Königtum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Königtums · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKö-nig-tum
eWDG, 1969

Bedeutung

monarchische Staatsform unter einem König
Beispiel:
Wie das Königtum, so ist jede staatliche und gesellschaftliche Institution ... schließlich dem Untergang unterworfen [BebelFrau314]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

König · Königin · königlich · Königreich · Königtum · Königskerze
König m. ‘Inhaber der höchsten (in Monarchien mit einem Kaiser zweithöchsten) monarchischen Würde, höchster weltlicher Herrscher in bestimmten Monarchien’, übertragen ‘Herrscher, der Erste, Beste seiner Art, der Oberste schlechthin’. Ahd. kuning (8. Jh.), mhd. künic, künec, asächs. kuning, mnd. kȫninc, mnl. cōninc, cueninc, nl. koning, aengl. cyning, cyng, cing, engl. king setzen germ. *kuningaz ‘König’ voraus, das schon früh als gleichbed. finn. kuningas entlehnt wird. Suffixablaut zeigen dagegen anord. konungr, schwed. konung, adän. kunung, konung, dän. konge. Daneben hat sich in zahlreichen aengl. Zusammensetzungen wie cynerīce ‘Königreich’, cynestōl ‘Königssitz, königlicher Wohnsitz’ und in ahd. kunirīhhi ‘Königreich’ (10. Jh.) als erstes Kompositionsglied ein kürzeres Wort für ‘König’, ahd. kuni-, aengl. cyne-, erhalten, das ebenso wie anord. konr (s. unten) auf germ. *kuniz zurückgeführt wird. Unzweifelhaft sind germ. *kuniz, *kuningaz und dessen nord. Entsprechungen auf -ung- verwandt mit germ. *kunjam ‘Geschlecht’ (s. unten). Auszugehen ist daher für alle Formen von der Bedeutung ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, wie sie für anord. konr ‘Edelgeborner’ bezeugt ist, während *kuniz im Westgerm. die gleiche Bedeutungsentwicklung erfährt wie die mit den Zugehörigkeitssuffixen -ing-, -ung- gebildeten Wörter. Soweit die genannten Formen einzelsprachlich die Bedeutung ‘König’ annehmen, meinen sie ursprünglich wohl den Herrscher über ein räumlich und personell eingeschränktes Gebiet. Erst mit der Entwicklung des fränkischen Merowingerreichs und der späteren Ausbildung der englischen und nordischen Königsherrschaft bezeichnen die Bildungen auf -ing-, -ung- den Inhaber der höchsten herrscherlichen Würde in einem Land. Wieweit die nord. Formen nicht nur semantisch, sondern vielleicht auch formal von dem westgerm. Vorbild (dem Titel des fränkischen Königs) abhängig sind, bleibt ebenso offen wie viele Fragen der lautlichen Entwicklung gerade im Anord.; vgl. (wenn auch zum Teil von der hier gegebenen Darstellung abweichend) Ekblom in: Studia Neophilologica 17 (1944/45) 1 ff. und Kahl in: Zs. d. Savigny-Stiftung f. Rechtsgesch., Germ. Abt. 77 (1960) 154 ff. Das oben erwähnte germ. *kunjam ‘Geschlecht’, erhalten in ahd. (8. Jh.), asächs. kunni, mhd. mnd. künne, mnl. conne, cunne, nl. kunne, aengl. cyn(n), engl. kin, anord. kyn, got. kuni, ist verwandt mit lat. genus ‘Geschlecht’ (s. ↗Genus) und weiter mit den unter ↗Kind (s. d.) genannten germ. und außergerm., auf die Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ zurückgehenden Formen. Mhd. künic, künec, eigentlich obd. Form, bleibt in der Schriftsprache (frühnhd. künig, kunig) bis in die 1. Hälfte des 16. Jhs. üblich, wird dann aber durch die md. Lautung aufweisende Form mit -ö- verdrängt. In mhd. Zeit ist der Nasal vor -g durch Dissimilation geschwunden (wie in ↗Honig, ↗Pfennig, s. d.). Königin f. ‘weiblicher König, Gemahlin eines Königs’, übertragen ‘Herrscherin, die Erste, Beste ihrer Art, das einzige fruchtbare (weil eierlegende) Weibchen eines Bienenvolkes’, im Schach ‘die beweglichste und daher wertvollste Figur, Dame’, ahd. kuningin (8. Jh.), mhd. küniginne, küneginne. königlich Adj. ‘den König betreffend, zu ihm gehörend, ihm gemäß, vom König ausgehend’, übertragen ‘vornehm, hoheitsvoll (wie ein König), großzügig, herrlich, köstlich’, ahd. kuninglīh (8. Jh.), mhd. küniclich, küneclich. Königreich n. ‘Reich, Herrschaftsbereich eines Königs, Monarchie mit einem König an der Spitze’, ahd. kuningrīhhi (9. Jh.), mhd. künicrīche, auch ‘Königtum’. Königtum n. ‘monarchische Staatsform unter einem König, Stand, Würde eines Königs’ (Ende 17. Jh.), gebildet nach Kaisertum; vgl. asächs. kuningdōm ‘Königswürde, Herrschaft’. Königskerze f. stattliche, gelb blühende Pflanze mit kerzenartigem Stengel, frühnhd. kunges kerze (15. Jh.).

Thesaurus

Geschichte, Politik
Synonymgruppe
Königreich · Königtum  ●  ↗Khanat  mongolisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Belgien · Königreich Belgien
  • Großbritannien · Vereinigtes Königreich  ●  GB  Abkürzung · UK  Abkürzung · Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland  Amtsdeutsch · ↗England  ugs.
  • Königreich der Niederlande · ↗Niederlande  ●  ↗Holland  ugs.
  • Königreich Spanien · ↗Spanien
  • Dänemark · Königreich Dänemark
  • Königreich Schweden · ↗Schweden
  • Königreich Norwegen · ↗Norwegen
  • Königreich Marokko · ↗Marokko
  • Königreich Preußen · ↗Preußen
  • Bhutan · Königreich Bhutan
  • Reich von Bambara · Ségou-Reich
  • Königreich Ndongo · Ngola-Königreich
  • Armenisches Königreich von Kilikien · Königreich Kleinarmenien
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adel Aristokratie Attribut Bürgertum Entstehung Fürstentum Gnade Kaisertum Priestertum Sturz Stütze Tyrannis Untergang Wiederherstellung absolut absolutistisch erblich erlöschen fränkisch germanisch göttlich irdisch konstitutionell merowingisch mittelalterlich preußisch sakral spartanisch ungarisch wiederherstellen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Königtum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber die schönsten Gesänge sind für mich die Gesänge am Hof des Königtums von Sine.
Die Zeit, 08.10.1976, Nr. 42
Eine schauerlichere Symbolik hat für ein bald darauf stürzendes Königtum wohl kaum erdacht werden können.
Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 349
So ist das Königtum schließlich erlegen, meist, wie es scheint, ohne eigentlichen Kampf.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 10750
Auch nach außen tritt jetzt das Königtum überallhin mächtig auf.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 25707
Die Union von C & C mag das Königtum vorübergehend beschädigen, meint eine Mehrheit.
Die Welt, 09.04.2005
Zitationshilfe
„Königtum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Königtum>, abgerufen am 16.10.2019.

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