Keckheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Keckheit · Nominativ Plural: Keckheiten
Aussprache
WorttrennungKeck-heit (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

keckes Wesen, Verhalten
a)
Dreistigkeit, Respektlosigkeit
Beispiele:
eine große, ungemeine Keckheit
welche Keckheit!
er hatte die Keckheit, mir ins Wort zu fallen
jmdm. mit Keckheit entgegnen
aber schon zeigt sie ... eine Spur von Keckheit [RinserMitte323]
b)
Kühnheit, Verwegenheit
Beispiele:
eine furchtlose Keckheit
der Gegner griff mit beispielloser Keckheit an
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

keck · Keckheit
keck Adj. ‘unbefangen, kühn, verwegen’, seit Ende des 15. Jhs. auch ‘dreist’, ahd. (um 1000), mhd. kec ist eine vom Alem. ausgehende und sich in der nhd. Literatursprache durchsetzende obd. Variante von ahd. quec (8. Jh.), mhd. quec, frühnhd. queck (mit Vokalveränderung durch Brechung) neben asächs. quik, mnd. nd. quick (s. ↗quicklebendig), mnl. quic, nl. kwi(e)k, aengl. cwic, cuc(u), engl. quick, anord. kvikr, kykr, schwed. (vielleicht unter dt. Einfluß) kvick (den ursprünglichen Anlaut zeigen noch ↗Quecke, ↗Quecksilber, ↗erquicken, ↗verquicken, s. d.). Die Bedeutung des Adjektivs wandelt sich von ‘lebendig’ (ahd. asächs. aengl. anord., ebenso noch mhd. mnd. mnl.) zu ‘lebhaft, frisch, munter’ (mhd. frühnhd., mundartlich noch im Obd., ferner nd. nl. engl.) und im Dt. schließlich zu ‘mutig, kühn’ (zuerst mhd.); andere Entwicklungen führen zu ‘fest, gedrungen’ (spätmhd. und in obd. Mundarten) und ‘schnell, flink’ (nl. engl. schwed.). Die westgerm. und nordgerm. Formen (germ. *kwikwaz) unterscheiden sich durch zweifachen Guttural (Annahme eines g-Suffixes bereits für die ie. Vorstufe ist unsicher, vgl. aber landschaftliches lett. dzīga, dzīgot neben lett. dzīve ‘Leben’, dzīvot ‘leben’) von got. qius ‘lebendig’ (germ. *kwiwaz); dieses setzt zusammen mit air. beo ‘lebendig’ und griech. bíos (βίος) ‘Leben’ (falls aus ie. *gu̯iu̯os und nicht zweisilbiges Wurzelnomen, vgl. Frisk 1, 238; s. ↗bio-) sowie mit den nur in der ursprünglichen Vokalquantität abweichenden Bildungen aind. jīvāḥ, lat. vīvus, lit. gývas, lett. dzīvs, aslaw. živъ, russ. živój (живой) ‘lebendig’ ie. *gu̯ī̌u̯o- fort, das (als Erweiterung zur Schwundstufe) zu einer Wurzel ie. *gu̯ei-, *gu̯ei̯ə- ‘leben’ gehört, die allen genannten germ. und außergerm. Formen zugrunde liegt und mit unterschiedlichen Ablautstufen auch in griech. hygiḗs (ὑγιής) ‘gesund’ (eigentlich ‘wohllebend’), zṓon (ζῷον) ‘Lebewesen, Tier’, lat. vīta ‘Leben’ auftritt. Keckheit f. ‘Kühnheit, Dreistigkeit’, mhd. kecheit ‘frisches, mutiges Wesen’ (Ende 12. Jh.), vgl. früheres ahd. keckī (9. Jh.), queckī (11. Jh.) ‘Lebenskraft, Lebhaftigkeit’, mhd. quecke, kecke ‘frisches, mutiges Wesen, Tapferkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dreistigkeit · Keckheit · ↗Unverfrorenheit · ↗Unverschämtheit · ↗Zumutung · harter Tobak · starker Tobak
Assoziationen
  • (ein) starkes Stück · ↗(eine) Frechheit · ↗(eine) Unverschämtheit · (etwas) spottet jeder Beschreibung · ↗dreist · ↗haarsträubend · hagebüchen · ↗hanebüchen · jeder Beschreibung spotten · ↗skandalträchtig · ↗unerhört · ↗unglaublich · ↗unsäglich · ↗unverschämt  ●  nichts für schwache Nerven  übertreibend · (da) bleibt einem die Spucke weg  ugs., fig. · (da) hört sich doch alles auf!  ugs. · (das ist) der Gipfel der Unverschämtheit  ugs. · (das) schlägt dem Fass den Boden aus!  ugs. · (das) schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht  ugs., scherzhaft-ironisch, salopp · (das) setzt dem ganzen die Krone auf!  ugs. · (dazu) fällt einem nichts mehr ein  ugs. · (ein) dicker Hund  ugs., fig. · (eine) Zumutung!  ugs. · (etwas) geht auf keine Kuhhaut  ugs. · also so etwas!  ugs. · ↗bodenlos  ugs. · das Allerletzte  ugs. · das Letzte  ugs. · das ist (ja wohl) die Höhe!  ugs. · heftig!  ugs. · ja gibt's denn sowas!?  ugs. · kaum zu fassen  ugs. · man fasst es nicht!  ugs. · nicht zu fassen  ugs., Hauptform · ↗unmöglich  ugs.
  • (das ist) eine (bodenlose) Frechheit!  ugs. · Frechheit!  ugs. · Unverschämtheit!  ugs. · da bleibt einem (ja) die Spucke weg!  ugs., sprichwörtlich, fig. · da hört sich doch alles auf!  ugs. · das ist (ja wohl) (die) unterste Schublade!  ugs., sprichwörtlich, fig. · das ist (ja wohl) das Allerletzte!  ugs. · das wäre ja noch schöner!  ugs. · ich muss doch (sehr) bitten!  ugs. · wie reden Sie mit mir!?  ugs. · wo gibt es denn so etwas!  ugs.
Synonymgruppe
Dreistigkeit · Keckheit · ↗Übermut

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und trotzdem ist ihm auch gar nichts von seiner jugendlichen Keckheit verloren gegangen.
Die Zeit, 01.10.2003, Nr. 40
Trotzdem wirkt nach dem schwer verdaulichen spätromantischen Gewaber Beethovens vierte Sinfonie in ihrer sonnigen Keckheit wie befreiend.
Der Tagesspiegel, 16.02.1998
Sind Fröhlichkeit und Keckheit im Wahlkampf nach den Ereignissen in Erfurt überhaupt noch vorstellbar?
Die Welt, 06.05.2002
Er neckte die Schönen und besonders auf Annemarie Braun, die in übermütiger Keckheit jeden scherzhaften Hieb parierte, hatte er es abgesehen.
Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 91
Sein Erstlingswerk, ein großangelegtes Reflexionsdrama, das ein Thema wie etwa "Kain" von Byron behandelt, zeigt neben starker Phantasie die Keckheit, große Probleme anzugreifen.
Berliner Tageblatt (Montags-Ausgabe), 09.03.1908
Zitationshilfe
„Keckheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Keckheit>, abgerufen am 18.06.2019.

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