Krähwinkel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKräh-win-kel
WortzerlegungKräheWinkel
Wortbildung mit ›Krähwinkel‹ als Grundform: ↗Krähwinkelei
eWDG, 1969

Bedeutung

abwertend spießbürgerliche Kleinstadt oder Gesinnung
Beispiele:
im Krähwinkel leben
Gedanken aus (dem) Krähwinkel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

krähen · Krähe · Krähenfüße · Krähwinkel
krähen Vb. ‘gellende Schreie von sich geben’ (besonders vom Hahn), übertragen ‘unschön singen, sprechen’, auch (vom Säugling) ‘vergnügt schreien’, ahd. krāen (um 800), mhd. kræ(je)n, asächs. krāen, mnd. kreyen, mnl. craeyen, crāyen, nl. kraaien und (stark flektierend) aengl. crāwan, engl. (auch schwach) to crow. Außergerm. vergleichbar sind russ.-kslaw. grajati, russ. (landschaftlich) grájat’ (граять) ‘krächzen, krähen’, lit. gróti ‘krächzen, brüllen, weinen’. Auszugehen ist von der Schallwurzel ie. *ger- bzw. (erweitert) *grā- ‘heiser schreien’, deren lautnachahmender ā-Laut im Germ. beibehalten wird (s. auch ↗krachen, ↗Kranich). Krähe f. Name für den mittelgroßen schwarzen Rabenvogel, eigentlich ‘Krächzerin’, ahd. krā, krāha, krāja (9. Jh.), krāwa (10. Jh.) ‘Krähe, Kranich, Star’, mhd. krā(e), krāwe, kreie, auch ‘Star’, asächs. krāia, mnd. krā, kreye, mnl. craeye, crāye, nl. kraai, aengl. crāwe, engl. crow. Krähenfüße Plur. ‘krakelige Schrift’ (16. Jh.), ‘kleine Falten in den äußeren Augenwinkeln’ (19. Jh.). Krähwinkel Ortsname, auch Kra-, Kreh-, Kran-, Kram-, Grauwinkel, eigentlich ‘Ort, wo Krähen nisten’, übertragen ‘provinzielle, spießbürgerliche, schwatzhafte Kleinstadt’; literarisch zuerst bei Jean Paul (1801), dann bei Kotzebue (1803).

Thesaurus

Synonymgruppe
Kleinstadt · Krähwinkel · ↗Marktflecken · Städtchen · kleine Stadt  ●  ↗Provinzkaff  abwertend · ↗Provinznest  abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen
  • lasch · ↗uninteressant · wenig aufregend  ●  ↗lahm  fig. · ↗langweilig  Hauptform · (so aufregend) wie eingeschlafene Füße  ugs.
  • Dorf · ↗Flecken · ↗Markt · ↗Marktflecken · ↗Ortschaft · Städtchen  ●  ↗Kuhdorf  ugs., abwertend
  • abgelegen · ↗abgeschieden · ↗abseitig · ↗außerhalb · ↗einsam · einsam und verlassen · ↗menschenleer · ↗öde  ●  ↗entlegen  Hauptform · (da) ist der Hund verfroren  ugs. · (da) sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht  ugs., sprichwörtlich · (eine) einsame Gegend  ugs. · ab vom Schuss  ugs. · am Arsch der Welt  derb · fernab der Zivilisation  geh. · in der Pampa  ugs. · in der Walachei  ugs., sprichwörtlich, fig. · jottwedee  ugs., berlinerisch · jwd  ugs., berlinerisch · weit ab vom Schuss  ugs. · weit vom Schuss  ugs.
  • Ackerbürgerstadt · ↗Landstadt  ●  Oppidum  fachspr., historisch · ↗Provinznest  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Freiheit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Krähwinkel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist wie in Krähwinkel: hier herrschen ähnlich verkehrte Ansichten, Engherzigkeit und kleinliches Verhalten wie in einem kleinen Ort aus der Provinz.
Röhrich, Lutz: Krähwinkelei. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 29047
Doch dahin ist der Weg vom Krähwinkel hinter Kiel sehr weit, zu weit.
Der Tagesspiegel, 15.09.1999
Derart bedenklich habe sich in letzter Zeit das Meinungsklima hierzulande verändert, eindeutig zurück nach Krähwinkel.
Die Zeit, 03.07.1995, Nr. 27
Sie qualifizieren ihren Erzeuger als tiefste Provinz, als Krähwinkel ab.
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2001
Über Fernsehen und Werbung, Konsum und Freizeit, Bildung und Beruf kommen die Botschaften der Stadt noch im hintersten Krähwinkel an.
Die Welt, 26.03.2002
Zitationshilfe
„Krähwinkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Krähwinkel>, abgerufen am 22.10.2019.

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