Kinnlade, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungKinn-la-de
WortzerlegungKinnLade
eWDG, 1969

Bedeutung

siehe auch Kinnbacke
Beispiele:
die Kinnladen zusammenbeißen
Haie lacht so, daß er sich die Kinnlade ausrenkt [RemarqueIm Westen86]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kinn · Kinnbacke · Kinnbacken · Kinnlade
Kinn n. ‘Gesichtsvorsprung am Unterkieferknochen’. Die zum Teil in andere Deklinationsklassen übergetretenen bzw. (im Dt. und Nl. zum ja-Stamm) weitergebildeten germ. Formen ahd. kinni (9. Jh.), mhd. kinne, kin, asächs. kinni, mnd. mnl. kin, kinne, nl. kin, aengl. cin(n), engl. chin und (mit der jüngeren Bedeutung ‘Wange’) anord. kinn, schwed. kind, got. kinnus weisen im Vergleich mit den außergerm. Formen auf einen ie. u-Stamm, der sich im Got. deutlich erhalten hat. (Das doppelte n in germ. *kennu- ist aus einem überall durchgeführten ursprünglichen -nu̯- obliquer Kasus hervorgegangen.) Zusammen mit den germ. Zeugnissen führen griech. génys (γένυς) ‘Kinn, Kinnbacke’, lat. genuīnus ‘Backenzahn’ (neben umgebildetem lat. gena ‘Wange’), kymr. gen ‘Wange, Kinn’, air. gi(u)n ‘Mund’, aind. (mit sekundärem, ie. g̑h- entsprechendem Anlaut) hánuḥ ‘Kinnbacke’ dazu, ein ursprüngliches Femininum ie. *g̑enu- ‘Kinnbacke, Kinn’ zu erschließen. Offen bleibt, wieweit ein Zusammenhang mit den unter ↗Knie (s. d.) behandelten (im wesentlichen in neutralen Substantiven erscheinenden) Ausgangsformen ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ besteht. Semantisch wären die ie. Formen sehr wohl unter einer Grundbedeutung ‘Krümmung’ zu vereinigen. Kinnbacke f. Kinnbacken m. ‘seitlich ans Kinn anschließender Wangenteil’ (s. ↗Backe), ahd. kinnibacko (9. Jh.), mhd. kin(ne)backe. Kinnlade f. ‘(Unter)kiefer’ (18. Jh.), eine anfangs scherzhafte Bezeichnung im Sinne von ‘Zahnbehältnis’ zu ↗Lade ‘Behälter’ (s. d.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Kinnbacke · Kinnlade
Oberbegriffe
Anatomie
Synonymgruppe
Kinnlade · ↗Unterkiefer
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Masseter-Temporalisreflex · Masseterreflex · Unterkieferreflex

Typische Verbindungen
computergeneriert

fällen herunterfallen herunterklappen klappen runterfallen runterklappen wackeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kinnlade‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gerade noch von einer harten Linken benommen, kracht ihm schon ein rechter Haken an die Kinnlade.
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2004
Dem klappte die Kinnlade herunter und er bat mich um ein Autogramm.
Bild, 26.08.1998
Einer von ihnen wies mit der Kinnlade auf das sprudelnde Wasser und knirschte häßlich mit den Zähnen.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 285
Die Bewegungen deiner Kinnladen, deiner Lippen und der Zunge dürfen nie hastig und müssen immer geräuschlos sein.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22903
Zitationshilfe
„Kinnlade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kinnlade>, abgerufen am 21.10.2019.

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