Hofstaat, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungHof-staat (computergeneriert)
WortzerlegungHofStaat1
eWDG, 1969

Bedeutung

Gesamtheit der zu einem Fürstenhof gehörenden Personen höheren Ranges, die Höflinge
Beispiele:
der Fürst wohnte mit seinem ganzen Hofstaat der Feierlichkeit bei
der Hofstaat versammelte sich
spöttisch Gefolge, Personal hoher Würdenträger
Beispiele:
der Minister traf mit einem glänzenden Hofstaat ein
Die herrlichen Reitpferde wurden wieder verladen und der Hofstaat des Gauleiters […] verlegt [Kellerm.Totentanz170]
scherzhaft Gefolge, Schar von Verehrern
Beispiel:
[die Tänzerin] verwirrte ihren ganzen aufgeregten Hofstaat von Malern, Politikern, Journalisten und Dandies mit ihrer unfaßbaren Mimik [Wasserm.Wahnschaffe1,72]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Staat · staatlich · verstaatlichen · Staatsangehörigkeit · Staatsbürger · Staatsmann · Staatsstreich · Hofstaat
Staat m. ‘politische Herrschaftsform, die das Zusammenleben einer Gesellschaftsformation innerhalb festgelegter territorialer Grenzen regelt, Pracht, Aufwand’. Nur spärlich und unsicher ist belegt mhd. stat ‘Rechtszustand, Ausstattung’, häufiger dagegen in hansischen Urkunden (seit 14. Jh.) mnd. stāt ‘äußere und innere Verfassung, Lage, Umstände, Stand, Klasse, Stellung, Ansehen, Gesamtheit der Vertreter eines Standes, Aufwand’, verbreitet dann (vom 15. Jh. an) frühnhd. Stat ‘(sozialer) Stand, (gesellschaftliche) Stellung, Rang, Lebensweise, Zustand(auch des Vermögens), standesgemäßer Aufwand, Pracht, Prunk’. Der Ausdruck wird im 14. Jh. (ein zweifelhafter mhd. Beleg stammt aus dem 13. Jh.) aus lat. status ‘das Stehen, Stand, Wuchs, Zustand, Umstände, Lage, (durch die Geburt bedingte) soziale Stellung, fester Bestand, Wohlstand’, mlat. auch ‘Hofhaltung, Haushalt, Einkünfte, Rechnungslegung’ (s. ↗Status), einer Bildung zu lat. stāre (statum) ‘stehen’ (verwandt mit ↗stehen, s. d.), entlehnt. Der Übergang in den politischen Bereich beginnt sich bereits im Lat. anzubahnen, vgl. bei Cicero Fügungen wie status cīvitātis, status reī pūblicae, bei Tertullian Rōmānus status, status Iūdaeōrum (wo status statt sonst üblichem imperium, cīvitās, rēs pūblica steht). Doch Verwendungen dieser Art bleiben ohne nachhaltige Wirkung. Bis ins 16. Jh. entsprechen die dt. Bedeutungen des Wortes im wesentlichen dem allgemeinen lat. und mlat. Gebrauch. Erst vom 17. Jh. an erweitert sich der Bedeutungsumfang in Verbindung mit der staatlich-politischen Entwicklung in Europa (verschiedentlich beeinflußt von ital. Stato und frz. État); er erfaßt das Territorium, den Verwaltungsapparat, das fiskalische System, die fürstlichen Hoheitsrechte und die Rechte und Pflichten der Stände- oder Klassengesellschaft, die Vertretung der Macht nach außen und nach innen. Im einzelnen vgl. dazu Weinacht Staat (1968). Die bereits früh ausgebildete Bedeutung ‘Ausstattung, Aufwand, Pracht’ bleibt daneben unverändert lebendig und geht in der Umgangssprache auch in ‘Prunk, Putz, kostbare Kleidung, prächtiges Hausgerät’ über, vgl. redensartlich sich in Staat werfen (18. Jh.), Staat machen ‘sich herausputzen’ (19. Jh.), älter Staat (‘Eindruck, viel Aufhebens’) von etw. machen (um 1700). staatlich Adj. ‘den Staat (im politischen Sinne) betreffend, von ihm ausgehend’ (Anfang 19. Jh.); älter in der Übersetzung für lat. polīticus (16. Jh.), dann im Sinne von ‘prächtig’ (18. Jh.). verstaatlichen Vb. ‘in Staatseigentum überführen, staatlicher Verwaltung unterstellen’ (2. Hälfte 19. Jh.). Staatsangehörigkeit f. (19. Jh.). Staatsbürger m. ‘Mitglied der Staat genannten Gemeinschaft’ (18. Jh.). Staatsmann m. ‘bedeutender Politiker eines Staates’ (2. Hälfte 17. Jh.), Übersetzung von frz. homme d’État; geläufig seit dem 18. Jh. (Schiller). Staatsstreich m. ‘auf einen plötzlichen Regierungswechsel abzielende Unternehmung, Putsch’ (19. Jh.), zuvor ‘staatskluge Unternehmung’ (17. Jh.); in beiden Fällen nach frz. coup d’ État. Hofstaat m. ‘Aufwand, Lebensführung, Haushaltung eines fürstlichen Hofes, Gesamtheit der zu einem Hof gehörenden Personen, schriftlich festgelegte Ordnung einer fürstlichen Hofhaltung’ (Ende 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hof · Hofstaat · höfische Gesellschaft
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(im) Schlepptau · ↗Anhang · ↗Begleitperson · ↗Begleitung · ↗Entourage · ↗Eskorte · ↗Gefolge (eines Prominenten) · ↗Gefolgschaft · ↗Gefolgsleute · ↗Tross  ●  Hofstaat  veraltet, ironisch · ↗(jemandes) Leute  ugs. · ↗Hofschranze  geh., veraltet · ↗Höfling  geh., veraltet · ↗Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diener Fürst Garde Großmogul Harem Herrscher Herzog Kaiser Kaiserin König Königin Monarch Palast Prinz Prinzengarde Prinzenpaar Prinzessin anreisen byzantinisch gesamt glänzend himmlisch kaiserlich königlich mittelalterlich päpstlich scharen umgeben versammelt übersiedeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hofstaat‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Hofstaat der Queen macht mal wieder von sich reden.
Bild, 08.09.2003
Und nun ist Hamlet, ist der ganze schauspielernde Hofstaat bloßgestellt.
Der Tagesspiegel, 29.02.2000
Im neuen Hofstaat blieb er bis zu seinem Tode im Amt.
Riedel, Friedrich Wilhelm u. Steppan, Hubert: Reinhardt (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 30590
Demnächst werden auch die Listen über das Personal des Hofstaats folgen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 889
In seiner Mitte erhebt sich der Hofstaat Gottes in Gestalt einer weißen Rose.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 212
Zitationshilfe
„Hofstaat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Hofstaat>, abgerufen am 24.04.2019.

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