratzfuß.
Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 04.03.1915
Zitationshilfe
„Kratzfuß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kratzfuß>, abgerufen am 12.11.2019.

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