Idealismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Idealismus · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungIde-alis-mus · Idea-lis-mus (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Idealismus‹ als Letztglied: ↗Beamtenidealismus · ↗Berufsidealismus · ↗Freiheitsidealismus
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
(begeistertes) Streben nach Verwirklichung von (ethischen) Idealen unter Verzicht auf persönlichen Vorteil
Beispiele:
ehrlicher, gesunder, hoher, reiner, blinder, falscher Idealismus
der Idealismus der Lehrerschaft, des Wissenschaftlers
von Idealismus erfüllt, getrieben sein
ihm lag jeder Idealismus fern
aus, voller Idealismus etw. tun, für etw. eintreten, kämpfen
Sie hatte den ganzen Idealismus der Jugend [BrodFrau111]
Menschenliebe, Selbstlosigkeit
Beispiele:
sie sorgte voller Idealismus für die Hilflosen
sein reiner Idealismus ließ ihn nur an andere denken
2.
Philosophie Sammelbezeichnung für philosophische Systeme und Weltanschauungen, die nicht in der Materie, sondern in einer Idee, im Geist, im Bewußtsein das Primäre, die Wirklichkeit letztlich Bestimmende sehen
Gegenwort zu Materialismus
Beispiele:
der objektive Idealismus (= Grundrichtung des Idealismus, die in der objektiv existierenden Welt die Schöpfung und Verkörperung eines geistigen Prinzips sieht)
der subjektive Idealismus (= Grundrichtung des Idealismus, die im subjektiven Bewußtsein des einzelnen Menschen das Bestimmende erblickt, für das die Außenwelt nur in Wahrnehmungen und Vorstellungen existiert)
ein philosophischer, erkenntnistheoretischer, ethischer, transzendenter Idealismus
der moderne, deutsche Idealismus
der Idealismus der Antike, des Mittelalters
der Idealismus Hegels, Schopenhauers
die Geschichte der Philosophie ist die Geschichte des Kampfes zwischen Idealismus und Materialismus
3.
Kunst, Wissenschaft Richtung, die dem Schaffen nicht die Wirklichkeit, sondern ideale Vorstellungen zugrunde legt
Gegenwort zu Realismus, Naturalismus
Beispiel:
der Idealismus in der Kunst der Gotik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ideal · idealisch · Ideal · idealisieren · Idealismus · Idealist · idealistisch
ideal Adj. ‘nur gedacht, vorbildlich, mustergültig’. Seit dem 17. Jh. wird Ideal-, aus spätlat. ideālis ‘dem Urbild entsprechend’ (5. Jh.), abgeleitet von lat. idea (s. ↗Idee), alserstes Glied in Zusammensetzungen gebräuchlich, vgl. Idealform ‘mustergültige Form’ (17. Jh., nach spätlat. forma ideālis), Idealbild, Idealschönheit (18. Jh.). Um 1800 tritt ideal auch als selbständiges Adj. mit der Bedeutung ‘vorbildlich, mustergültig’ auf. Spätlat. ideālis erhält in der Gelehrtensprache des 14. Jhs. (Ockham) die Bedeutung ‘nur geistig existent, gedanklich’, im Dt. seit der 1. Hälfte des 18. Jhs. durch ideal ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ wiedergegeben. Daneben steht ebenfalls auf ideālis zurückgehendes idealisch Adj. (nach der Mitte des 18. Jhs.), zunächst gleichbed. mit ideal in beiden Verwendungen und bis ins 19. Jh. gebräuchlich. Im 19. Jh. setzt sich ideal ‘vorbildlich, mustergültig’ gegenüber idealisch durch, während idealisch, ideal im Sinne von ‘nur gedacht, geistig vorgestellt’ durch ↗ideell (s. d.) ersetzt wird. Ideal n. ‘Vollkommenheitsbegriff, Muster, Vorbild’ (18. Jh., nach Wieland 1775 bereits Modewort). idealisieren Vb. ‘etw. vollkommener sehen, als es in Wirklichkeit ist’ (18. Jh.), zu Ideal gebildet. Idealismus m. philosophische Grundrichtung, die im Gegensatz zum Materialismus das Bewußtsein gegenüber der Materie als primär und bestimmend ansetzt (18. Jh.), bei M. Mendelssohn ‘Lehre, nach der die Außenwelt nur im Bewußtsein existiert’; auch ‘opferbereite Begeisterung’ (19. Jh.). Idealist m. ‘Anhänger des Idealismus, wer sich nach Idealen richtet’ (18. Jh.). idealistisch Adj. ‘den Idealismus betreffend, nach der Verwirklichung von Idealen strebend’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Streben nach dem Guten, Wahren, Schönen · (eine) idealistische Einstellung · Idealismus
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Enthusiasmus Idealismus Materialismus Metaphysik Naivität Naturalismus Philosophie Positivismus Pragmatismus Realismus Romantik Skeptizismus Systemprogramm beseelen erkenntnistheoretisch fehlgeleitet hegelsch hochfliegend jugendlich metaphysisch naiv objektiv philosophisch platonisch pur schillersch spekulativ subjektiv transzendental weltfremd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Idealismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Idealismus kann grausam sein, wenn man es allen recht machen will.
Süddeutsche Zeitung, 04.03.2002
Gerade den Idealismus wird man ihm hierzulande wohl kaum verzeihen.
Der Tagesspiegel, 26.11.1997
Nur der Idealismus ihrer Professoren, die zeitweise ohne Gehalt weiterarbeiteten, rettete sie vor dem Erliegen.
Maurer, W.: Erlangen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 3230
Man muß mit ihren Mängeln anders fertig werden als durch einen utopischen Idealismus.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 4908
Uns interessiert nur das für die Begründung des Idealismus wichtige Moment.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 6975
Zitationshilfe
„Idealismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Idealismus>, abgerufen am 12.11.2019.

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