Königreich, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Königreich(e)s · Nominativ Plural: Königreiche
Aussprache
WorttrennungKö-nig-reich
WortzerlegungKönigReich
eWDG, 1974 und DWDS, 2015

Bedeutungen

1.
Staat mit einer monarchischen Regierungsform, an dessen Spitze ein König oder eine Königin steht
Beispiele:
das Königreich Saudi-Arabien, Dänemark
Der Monarch ist weiterhin konstitutionelles Oberhaupt der 18 Millionen Bürger im hinduistischen Königreich, doch laut neuer Verfassung geht nun »alle Gewalt« vom nepalesischen Volk aus. [o. A. [dom.]: Panchayat-System. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1991]]
Im September 2014 hatten sich 55 Prozent der Schotten für einen Verbleib im Königreich entschieden. [Die Zeit, 11.05.2015, Nr. 19]
Dariʼyah ist die ursprüngliche Heimat der gegenwärtigen Herrscherfamilie Al Saud, die zwischen 1745 und 1818 von der Oase der 1000 Dattelpalmen aus das erste saudisch-wahhabitische Königreich regierte[…]. [Die Zeit, 15.04.1999, Nr. 16]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das Vereinigte Königreich (= Union der Länder England, Schottland und Wales sowie des Gebiets Nordirland); das saudische, marokkanische, iberische Königreich; das buddhistische, hinduistische Königreich [Bhutan bzw. Nepal]
als Akkusativobjekt: ein Königreich gründen, errichten, regieren, erobern, stürzen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Erhebung [eines Staates] zum Königreich; die Eingliederung [eines Gebiets] in, die Zugehörigkeit zu einem Königreich
als Aktivsubjekt: das Königreich geht unter
als Genitivattribut: die Hauptstadt, die Regierung, der Herrscher, die Bürger, Untertanen, die Verfassung, ein Botschafter, eine Provinz eines Königreichs
a)
als emphatischer Ausdruck dessen, dass jmd. alles geben würde für eine dringend benötigte Sache
Phrasem:
ein Königreich für [eine Sache]
Beispiele:
[Überschrift:] Im Elektroauto […] durch Deutschland […]: Ein Königreich für eine Steckdose[.] [Spiegel, 30.07.2014 (online)]
Die Geschäfte haben schon geschlossen […]. Was also schenken? Ein Königreich für eine Idee! [dresdendesign.wordpress.com, 17.02.2011]
Noch zwei Akte [des Schauspiels im Theater]. […] 23.39 Uhr: Der gemeuchelte Wallenstein wird auf dem Teppich hereingeschleift. 23.46 Uhr: Licht aus […]. Ein Königreich für ein Bett! [Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2007]
Mancher würde sogar liebend gern »hungern« in einem Badeort, wenn er nur nicht mehr so unglaublich schwitzen müßte. Ein Königreich für eine frische Brise. [die tageszeitung, 02.08.1994]
Ein Pferd! ein Pferd! mein Königreich fürʼn Pferd! [Schlegel-Shakesp.Richard III.V 4]Quelle: WDG, 1974
b)
übertragen (imaginäres) Reich, das von einer ideellen, überirdischen o. ä. Macht beherrscht ist
Beispiele:
Er sprach von der Versuchung, […] von der fernen Zukunft zu schwärmen in der Annahme, »dass der Mensch, allein durch seine Bemühungen, das Königreich der ewigen Freude auf Erden bauen kann«. [Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2008]
Dem Märchen sind die Zauberformeln entliehen, die dreifachen Wünsche, die magischen Zahlen und Märchensprüche, […] die verwunschenen Gärten und Königreiche der Phantasie[…]. [Der Tagesspiegel, 06.08.1997]
Als Krönung der positiven Askese und Herzensmystik entdeckte der Anachoret dieser Prägung den inneren Christus, das Königreich Gottes im Menschen. [Rubin, Berthold: Byzanz. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 17678]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: das himmlische Königreich
2.
selten, metonymisch Staatsform der Monarchie
Beispiele:
Von den 1919 neu entstandenen Staaten wählte allein Jugoslawien die Staatsform des Königreichs, alle anderen entschieden sich für die Republik. [Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2000]
Der Administrationsrat erwiderte, daß […] Norwegens konstitutionelle Staatsform als Königreich auch in Zukunft bestehen bleibe. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1946, Bd. 16.]

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

König · Königin · königlich · Königreich · Königtum · Königskerze
König m. ‘Inhaber der höchsten (in Monarchien mit einem Kaiser zweithöchsten) monarchischen Würde, höchster weltlicher Herrscher in bestimmten Monarchien’, übertragen ‘Herrscher, der Erste, Beste seiner Art, der Oberste schlechthin’. Ahd. kuning (8. Jh.), mhd. künic, künec, asächs. kuning, mnd. kȫninc, mnl. cōninc, cueninc, nl. koning, aengl. cyning, cyng, cing, engl. king setzen germ. *kuningaz ‘König’ voraus, das schon früh als gleichbed. finn. kuningas entlehnt wird. Suffixablaut zeigen dagegen anord. konungr, schwed. konung, adän. kunung, konung, dän. konge. Daneben hat sich in zahlreichen aengl. Zusammensetzungen wie cynerīce ‘Königreich’, cynestōl ‘Königssitz, königlicher Wohnsitz’ und in ahd. kunirīhhi ‘Königreich’ (10. Jh.) als erstes Kompositionsglied ein kürzeres Wort für ‘König’, ahd. kuni-, aengl. cyne-, erhalten, das ebenso wie anord. konr (s. unten) auf germ. *kuniz zurückgeführt wird. Unzweifelhaft sind germ. *kuniz, *kuningaz und dessen nord. Entsprechungen auf -ung- verwandt mit germ. *kunjam ‘Geschlecht’ (s. unten). Auszugehen ist daher für alle Formen von der Bedeutung ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, wie sie für anord. konr ‘Edelgeborner’ bezeugt ist, während *kuniz im Westgerm. die gleiche Bedeutungsentwicklung erfährt wie die mit den Zugehörigkeitssuffixen -ing-, -ung- gebildeten Wörter. Soweit die genannten Formen einzelsprachlich die Bedeutung ‘König’ annehmen, meinen sie ursprünglich wohl den Herrscher über ein räumlich und personell eingeschränktes Gebiet. Erst mit der Entwicklung des fränkischen Merowingerreichs und der späteren Ausbildung der englischen und nordischen Königsherrschaft bezeichnen die Bildungen auf -ing-, -ung- den Inhaber der höchsten herrscherlichen Würde in einem Land. Wieweit die nord. Formen nicht nur semantisch, sondern vielleicht auch formal von dem westgerm. Vorbild (dem Titel des fränkischen Königs) abhängig sind, bleibt ebenso offen wie viele Fragen der lautlichen Entwicklung gerade im Anord.; vgl. (wenn auch zum Teil von der hier gegebenen Darstellung abweichend) Ekblom in: Studia Neophilologica 17 (1944/45) 1 ff. und Kahl in: Zs. d. Savigny-Stiftung f. Rechtsgesch., Germ. Abt. 77 (1960) 154 ff. Das oben erwähnte germ. *kunjam ‘Geschlecht’, erhalten in ahd. (8. Jh.), asächs. kunni, mhd. mnd. künne, mnl. conne, cunne, nl. kunne, aengl. cyn(n), engl. kin, anord. kyn, got. kuni, ist verwandt mit lat. genus ‘Geschlecht’ (s. ↗Genus) und weiter mit den unter ↗Kind (s. d.) genannten germ. und außergerm., auf die Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ zurückgehenden Formen. Mhd. künic, künec, eigentlich obd. Form, bleibt in der Schriftsprache (frühnhd. künig, kunig) bis in die 1. Hälfte des 16. Jhs. üblich, wird dann aber durch die md. Lautung aufweisende Form mit -ö- verdrängt. In mhd. Zeit ist der Nasal vor -g durch Dissimilation geschwunden (wie in ↗Honig, ↗Pfennig, s. d.). Königin f. ‘weiblicher König, Gemahlin eines Königs’, übertragen ‘Herrscherin, die Erste, Beste ihrer Art, das einzige fruchtbare (weil eierlegende) Weibchen eines Bienenvolkes’, im Schach ‘die beweglichste und daher wertvollste Figur, Dame’, ahd. kuningin (8. Jh.), mhd. küniginne, küneginne. königlich Adj. ‘den König betreffend, zu ihm gehörend, ihm gemäß, vom König ausgehend’, übertragen ‘vornehm, hoheitsvoll (wie ein König), großzügig, herrlich, köstlich’, ahd. kuninglīh (8. Jh.), mhd. küniclich, küneclich. Königreich n. ‘Reich, Herrschaftsbereich eines Königs, Monarchie mit einem König an der Spitze’, ahd. kuningrīhhi (9. Jh.), mhd. künicrīche, auch ‘Königtum’. Königtum n. ‘monarchische Staatsform unter einem König, Stand, Würde eines Königs’ (Ende 17. Jh.), gebildet nach Kaisertum; vgl. asächs. kuningdōm ‘Königswürde, Herrschaft’. Königskerze f. stattliche, gelb blühende Pflanze mit kerzenartigem Stengel, frühnhd. kunges kerze (15. Jh.).

Thesaurus

Geschichte, Politik
Synonymgruppe
Königreich · ↗Königtum  ●  ↗Khanat  mongolisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Belgien · Königreich Belgien
  • Großbritannien · Vereinigtes Königreich  ●  GB  Abkürzung · UK  Abkürzung · Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland  Amtsdeutsch · ↗England  ugs.
  • Königreich der Niederlande · ↗Niederlande  ●  ↗Holland  ugs.
  • Königreich Spanien · ↗Spanien
  • Dänemark · Königreich Dänemark
  • Königreich Schweden · ↗Schweden
  • Königreich Norwegen · ↗Norwegen
  • Königreich Marokko · ↗Marokko
  • Königreich Preußen · ↗Preußen
  • Bhutan · Königreich Bhutan
  • Reich von Bambara · Ségou-Reich
  • Königreich Ndongo · Ngola-Königreich
  • Armenisches Königreich von Kilikien · Königreich Kleinarmenien
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Botschafter Fürstentum Großherzogtum Hauptstadt Herrscher Herzogtum Himmel Kroate Königreich Lama Majestät Regierunge Republik Serbe Slowene benachbart buddhistisch dänisch einverleiben haschemitisch hinduistisch iberisch islamisch marokkanisch nordafrikanisch regiert saudisch südostasiatisch vereinigt vereint

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Königreich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zweihundert Jahre nach der Vereinigung der chinesischen Königreiche begann sich das zu verändern.
Der Tagesspiegel, 07.12.1999
Während überall im Königreich halbmast geflaggt ist, weht hier gar kein Banner.
Süddeutsche Zeitung, 04.09.1997
Jetzt ging sie daran, eine dauerhafte Vereinigung der drei Königreiche zu verwirklichen.
Myers, A. R.: Europa im 14. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 3145
Die tschechischen Patrioten erstrebten etwas wie die staatsrechtliche Erneuerung des alten böhmischen Königreiches.
Mann, Golo: Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 9201
Ich hatte die Pflicht, mir ein größeres Königreich zu suchen.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 1050
Zitationshilfe
„Königreich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Königreich>, abgerufen am 25.06.2019.

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