Hungerkur, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungHun-ger-kur
eWDG, 1969

Bedeutung

Kur durch Fasten
Beispiel:
so hat sie sich von einem Modedoktor eine Hungerkur verschreiben lassen, die sie gläubig befolgt [Wasserm.Wahnschaffe2,202]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kur · Badekur · Hungerkur · Pferdekur · Wunderkur · Kurgast · Kurort · Kurpfuscher · kurpfuschen · kurieren · kuren
Kur f. ‘Heilverfahren’, besonders ‘mit dem Aufenthalt in einem Badeort oder Sanatorium verbundene medizinische Behandlung’. Lat. cūra ‘Sorge, Fürsorge, Behandlung, Besorgnis’, dessen Ursprung ungeklärt ist, bleibt in der medizinischen Terminologie im Sinne von ‘Krankenpflege, Heilbehandlung’ lebendig und wird so Ende des 15. Jhs. als Cur ins Dt. entlehnt (daneben frühnhd. Cure, Chur, in gelehrten Texten bis ins 17. Jh. noch Cura). Die Schreibung Kur findet sich vom 17. Jh. an gelegentlich, setzt sich aber erst um 1900 durch. Das Substantiv erscheint in Komposita wie Badekur f. ‘Anwendung von Heilbädern’ (18. Jh., zuvor Badencur, 17. Jh.); Hungerkur f. ‘Fastendiät’ (18. Jh.); Pferdekur f. ‘Behandlung mit drastischen Mitteln’, ursprünglich ‘tierärztliche Versorgung eines Pferdes’ (17. Jh.); Wunderkur f. ‘Kur mit ungewöhnlichem, an ein Wunder grenzendem Heilerfolg’ (17. Jh.); Kurgast m. ‘wer sich zur Kur oder zur Erholung in einem Badeort aufhält’ (18. Jh.); Kurort m. ‘Erholungs-, Badeort’ (2. Hälfte 19. Jh.); Kurpfuscher m. ‘wer ohne abgeschlossene medizinische Ausbildung unberechtigt Kranke behandelt’, abschätzig auch ‘schlechter, unfähiger Arzt’ (Ende 18. Jh., zuerst in Österreich), woran sich jüngeres kurpfuschen Vb. ‘sich als Kurpfuscher betätigen’ (19. Jh.) anschließt (zum Grundwort s. ↗pfuschen). kurieren Vb. ‘mit Erfolg ärztlich behandeln, heilen’ (16. Jh.), nach lat. cūrāre ‘Sorge tragen, besorgen, pflegen, heilen’ (abgeleitet von lat. cūra, s. oben). kuren Vb. ‘eine Kur machen’ (anfangs auch synonym mit kurieren), denominative Bildung des ausgehenden 18. Jhs., jedoch erst im 20. Jh. stärker verbreitet.

Typische Verbindungen
computergeneriert

radikal verordnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hungerkur‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daher sieht man nach einer Hungerkur oftmals schlechter aus als zuvor.
Die Zeit, 21.01.2004, Nr. 04
Er hatte schon früher einmal eine solche Hungerkur durchgemacht und sich sehr tapfer dabei benommen.
Freud, Sigmund: Die Traumdeutung, Leipzig u. a.: Deuticke 1914 [1900], S. 194
Auch wenn Ihre Waage schon nach ein paar Tagen Hungerkur geringeres Gewicht anzeigt, haben Sie noch lange kein Fett abgebaut.
Bild, 25.09.2000
In dieser Weise kann eine Kur ununterbrochen, aber auch in Pausen durchgeführt werden als eine sogenannte verdeckte Hungerkur mit Zwischenschaltung einer vegetarischen Unterernährung.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 144
Breithaupt hat gegenüber den Fürsorgezöglingen das Züchtigungsrecht gehabt, es aber mit den aus geringen Anlässen verhängten Strafen, den Auspeitschungen, Fesselungen, Hungerkuren gröblich überschritten.
Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 28553
Zitationshilfe
„Hungerkur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Hungerkur>, abgerufen am 20.06.2019.

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