Jammerlappen, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Jammerlappens · Nominativ Plural: Jammerlappen
Aussprache
WorttrennungJam-mer-lap-pen
WortzerlegungjammernLappen
eWDG, 1969

Bedeutung

salopp, abwertend feiger, willensschwacher Mensch
Beispiele:
ein richtiger, kläglicher Jammerlappen
Jammerlappen sind sie, statt dem Gericht die Fäuste zu zeigen [DöblinAlexanderpl.61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Jammer · jämmerlich · Jämmerlichkeit · jammern · Jammerlappen · jammerschade · Jammertal
Jammer m. ‘Wehgeschrei, beklagenswerter Zustand, Elend, Verzweiflung’, ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) n. m., mhd. jāmer, āmer n. m. ‘Betrübnis, Sehnsucht’ ist eine Substantivierung des Adjektivs ahd. jāmar (9. Jh.), āmar (um 1000) ‘traurig’, woraus sich das vom Ahd. bis ins Frühnhd. belegte neutr. Genus (neben dem mask.) erklären ließe; vgl. auch asächs. jāmar, giāmar, aengl. geōmor ‘leidvoll, betrübt’. Wahrscheinlich geht das Adjektiv auf einen Schmerzenslaut, einen Klageruf zurück, so daß in ahd. āmar, mhd. āmer (s. oben) sowie anord. amra, emja, ymja ‘heulen, schreien’ onomatopoetische Varianten vorliegen können. Die nhd. Form mit verkürztem Vokal setzt sich im 17. Jh. durch. jämmerlich Adj. ‘elend, erbärmlich, heruntergekommen, feige’, ahd. āmarlīh (8. Jh.), mhd. jāmerlich, jæmerlich ‘kläglich, leidvoll’; Jämmerlichkeit f. (17. Jh.). jammern Vb. ‘wehklagen’, ahd. āmarōn (um 1000), mhd. jāmern, āmern ‘klagen, stöhnen, seufzen’. Jammerlappen m. ‘wehleidig klagender Mensch, Feigling’ (berlin. 19. Jh.), eigentlich (scherzhaft) ‘das zum Abwischen der Tränen benutzte Taschentuch’. jammerschade Adj. (nur prädikativ), Zusammenrückung der prädikativ verwendeten Fügung Jammer und Schade (18. Jh.). Jammertal n. ‘das irdische Dasein’, mhd. jāmertal, hier (wie auch bei Luther) Übersetzung von spätlat. vallis lacrimārum ‘Tal der Tränen’ (Vulgata, Psalm 83, 7, bei Luther 84, 7).

Thesaurus

Synonymgruppe
Jämmerling  ●  ↗Schwächling  Hauptform · ↗Flasche  ugs. · Jammerlappen  ugs. · ↗Schlappschwanz (beleidigend)  ugs. · ↗Würstchen  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann von heute sei sehr oft ein Jammerlappen, unsicher, melancholisch, er verheddere sich in Selbstreflexionen.
Die Zeit, 20.02.2012, Nr. 08
Da war der Scherz am Ende, und die trotzigen Raufbolde verwandelten sich blitzschnell in winselnde Jammerlappen.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 953
Hinter der Fratze des Bösen versteckt sich immer die Feigheit des Jammerlappens.
Bild, 29.06.2001
Im Lichte der faschistischen Propaganda sahen die bürgerlichen Parteien, Politiker und Regierungen zudem wie Jammerlappen aus, die man davonjagen müsse und davonjagen werde.
konkret, 1993
Wenn die hier das Ruder übernehmen, wandere ich aus. Weg von diesen Jammerlappen.
Der Spiegel, 02.02.1987
Zitationshilfe
„Jammerlappen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Jammerlappen>, abgerufen am 21.05.2019.

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