Kartenhaus, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kartenhauses · Nominativ Plural: Kartenhäuser
Aussprache
WorttrennungKar-ten-haus
WortzerlegungKarteHaus
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
aus Spielkarten errichtetes, hausähnliches Gebilde, das bereits bei einem geringen Luftzug oder bei geringer Erschütterung in sich zusammenfällt
Beispiele:
Der Weltrekordhalter im Bauen von Objekten aus Spielkarten […], der für sein höchstes Kartenhaus (mehr als 7,5 Meter) 91800 gewöhnliche Karten […] benutzte, hat sein bisher größtes Objekt gebaut. [Der Spiegel, 05.10.2009, Nr. 41]
vergleichend Ein gewaltiges Beben lässt vor allem in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu Gebäude einstürzen wie Kartenhäuser, Menschen werden unter Schutt und Asche begraben. [Die Zeit, 26.04.2015 (online)]
bildlich Die Notenbanken haben die Weltwirtschaft in ein riesiges Kartenhaus verwandelt, das früher oder später einstürzen muss. [Der Standard, 04.09.2014]
vergleichend Das System der Naturkonstanten gleicht einem sorgsam austarierten Kartenhaus. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2003]
Ein Kartenhaus mag sich halten, wenn man eine Karte entfernt; versucht man, sie wieder einzufügen, fällt es zusammen. [Neue Zürcher Zeitung, 19.11.1998]
[…] um ein Kartenhaus zum Einstürzen zu bringen, genügt erfahrungsgemäß ein Lufthauch oder ein Antippen mit dem Finger. [Die Zeit, 04.04.1969, Nr. 14]
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: ein Kartenhaus bauen
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: zusammenfallen, zusammenbrechen, zusammenstürzen, einstürzen, zusammenklappen wie ein Kartenhaus
Phrasem:
ein Kartenhaus stürzt ein, bricht zusammen, fällt zusammen, stürzt zusammen (= etwas Fragiles, Unsolides, Fragwürdiges geht zunichte)
Beispiele:
So fiel das Kartenhaus der Anklage größtenteils in sich zusammen. [Die Welt, 21.07.2004]
Dieses Kartenhaus von Vorwürfen sollte später vollständig einstürzen, aber zunächst kommt Negri wie hunderte politischer Häftlinge in ein Hochsicherheitsgefängnis. [Der Tagesspiegel, 30.10.2004]
2.
Nautik Raum auf größeren Schiffen, in dem Seekarten fachgerecht aufbewahrt und benutzt werden können
Beispiele:
Am Bug, auf dem Mitteldeck und am Heck werden auch nachts Wachposten stehen, der Wachhabende Offizier führt das Schiff, und im Kartenhaus schreibt der Gefreite […] das Logbuch. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.1999]
Bei schwimmender Aufhängung behält die einmal eingestellte Drehachse [des Kompasses] ihre Richtung parallel zur Erdachse – zum geographischen Pol. Von dem Mutterkompaß im Schiffsinneren wird die Richtungsangabe elektrisch übertragen auf sogenannte Tochterkompasse auf der Brücke und im Kartenhaus […]. [o. A. [Dg.]: Kreiselkompaß. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1976]]
Aber zur Sicherheit eilte er doch wieder an Deck, um mit dem Sextanten noch einmal die Sterne zu visieren, […] im Kartenhaus sich noch einmal den Untiefen zu widmen […] und, wieder draußen, mit dem Glas das dämmernde Meer abzusuchen. [Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 332]

Thesaurus

Synonymgruppe
Domino · Kartenhaus  ●  ↗Seifenblase  fig.
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anklage Einsturz Einstürzen Gebäude Regime Schlange Zusammenbruch bauen brechen einstürzen errichten fragil fällen ganz gleichen riesig stürzen zerfallen zusammenbrechen zusammenfallen zusammenklappen zusammenkrachen zusammenstürzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kartenhaus‹.

Zitationshilfe
„Kartenhaus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kartenhaus>, abgerufen am 24.04.2019.

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