Hurerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hurerei · Nominativ Plural: Hurereien
Aussprache
WorttrennungHu-re-rei
Wortzerlegunghuren-erei
Wortbildung mit ›Hurerei‹ als Letztglied: ↗Maulhurerei
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
derb, (häufig) Schimpfwort Prostitution (als gewerbsmäßige Dienstleistung)
Beispiele:
[…] zum Theater kam sie (= die Schauspielerin) früh, sprach, obwohl ihr reicher Vater derlei Treiben eine bessere Hurerei schimpfte, beim großen Gründgens vor[…] [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2014]
übertragen Auch herrscht ein heilloses Durcheinander über Moral oder Unmoral des Sponsoring [im Kulturbereich]. Man sieht kulturelle Werte hinter dem Firmenlogo verblassen und bezichtigt sich gegenseitig, wenn nicht der Hurerei so doch des Verrats. [Süddeutsche Zeitung, 22.12.1995]
»Jede Hure kann mit der Hurerei aufhören, wenn sie sich hinsetzt, um ein Buch darüber zu schreiben, dass sie eine Hure war« – für einen Schriftsteller aber gibt es kein Leben nach dem Schreiben. [Neue Zürcher Zeitung, 21.12.1995]
übertragen Der deutsche Gast betritt ein österreichisches Wirtshaus, und es umfängt ihn die Atmosphäre einer Anpassung, einer Hurerei: Der Wirt ahmt die Sprache des Deutschen nach, serviert ihm »seine« Gerichte[…] und schunkelt mit ihm zu den martialischen Klängen »seiner« Fröhlichkeit. [Der Spiegel, 10.11.1986]
übertragen Die Orthodoxen beschimpften ihn (= Franz Liszt) als »Weimarer Esel« und »Snob aus dem Irrenhaus«, der »musikalische Hurerei« betreibe[…]. [Der Spiegel, 28.07.1986, Nr. 31]
Eine alte, verarmte Frau erzählt einer jungen Journalistin die Geschichte ihres Lebens, wie sie als armes Mädchen verkauft und bis ins Alter zur Hurerei gezwungen wurde. [Die Zeit, 11.07.1975, Nr. 29]
2.
derb häufige Ausübung der Prostitution oder des außerehelichen Geschlechtsverkehrs
a)
abwertend häufig ausgeübter ausschweifender Geschlechtsverkehr mit ständig wechselnden Partnern
Beispiele:
Es ist [in der Biografie Frank Sinatras] alles drin – die armselige Kindheit des Stars, sein Größenwahn, seine Saufeskapaden und Hurereien, die Affären mit Ava Gardner und Mia Farrow […] [Süddeutsche Zeitung, 29.05.1993]
Hinzu kamen Hurereien, zu deren Finanzierung schon mal ein paar Bücher der Eltern ins Pfandhaus wanderten. [Der Spiegel, 02.09.1996, Nr. 36]
Nonnenklöster waren vielfach Bordelle, in denen müde Krieger sichʼs wohl sein ließen. »Hurereien« von Mönchen waren so zahlreich, daß Deschner ein eigenes Kapitel mit dem Titel »Chronique scandaleuse der Mönche« überschrieb. [Die Zeit, 04.04.1975, Nr. 15]
b)
Religion, früher außerehelicher Geschlechtsverkehr, Ehebruch
Beispiele:
Im Zuge der Christianisierung im 6. Jahrhundert und zur Zeit Karl des Großen um 800 bestanden gesetzliche Verbote von »Hurerei und Ehebruch«, die jedoch umgangen wurden. [Der Standard, 22.08.2004]
Die Bibel räumt nur einen einzigen Scheidungsgrund ein, der jemand dazu berechtigt, sich wieder zu verheiraten, nämlich »Hurerei«, das heißt außerehelichen Geschlechtsverkehr (Matthäus 19:9). [Der Wachtturm, 1999, Nr. 4, Bd. 120]
Da ward Luther [von dem katholischen Hofprediger] ein elender Betrüger genannt, die evangelische Ehe Hurerei, die gemischte Ehe ein Sacrileg, die katholische Mutter, die ihr Kind protestantisch erziehen ließe, eine Frevlerin wider die Gesetze der Natur. [Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Bd. 5: Bis zur März-Revolution. Leipzig, 1894.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hure · huren · Hurerei · Hurenhaus
Hure f. ‘Dirne, Prostituierte’, ahd. huora (8. Jh.), mhd. huore, mnd. aengl. hōre, engl. whore, mnl. hoere, nl. hoer, anord. hōra, schwed. hora sowie anord. hōrr, got. hōrs ‘Ehebrecher’, (ablautend) frühnhd. herge, mnd. herge, herie ‘Dirne’ sind wie ahd. (9. Jh.), mhd. huor, aengl. anord. hōr ‘Ehebruch, außerehelicher Beischlaf, Unkeuschheit’ verwandt mit lat. cārus ‘begehrt, lieb, teuer, wert’, lett. kārs ‘lüstern, lecker’, air. caraim ‘liebe’, carae ‘Freund’, kymr. car ‘Freund’. Sie führen auf ie. *kāro- ‘lieb, begehrlich’ bzw. ablautendes ie. *kər-. Zugrunde liegt die Wurzel ie. *kā- ‘gern haben, begehren’, wozu (mit anderem Suffix) aind. kā́maḥ ‘Wunsch, Begehren, Liebe’ gehört. Vom Substantiv abgeleitet huren Vb. ‘mit Dirnen schlafen’, ahd. huorōn (9. Jh.), mhd. huoren, mnd. hōren, mnl. hoeren, horen, anord. hōra, schwed. hora. Hurerei f. (15. Jh.). Hurenhaus n. (15. Jh.), mnd. hōrenhūs; vgl. ahd. (um 800), mhd. huorhūs.

Thesaurus

Synonymgruppe
käufliche Liebe  ●  Hurerei  abwertend · ↗Prostitution  Hauptform · ↗Gewerbe  ugs. · horizontales Gewerbe  ugs. · ältestes Gewerbe der Welt  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ehebruch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hurerei‹.

Zitationshilfe
„Hurerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Hurerei>, abgerufen am 24.05.2019.

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