Kladderadatsch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kladderadatsch(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKlad-de-ra-datsch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutung

umgangssprachlich
1.
Chaos, heilloses Durcheinander nach einem Zusammenbruch
Beispiele:
Als der alte Bebel in seiner Reichstagsrede vom 9. November 1911 vor dem Kriege warnt, weil ihm »der große Kladderadatsch« folgen werde, das Massenelend, die Arbeitslosigkeit, die Hungersnot, ertönt von rechts der Zuruf: »Nach jedem Kriege wird es besser!« [Die Zeit, 25.03.1966, Nr. 13]
Wowereit dürfte es dabei ziemlich egal gewesen sein, dass das Scheitern von Rot-Grün in Berlin nicht zur bundespolitischen Koalitionsperspektive der SPD passt. Und doch steckt im rot-grünen Kladderadatsch in der Hauptstadt mehr als die Rache des Regierenden. [Die Zeit, 13.10.2011, Nr. 42]
bildlich Wenn das Stürzen [des Pfannkuchens] nicht gelingt, wenn also der gebackene Teig zerreißt und der ganze Kladderadatsch ungeordnet aus der Pfanne auf den Teller purzelt, ist es immer noch effektvoll: Bei den Gästen bricht die Schadenfreude durch. [Die Zeit, 28.08.2003, Nr. 36]
Er möchte die Kinopreise und Filmleihmieten am liebsten ganz und gar freigeben. Die Filmleute befürchten aber für diesen Fall den totalen Kladderadatsch ihrer schwer lädierten Industrie. [Der Spiegel, 27.02.1952, Nr. 9]
2.
Skandal, Aufregung
Beispiele:
Statt festlicher Harmonie in der Osterwoche erlebt die Scala also den denkbar größten Kladderadatsch: die Angestellten gegen die Chefs, die Musiker gegen den Dirigenten, die Intendanten gegeneinander, das Publikum gegen das Orchester und alle für die Kunst. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2005]
Er ging in der Fragestunde des Nationalrats […] und vor den Medien auf den jüngsten Kladderadatsch im Kollegium ein. [Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kladderadatsch m. ‘Geklirr’, übertragen ‘Zusammenbruch, Chaos, Skandal, Aufregung’, auch Name einer 1848 in Berlin begründeten politisch-satirischen Wochenschrift, Substantivierung der im Nordd. gebräuchlichen Interjektion kladderadatsch, erweitert aus klatsch (s. ↗klatschen) und kladatsch, die lautmalend ein krachendes, klirrendes Geräusch wiederzugeben sucht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gerümpel · ↗Klüngel · ↗Kram  ●  ↗(wertloses) Zeug  Hauptform · ↗Klumpert  österr. · Driss  ugs., kölsch · ↗Firlefanz  ugs. · ↗Gedöns  ugs., norddeutsch · ↗Gelumpe  ugs. · ↗Geraffel  ugs. · Gesumsel  ugs. · Glump  ugs., mitteldeutsch, süddt., bair. · ↗Glumpert  ugs., bair., österr. · Graffel  ugs., österr., bair. · Grusch  ugs. · Kladderadatsch  ugs. · ↗Klimbim  ugs. · Kramuri  ugs., österr. · ↗Krempel  ugs., Hauptform · ↗Krimskrams  ugs. · Krusch(t)  ugs. · ↗Müll  derb · ↗Nippes  ugs. · ↗Plunder  ugs. · Plörren  ugs., ruhrdt. · ↗Ramsch  ugs. · ↗Schnickschnack  ugs. · ↗Schrott  derb, abwertend · ↗Tand  geh., veraltet · ↗Tinnef  ugs. · ↗Trödel  ugs. · ↗Zeugs  ugs., abwertend · ↗Zinnober  ugs.
Oberbegriffe
  • nicht lebendes Objekt · unbelebtes Objekt
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Durcheinander (von / an) · Kladderadatsch · wüster Haufen  ●  ↗(der ganze) Salat  fig. · unsortierter Kram  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Karikatur

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kladderadatsch‹.

Zitationshilfe
„Kladderadatsch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kladderadatsch>, abgerufen am 24.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Kladde
klacksen
Klacks
klackern
klacken
Kladistik
Klaff
kläffen
Kläffer
Kläfferei