Kanzleistil, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKanz-lei-stil (computergeneriert)
WortzerlegungKanzleiStil
eWDG, 1969

Bedeutung

veraltend
siehe auch Kanzleisprache
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanzel · abkanzeln · Kanzlei · Kanzleisprache · Kanzleistil · Kanzler
Kanzel f. ‘erhöhter, mit einer Brüstung umgebener Platz des Predigers in der Kirche, verglaster Pilotensitz im Flugzeug, Hochsitz des Jägers’, ahd. kanzella f. (um 800), mhd. kanzel f. m. ist entlehnt aus spätlat. cancella ‘Gitter, Schranke’ (in Kirchen vor dem Altar), zu lat. cancellī (Plur.) ‘Gitter, Einzäunung, Schranken’. Dies ist eine deminutive Bildung zu lat. cancer ‘Schranke, Gitter’, dissimiliert aus lat. carcer ‘Schranke, Umfriedung, Kerker’. Ein zu cancellī hinzugebildeter Sing. spätlat. cancellus bezeichnet ‘den für den Geistlichen abgegrenzten Raum in der Kirche’, mlat. auch ‘Geländer, Podium, Lesepult’. Das mit einer Brüstung versehene Lesepult steht ursprünglich an den Chor und Mittelschiff trennenden Schranken. abkanzeln Vb. ‘von der Kanzel herab verkünden, tadeln’ (17. Jh.), ‘zurechtweisen, ausschelten’ (18. Jh.), vgl. heute unübliches gleichbed. kanzeln (18. Jh.). Kanzlei f. ‘Büro’, mhd. kanzelīe, kenzelīe (mit dem Suffix -īe zu mhd. kanzel), spätmhd. kanzellerīe (aus mlat. cancelleria), ‘der mit Schranken umgebene Raum eines Gerichtshofes, Verwaltungsbehörde, Schreibstube’. Kanzleisprache f. sprachwissenschaftlicher Terminus ‘Sprache der in den mittelalterlichen Kanzleien geschriebenen Urkunden, die deutlich mundartliche Kennzeichen meidet und als Amtssprache überlandschaftlichen Charakter trägt’, auch Bezeichnung für den juristisch geprägten, trockenen Behördenstil, den Kanzleistil m. (beide 19. Jh.). Kanzler m. ‘Leiter einer Verwaltungsbehörde, Regierungschef’, ahd. kanzillāri ‘Kanzlist, Schreiber, Notar’ (um 900), mhd. kanzelære, aus lat. cancellārius ‘Türvorsteher’, spätlat. ‘Vorsteher der Kanzlisten, Kanzleivorsteher’; im Mhd. speziell ‘(Reichs)beamter (des rīches kanzeler), der für die Ausfertigung von Staatsurkunden verantwortlich ist’, später ‘oberster Leiter einer staatlichen Verwaltung’, z. B. Vorsitzender des obersten Gerichtshofes (15. Jh.), preuß. Justizminister (18. Jh.), Regierungschef, vgl. Reichs- (17. Jh.), Bundeskanzler (19. Jh.).

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Behördensprache · ↗Kanzleideutsch · Kanzleistil · ↗Papierdeutsch · Verwaltungsdeutsch · ↗Verwaltungssprache  ●  ↗Amtsdeutsch  ugs. · ↗Beamtendeutsch  ugs. · Bürokratendeutsch  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für Kenner des akademischen Kanzleistils ist auch das schon eine recht ansehnliche Drohung.
Die Zeit, 26.01.1970, Nr. 04
Auch der gepflegte Kanzleistil gerät in solcher Situation aus den Fugen.
Die Zeit, 16.06.1989, Nr. 25
Alle Briefe zeigen einen sehr gepflegten Kanzleistil und sind sorgfältig, aber knapp formuliert.
Soden, Wolfram von: Sumer, Babylon und Hethiter bis zur Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 18000
Er bevorzugt den eher schwerfälligen, an Amtsstuben gemahnenden Nominal- und Kanzleistil.
Die Welt, 26.01.2002
Zitationshilfe
„Kanzleistil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kanzleistil>, abgerufen am 20.06.2019.

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