Humanität, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Humanität · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHu-ma-ni-tät (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Humanität‹ als Erstglied: ↗Humanitätsdenken · ↗Humanitätsduselei · ↗Humanitätsforderung · ↗Humanitätsideal · ↗Humanitätsverbrechen · ↗humanitätsduselig · ↗humanitätsduslig
eWDG, 1969

Bedeutung

auf die Würde und das Wohl der Menschheit gerichtete Gesinnung, Menschenliebe, menschliche Gesittung
Beispiele:
echte, wahre, kämpferische, erhabene, falsche Humanität
leidenschaftliches Streben nach Humanität
die Bereitschaft, allen Kranken schnell zu helfen, ist eine Frage der Humanität
ein Kämpfer für Humanität und Aufklärung
die Sache des Friedens und der Humanität
der Krieg ist ein Verbrechen gegen die Humanität
etw. im Namen der Humanität tun
Die Rolle des mißtrauischen Aufpassers liegt mir nicht, sie beschämt mich und widerstrebt meiner Humanität [Th. Mann11,138]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

human · Humanität · Humanist · humanistisch · Humanismus
human Adj. ‘menschlich, menschenfreundlich, feingebildet’, Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. hūmānus, einer Adjektivbildung zu lat. homo (Genitiv hominis) ‘Mensch’ (dieses zu lat. humus ‘Erde, Erdboden’, s. ↗Humus). Im 18. Jh. nimmt das Adjektiv unter dem Einfluß von Humanität (s. unten) auch die Bedeutung ‘menschenwürdig’ an. Humanität f. ‘Menschlichkeit, menschliche Würde, menschliches Denken und Handeln’, seit der Klassik (Herder) ‘umfassende Bildung und höchstes sittliches Verhalten des Menschen’, Entlehnung (16. Jh.), zunächst im Sinne von ‘Freundlichkeit, Güte’, aus lat. hūmānitās (Genitiv hūmānitātis) ‘menschliche Natur, Menschheit, Menschenfreundlichkeit, Milde, feine Bildung’, zu lat. hūmānus. Im Sinne von ‘gelehrte Kenntnis, höhere Bildung, freie Entfaltung aller menschlichen Geisteskräfte’ wird lat. hūmānitās zum Losungswort des aus der Renaissance hervorgegangenen Humanismus. Humanist m. ‘Kenner des klassischen Altertums, seiner Sprachen und Schriften, Anhänger einer auf dieser Kenntnis beruhenden Bildung’ (1. Hälfte 18. Jh.), ‘Vertreter der historischen Bewegung des Humanismus’ (um 1800), latinisierte Entlehnung von ital. umanista bzw. mfrz. humaniste ‘wer höhere Bildung besitzt, Kenner der antiken Schriften’ (beide 16. Jh.), zu ital. umano, afrz. frz. humain, lat. hūmānus (s. oben). humanistisch Adj. ‘die Kenntnis der Antike, die alten Sprachen betreffend, altsprachlich’ (2. Hälfte 18. Jh.), vgl. humanistische Schulen, Studien, humanistisches Gymnasium; ‘den Humanismus betreffend, auf ihm beruhend’ (19. Jh.). Humanismus m. pädagogisches System, das besonderen Wert auf die Erlernung der antiken Sprachen legt (um 1800); in Anlehnung an Humanist (s. oben) gebildet zu lat. hūmānus. Danach, besonders seit der Darstellung von G. Voigt „Die Wiederbelebung des klassischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus“ (1859), Bezeichnung für die im Italien des 14. Jhs. einsetzende frühbürgerliche Bewegung, die sich mit der klassischen griechischen, lateinischen und der frühchristlichen Literatur und Bildung beschäftigt und die Wiederbelebung antiker Bildungsideale anstrebt; in Anlehnung an lat. hūmānitās (s. oben). Heute auch ‘Gesamtheit aller Ideen und Bestrebungen mit dem Ziel eines menschenwürdigen Daseins’ (20. Jh.), in Anlehnung an human (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Humanität · ↗Menschlichkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstand Barbarei Beförderung Bestialität Brüderlichkeit Deckmantel Gebot Humanismus Humanität Ideal Kriegsrecht Liberalität Menschlichkeit Milde Nationalität Nächstenliebe Rationalität Rechtsstaatlichkeit Religiosität Toleranz Verbrechen Vernunft Vervollkommnung Völkerverständigung Zivilität gelebt praktiziert selbstmörderisch universal verteufelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Humanität‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Humanität ist eine Frage des Datums; momentan passt das Datum nicht.
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2004
Es geht um mehr als nur um einen Begriff aufgeklärter Humanität.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 41
So ist Humanität nicht mehr der unverlierbare Besitz unserer Väter.
Heimpel, Hermann: Entwurf einer deutschen Geschichte. In: ders., Der Mensch in seiner Gegenwart, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1957 [1953], S. 171
Aber die Schule erzieht nicht nur zur Humanität, sie übt sie auch.
Die Zeit, 01.12.1949, Nr. 48
So war es fast eine Schule der Humanität für alle.
Penzoldt, Ernst: Die Powenzbande, Darmstadt: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1960 [1930], S. 84
Zitationshilfe
„Humanität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Humanität>, abgerufen am 18.10.2019.

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