Kastellan, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kastellans · Nominativ Plural: Kastellane
Aussprache
WorttrennungKas-tel-lan
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Kastellan‹ als Letztglied: ↗Schlosskastellan
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltend Verwalter eines (zeitweise unbewohnten) Schlosses oder ähnlicher Gebäude
Beispiel:
der Kastellan wohnte in einem Seitengebäude des Schlosses, holte die Schlüssel, führte die Besucher durch die Räume der Burg
Hausmeister in öffentlichen Gebäuden
Beispiele:
der Kastellan der Universität
beim Kastellan klopfen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kastell · Kastellan
Kastell n. ‘von den Römern angelegte militärische Befestigungsanlage, Burg, Schloß’. Ahd. kastel, kastella (9. Jh.), kastelīn (Hs. 12. Jh.), mhd. kastel ‘befestigter Ort, Stadt, Burg, Schloß’, asächs. kastel sind entlehnt aus lat. castellum ‘Schanzlager, Bollwerk’, dem Deminutivum von lat. castrum ‘mit Mauern oder Schanzen umgebener Ort’ (Plur. ‘Feldlager’). Aus daraus entstandenem apikard. castel (vgl. afrz. chastel, frz. château) stammt mnl. casteel (nl. kasteel), woraus mhd. kastēl ‘Schloß’. Ein vereinzelter Gebrauch von mhd. kastel für den ‘Turm auf einem Kriegsschiff’ (Kärnten, 13. Jh.) ist vielleicht nicht aus dem Galloroman., sondern (wie gleichbed. frühnhd. Castell, 15. Jh.) aus ital. castello entlehnt, da der Übergang des Ausdrucks auf befestigte Schiffsaufbauten auch für Italien durch mlat. castellum früh bezeugt ist. Aus der Vermischung der genannten Formen ist endbetontes nhd. Kastell hervorgegangen. Vgl. Öhmann in: Zs. f. Mundartforsch. 20 (1951/52) 94 f. Kastellan m. ‘Burgvogt, Verwalter eines Schlosses, Hausmeister in öffentlichen Gebäuden’, mhd. kastelān ‘Burgvogt’ (13. Jh.), aus mlat. castellanus; daneben mhd. scha(h)telān aus afrz. chastelain. Zugrunde liegt lat. castellānus ‘zu einem Kastell gehörig’, substantiviert ‘Bewohner eines befestigten Ortes’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Burgvogt · Kastellan
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Schloß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kastellan‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am lebhaftesten aber schilderte uns der Kastellan die bedeutungsvollen Tage 1866.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Morgens um zehn schläft Dornröschen noch und wohl auch der Kastellan.
Die Zeit, 06.06.1980, Nr. 24
Ich ließ durch Frau Lehmann den Kastellan anrufen und sagte ab.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1934. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1934], S. 154
Sie freut sich, dass dies mit einer größeren Eigenständigkeit der Kastellane verbunden werden soll.
Der Tagesspiegel, 25.06.2004
Nach den Unterrichtsstunden fanden sich die Parteigenossen in dem gemütlichen Lokal des Kastellans, des alten Hadlich, zusammen.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5013
Zitationshilfe
„Kastellan“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kastellan>, abgerufen am 23.04.2019.

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