Kindheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kindheit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKind-heit
Wortbildung mit ›Kindheit‹ als Erstglied: ↗Kindheitseindruck · ↗Kindheitserinnerung · ↗Kindheitserlebnis · ↗Kindheitsgefährte · ↗Kindheitsschwarm · ↗Kindheitstag
eWDG, 1969

Bedeutung

Lebenszeit eines jungen Menschen von der Geburt bis zur Geschlechtsreife
Beispiele:
eine frohe, sorglose, schwere, entbehrungsreiche, freudlose Kindheit
die Tage, Erlebnisse der Kindheit
gehoben das Paradies der Kindheit
in frühester Kindheit
von Kindheit an
eine unbeschwerte, glückliche Kindheit haben, verleben
aus seiner Kindheit erzählen
Bilder aus der Kindheit stiegen in ihm auf
in seiner Kindheit gab es noch kein Fernsehen
der Dichter schrieb viel über seine Kindheit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kind · Kindheit · kindisch · kindlich · Kindlichkeit · Kindbett · Kindergarten · Kinderhort · Kinderstube · Kindeskind · Kindskopf
Kind n. ‘Nachkomme (Sohn oder Tochter), Junge oder Mädchen’, ahd. kind ‘Kind, Sohn, Nachkomme, junger Mann, Knabe, Zögling’ (8. Jh.), mhd. kint und (als frühe Entlehnungen aus dem Hd., vgl. Simon Sprachmischung im Heliand (1965) 26 ff.) asächs. kind, mnd. mnl. kint, nl. kind führen auf ein mit ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv zur Verbalwurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ (zur Bildungsweise s. auch ↗alt). Germ. Verwandte sind (mit anderer Dentalableitung) anord. kind ‘Geschlecht, Kind, Stamm’, aengl. cynd ‘Geschlecht, Geburt, Art, Gattung’, engl. kind, ablautend anord. kundr ‘Sohn, Verwandter’, kunnr ‘verwandt’, got. -kunds ‘herstammend’ sowie die unter ↗König (s. d.), eigentlich ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, behandelten Formen. Außergerm. entsprechen als to-Partizipien, aber in ihrer Form deutlich auf eine zweisilbige Wurzel weisend, aind. jātáḥ, lat. nātus (alat. gnātus) ‘geboren’. Zur Wurzel gehören ferner griech. gígnesthai (γίγνεσθαι) ‘werden, entstehen’, lat. gignere (genitum) ‘(er)zeugen, gebären, hervorbringen’, genus ‘Abstammung, Geschlecht, Gattung, Art und Weise’ (s. ↗Genus und die dort genannten Verwandten). Auf Grund der aus früher Zeit überlieferten Gewohnheit, kniend zu gebären, sowie des Brauches, ein Kind dadurch anzuerkennen, daß es sich der Vater aufs Knie setzt, wird vielfach ursprüngliche Identität der Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ und *g̑en(ə)- ‘erkennen, kennen’ (s. ↗können) mit ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ (s. ↗Knie) angenommen. Das würde aber den Verbalwurzeln einen denominativen Charakter beilegen, der kaum annehmbar ist. Kindheit f. ‘Lebenszeit des Menschen von der Geburt bis zur Geschlechtsreife’, ahd. kindheiti (8./9. Jh.), kindheit (Hs. 12. Jh.), mhd. kintheit. kindisch Adj. ‘wie ein Kind, albern’, ahd. kindisc ‘kindlich, jung’ (9. Jh.), mhd. kindisch, kindesch, auch schon ‘albern’. kindlich Adj. ‘wie ein Kind’, ahd. kindlīh (11. Jh., zuvor kindlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. kintlich; dazu Kindlichkeit f. (18. Jh.). Kindbett n. ‘Wochenbett’, ahd. kindbette (um 1000), mhd. kintbette. Kindergarten m. ‘Kindertagesstätte’, 1840 von F. Fröbel als Bezeichnung für seine Vorschule für kleine Kinder geprägt. Kinderhort m. ‘Tagesstätte für Schulkinder, in der sie die unterrichtsfreie Zeit verbringen’, meist nur ↗Hort (s. d.), 1871 nach dem Vorbild von Kindergarten gebildet. Kinderstube f. ‘Schule’ (15. Jh.), ‘Aufenthaltsraum für Kinder’ (18. Jh.), übertragen ‘gute Manieren, gutes Benehmen’ (19. Jh.). Kindeskind n. ‘Enkel, Nachkomme’, mhd. kindes kint. Kindskopf m. ‘lustig-alberner Mensch, der sich wie ein Kind gebärdet’ (18. Jh.), im 17. Jh. dagegen wie Kinderkopf verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Jahre) bis zum Schuleintritt · ↗(im) Kindesalter · (jemandes) erste Lebensjahre · Jahre als Kind · ↗Kinderzeit · Kindheitstage  ●  Kindheit  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
  • als (kleiner) Junge · im Knabenalter
  • als Kind · im zarten Alter von ... Jahren · in jungen Jahren · mit jungen Jahren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erinnerung Erlebnis Erwachsensein Held Jugend Jugendzeit Ort Paradies Schulzeit Stätte Trauma Verschwinden behütet eigen erinnern erzählen früh glücklich irisch prägen schildern traumatisch unbeschwert unglücklich verbracht verbringen verkorkst verleben verloren zurückdenken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kindheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seit seiner Kindheit weiß er, wie gefährlich es sein kann, sich einzumischen.
Die Zeit, 25.02.2008, Nr. 08
Ein persönlicher Gott kam für ihn seit dem Ende der Kindheit nicht mehr in Frage.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 314
Als größtes Vergnügen seiner Kindheit bezeichnet er die experimentelle Wissenschaft.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 473
Ich glaube, daß es für mein Leben bedeutsam war, in einer solchen Umgebung die Kindheit verlebt zu haben.
Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang, Eine nicht vollendete Autobiographie. In: Oliver Simons (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1925], S. 31107
Wenn er an seine Kindheit denke, denke er nur das Wort.
Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 18
Zitationshilfe
„Kindheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kindheit>, abgerufen am 15.07.2019.

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