Kabinett, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kabinetts · Nominativ Plural: Kabinette
Aussprache
WorttrennungKa-bi-nett (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Politik die Regierung als die Gesamtheit der Minister unter Leitung des Ministerpräsidenten oder Kanzlers
Beispiele:
der Kanzler, Ministerpräsident stellte sein neues Kabinett vor
ein Kabinett bilden, umbilden, stürzen
das Kabinett N musste zurücktreten
A wurde in das Kabinett berufen
der Ministerpräsident hat eine Sitzung des Kabinetts einberufen
2.
DDR Lehrzentrum und Beratungszentrum
Beispiele:
ein Kabinett für Weiterbildung
ein polytechnisches, physikalisches Kabinett
Neuerer aus vielen Betrieben besuchten das technische Kabinett
[es] wurde bei der Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen ein Kabinett für gesundheitliche Aufklärung und Erziehung gebildet [Tageszeitung1961]
3.
kleiner Raum
a)
veraltet, österreichisch kleines (einfenstriges) Zimmer, Nebenraum
Beispiele:
[die Erbschaft bestand aus] dessen ansehnlicher Wohnung (zwei Zimmer, Kabinett und Küche) [WerfelVeruntreuter Himmel88]
Hier ist eine Stube mit Kabinett zu vermieten [RaabeSperlingsgasseI 1,75]
Bring' mir den Wrangel in mein Kabinett (= Arbeitsraum) [SchillerWallenst. TodI 7]
b)
kleiner Ausstellungsraum eines Museums
Beispiel:
Täglich sind zahlreiche Besucher aus aller Welt in den verschiedenen Räumen und Kabinetten der Museen zu Gast [Tageszeitung1964]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kabinett · Kabinettstück
Kabinett n. ‘kleines Zimmer, Nebenraum’. Im 16. Jh. wird mfrz. cabinet ‘kleines Zimmer, Kammer’ entlehnt. Es ist wohl das Deminutivum von frz. cabine ‘kleiner Raum’, das aus apikard. cabine ‘Kneipe für Glücksspiele’, einem gaunersprachlichen, etymologisch ungeklärten Wort, hervorgegangen ist. Mit späteren, im Frz. entstandenen Bedeutungen wird cabinet neu entlehnt; vgl. ‘Arbeitszimmer eines Fürsten oder Ministers’ (17. Jh.), dann ‘Geheimkanzlei, Ministerrat, Regierung’ und ‘Raum zur Aufbewahrung und Ausstellung von Sammlungen’ (18. Jh.), z. B. Raritätenkabinett ‘Sammlung seltener und merkwürdiger Dinge’ (17. Jh.), Münzkabinett, Naturalienkabinett (18. Jh.), Wachsfigurenkabinett (19. Jh.). Kabinettstück n. ‘besonders wertvolles Stück einer Sammlung’ (18. Jh.), übertragen (wohl unter Anspielung auf Kabinett ‘fürstliche Geheimkanzlei’; vgl. Bubenstück machiavellistischer Kabinettspolitik, Lassalle) ‘besonders geschicktes und kluges oder raffiniertes Vorgehen’ (19. Jh.), älter Kabinettstückchen (Lessing).

Thesaurus

Synonymgruppe
Kabinett · ↗Nebenraum
Synonymgruppe
Kabinett · Kollegium der Minister · ↗Ministerriege · ↗Regierung · Regierungskabinett · ↗Regierungsmannschaft  ●  ↗Ministerrunde  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Kammer · ↗Stube  ●  ↗Raum  Hauptform · ↗Zimmer  Hauptform · ↗Bude  ugs. · ↗Gelass  geh. · ↗Gemach  geh., veraltend · Kabinett  geh., österr. · ↗Kabuff  ugs., abwertend · ↗Loch  ugs., abwertend · ↗Rumpelkammer  ugs., abwertend · ↗Räumlichkeit  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beschluß Bildung Minister Mitglied Mittwoch Rücktritt Sitzung Sondersitzung Umbildung Vereidigung Zusammensetzung angehören ausscheiden bayerisch befassen beraten berufen beschließen billigen gesamt grafisch israelisch neu rot-grün umbilden verabschieden vereidigen vorlegen zurücktreten zustimmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kabinett‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das neue schwarz-rote Kabinett würde dann am selben Tag die Arbeit aufnehmen.
Die Zeit, 26.11.2013 (online)
Bereits kurz nach der Bildung der Regierung hatte es die ersten Spannungen im Kabinett gegeben.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1996]
Erst nach Monaten lag im ärztlichen Kabinett ein Fetzen Papier mit seinem Namen.
Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 165
Hielten Sie das nicht für schwerwiegend genug, um es im Kabinett vorzubringen?
o. A.: Einhundertdreiundsechzigster Tag. Dienstag, 25. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11573
Hat er sich leicht dazu entschlossen, dieses Kabinett zu bilden?
o. A.: Einhundertsiebenundfünfzigster Tag. Dienstag, 18. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 5642
Zitationshilfe
„Kabinett“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Kabinett>, abgerufen am 20.04.2019.

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