Kirchweih, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungKirch-weih (computergeneriert)
WortzerlegungKircheWeihe1
Wortbildung mit ›Kirchweih‹ als Erstglied: ↗Kirchweihfest
eWDG, 1969

Bedeutung

Jahrestag der Einweihung der Kirche, oft mit Jahrmarkt und Lustbarkeiten verbunden; Kirmes
vergleiche KirchweiheQuelle: DWDS, 2016
Beispiele:
zur Kirchweih gehen
in P war Kirchweih
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kirche · kirchlich · Kirchner · Kirchenlicht · Kirchenmaus · Kirchenvater · Kirchhof · Kirchspiel · Kirchtag · Kirchweih
Kirche f. ‘christliches Gotteshaus, Gemeinschaft gläubiger Christen gleichen Bekenntnisses’, ahd. kirihha (8. Jh.), mhd. kirche, asächs. kerika, kirica, mnd. mnl. kerke, karke, nl. kerk, aengl. cir(i)ce, cyr(i)ce, engl. church ist entlehnt aus spätgriech. kȳrikón (κυρικόν) ‘Gotteshaus’ (4. Jh.), einer Vulgärform von griech. kȳriakón (κυριακόν), Neutr. Sing. zu kȳriakós (κυριακός) Adj. ‘dem Herrn gehörig’, abgeleitet von kȳ́rios (κύριος) ‘Herr, Herrscher’, auch Bezeichnung Gottes bzw. Christi. Daß das Got. griech. kȳrikón den übrigen germ. Sprachen vermittelt habe, ist wenig wahrscheinlich, statt dessen ist Aufnahme des Wortes im griech.-lat. geprägten Christentum der römischen Kolonialstädte (z. B. Metz, Trier, Köln) im Rahmen der Bautätigkeit der konstantinischen Epoche anzunehmen. Das in den germ. Sprachen geltende feminine Genus mag unter dem Einfluß von lat. basilica entstanden sein. Bereits ahd. kirihha bezeichnet (wie kirchenlat. ecclēsia) sowohl das ‘Gotteshaus’ und die dort ‘versammelte Gemeinde’ als auch die ‘geistige Kirche’. Vgl. Masser Bez. f. d. christl. Gotteshaus (1966) 17 ff. kirchlich Adj. ahd. kir(i)hlīh (9. Jh.), mhd. kirchlich. Kirchner m. ‘Kirchendiener, Küster’, mhd. kirchenære, kirchener ‘Küster, Mesner’, mnd. kerkenēre. Kirchenlicht n. heute nur in der Wendung kein großes Kirchenlicht sein, (‘kein kluger Mensch sein’), im 16. Jh. nach kirchenlat. lūmen ecclēsiae gebildet, einer ehrenden Charakterisierung für den Kirchenlehrer Augustinus, entsprechend Kirchenlichter (Mathesius 1570) für Luther und die Wittenberger Theologen, spöttisch bereits 1517 in lat. lux theologorum (Dunkelmännerbriefe); der dt. Ausdruck dürfte von Anfang an wenn nicht ironisch gebraucht, so doch mit diesem Nebensinn empfunden worden sein. Kirchenmaus f. meist arm wie eine Kirchenmaus ‘sehr arm’, eigentlich ‘wie eine Maus, die in einer Kirche lebt, wo es keine Vorräte gibt’ (18. Jh.). Kirchenvater m. meist Plur., ‘Verfasser bedeutender theologischer Schriften in der Frühzeit der christlichen Kirche’ (17. Jh.), nach kirchenlat. pater ecclēsiae. Kirchhof m. ‘eingefriedeter Raum um eine Kirche, Begräbnisplatz’, mhd. kirchhof, mnd. kerkhof. Kirchspiel n. ‘Pfarrbezirk’, ahd. kirihspil (Hs. 13. Jh.), mhd. kirchspil, -spel ‘Bezirk, in dem ein Pfarrer predigen und amtieren darf, Gesamtheit der Pfarrkinder, Gemeinde’, mnd. ker(k)spel; eigentlich ‘Bezirk der Kirchenpredigt’, zu mhd. spel n. ‘(dichterische) Erzählung, Erdichtung, Sage, Gerede, Gegenstand des Geredes’ (s. ↗Beispiel). Kirchtag m. ‘Tag bzw. Jahrestag der Kirchweihe’, mhd. kirchtac ‘Kirchweihfest, Jahrmarkt’. Kirchweih f. ‘Kirchweihfest, Jahrmarkt, Jahrmarktsgeschenk’, mhd. kirchwīhe, vgl. formal entsprechendes ahd. kirihwīhī (9. Jh.); zur Bedeutungsentwicklung s. ↗Kirmes.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kemmes (Nassau) · Kier (Spessart)  ●  Kerb  westdeutsch · Kerm  unterfränkisch · ↗Kermes  westdeutsch · Kerms  thüringisch · Kermst  thüringisch · Kerwa  fränk. · Kerwe  pfälzisch · Kiada  südoberpfälzisch · Kirb  westdeutsch · ↗Kirbe  pfälzisch · Kirchweih  Hauptform · Kirmse  thüringisch · Kirwa  ostfränkisch · Käada  südoberpfälzisch · Kärms  thüringisch · Kärmst  thüringisch · Kärwa  fränk. · Kärwe  pfälzisch · ↗Kirmes  ugs., Hauptform
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Jahrmarkt · Kirchweih · ↗Kirmes · ↗Markt · ↗Volksfest  ●  ↗Dult  bair., österr. · ↗Kirchtag  süddt. · ↗Kirtag  österr., bair. · Kerwe  ugs. · ↗Rummel  ugs.
Unterbegriffe
  • Oktoberfest · ↗Wiesn
  • Kemmes (Nassau) · Kier (Spessart)  ●  Kerb  westdeutsch · Kerm  unterfränkisch · ↗Kermes  westdeutsch · Kerms  thüringisch · Kermst  thüringisch · Kerwa  fränk. · Kerwe  pfälzisch · Kiada  südoberpfälzisch · Kirb  westdeutsch · ↗Kirbe  pfälzisch · Kirchweih  Hauptform · Kirmse  thüringisch · Kirwa  ostfränkisch · Käada  südoberpfälzisch · Kärms  thüringisch · Kärmst  thüringisch · Kärwa  fränk. · Kärwe  pfälzisch · ↗Kirmes  ugs., Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

feiern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kirchweih‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Theatinerkirche feiert Kirchweih mit einem lateinischen Amt um 10.30 Uhr.
Süddeutsche Zeitung, 19.10.1996
Aber wenn man dabei die Mundwinkel immer wieder gewaltsam hochziehen muß, klingt das Lied eben anders als zur Kirchweih.
Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 63
Den Hauptteil der Kirchweih bilden natürlich die oft sehr weltlichen Feiern.
Völkischer Beobachter (Bayernausgabe), 02.03.1930
Der Tag, an dem sich dies alles zugetragen hat, ist der Freitag vor Kirchweih.
Christ, Lena: Madam Bäurin. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4622
Die Liebenden sinken einander in die Arme, und inmitten der Polkaseligkeit der Kirchweih wird Verlobung gefeiert.
Fath, Rolf: Werke - Z. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 23040
Zitationshilfe
„Kirchweih“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kirchweih>, abgerufen am 22.04.2019.

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