Haufen, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Haufens · Nominativ Plural: Haufen
Nebenform veraltend Haufe · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Haufens · Nominativ Plural: Haufen
WorttrennungHau-fen · Hau-fe
Wortbildung mit ›Haufen‹ als Erstglied: ↗Haufendorf · ↗Haufenwolke · ↗Häufchen · ↗Häuflein · ↗haufenweise
 ·  mit ›Haufen‹ als Letztglied: ↗Abfallhaufen · ↗Ameisenhaufen · ↗Blätterhaufen · ↗Bücherhaufen · ↗Dreckhaufen · ↗Dunghaufen · ↗Düngerhaufen · ↗Erdhaufen · ↗Geldhaufen · ↗Heerhaufen · ↗Heuhaufen · ↗Holzhaufen · ↗Kehrichthaufen · ↗Kieshaufen · ↗Komposthaufen · ↗Kugelhaufen · ↗Landknechtshaufe · ↗Landknechtshaufen · ↗Laubhaufen · ↗Lotterhaufen · ↗Lumpenhaufen · ↗Maulwurfshaufen · ↗Menschenhaufen · ↗Misthaufen · ↗Müllhaufen · ↗Sandhaufen · ↗Sauhaufen · ↗Scheiterhaufen · ↗Scheißhaufen · ↗Scherbenhaufen · ↗Schotterhaufen · ↗Schrotthaufen · ↗Schutthaufen · ↗Soldatenhaufen · ↗Steinhaufen · ↗Sternhaufen · ↗Trümmerhaufen
 ·  formal verwandt mit: ↗zuhauf
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
hügelförmiges Übereinander von Dingen
Beispiele:
ein Haufen Schutt, Steine, Sand, altes Eisen
ein unordentlicher, wüster Haufen von Lumpen, rostigen Blechteilen
ein sorgfältig aufgestapelter Haufen Brennholz
ein Häufchen Geldstücke
etw. aus einem Haufen (hervor)ziehen
Holz in Haufen schichten
Heu in Haufen setzen
auf der Feuerstelle lag nur noch ein Häufchen Asche
Bücher liegen in sorgsamen Haufen aufgeschichtet
überall lag Unrat in Haufen herum
das Gras liegt in Haufen auf der Wiese
auf einen, einem Haufenzusammen
Beispiele:
etw. auf einen Haufen werfen, legen
den Schnee auf einen Haufen schieben
Schmutz auf einen Haufen kehren
in einer Ecke des Kellers lagen Kohlen auf einem Haufen
umgangssprachlich auf einem Haufen sitzen, stehen (= dicht zusammengedrängt sitzen, stehen)
zu Haufen
Beispiel:
veraltet Was die Ameise Vernunft mühsam zu Haufen schleppt, jagt in einem Hui der Wind des Zufalls zusammen [SchillerFiescoII 4]
umgangssprachlich, scherzhaft (wie) ein Häufchen, Häuflein Unglück seinsehr unglücklich, bedrückt sein
Beispiele:
er sitzt da wie ein Häufchen Unglück
sie war nur noch ein Häufchen Unglück, Elend
Lene ... die auf der Vorderkante ihres Stuhls kauerte, ein weißblondes Häufchen Kümmernis [BobrowskiBoehlendorff82]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich einen Plan (völlig) über den Haufen werfen (= umstürzen, zunichte machen)
salopp jmdn. fast über den Haufen rennen (= jmdn. vor Eile fast umstoßen)
salopp den Gegner über den Haufen rennen (= den Gegner im Sturm besiegen)
salopp jmdn. mit dem Auto über den Haufen fahren (= jmdn. überfahren)
salopp jmdn. über den Haufen schießen (= jmdn. niederschießen)
salopp, derb jmdn. über den Haufen knallen (= jmdn. niederschießen)
umgangssprachlich, verhüllend Kot
Beispiele:
einen (großen, kleinen) Haufen machen
der Hund machte sein Häufchen auf der Straße
2.
nur im Singular selten
umgangssprachlich ein Haufeneine Menge, große Anzahl, viel, viele
Beispiele:
einen Haufen Kinder haben
einen Haufen Bücher, Schallplatten besitzen
einen Haufen Dummheiten sagen
einen Haufen Fehler, Schulden machen
einen Haufen Geld verdienen
das kostet einen Haufen Geld!
einen Haufen Arbeit vor sich haben
ich kenne einen Haufen Leute, die das gern tun würden
3.
(zufällige) Ansammlung von Menschen, Tieren
a)
Beispiele:
an der Unfallstelle hatte sich ein aufgeregter Haufen Menschen angesammelt
ein murrender, rasender, randalierender Haufen
das kleine Häufchen, Häuflein Überlebender
ein Häuflein Kinder scharte sich um die Mutter
er drängte sich durch den Haufen zu ihr
umgangssprachlich in hellen Haufenin großen Scharen
Beispiele:
in hellen Haufen kommen, in ein Gebäude dringen
die Menschen strömten in (ganzen) Haufen (= scharenweise) zusammen
Dem Priester blieb nichts andres übrig, als sich an die Spitze des hellen Haufens zu stellen [WerfelMusa Dagh369]
auf einem, einen Haufenzusammen
Beispiele:
der Hund sorgt dafür, dass die Schafe auf einem Haufen bleiben
alle Patienten auf einen Haufen (= gleichzeitig) bestellen
wir kommen alle im Haufen nach
b)
salopp Gruppe, Gemeinschaft
Beispiele:
seine Klasse ist ein unzuverlässiger Haufen
der Oberstleutnant ... schrie, er solle sich um seinen Haufen kümmern [BöllAdam56]
c)
veraltend, abwertend die niedere Masse der Menschen, der Pöbel
Beispiele:
umgangssprachlich im großen Haufen mitlaufen (= wie die meisten anderen handeln)
Wo die Besseren hingehn, da kommt der Haufen nach [O. M. GrafBolwieser54]
zügellose Herrschaft des Haufens [RathenauKommende Dinge294]
4.
historisch militärische Einheit, besonders im Landsknechtsheer
Beispiele:
ein Haufen Landsknechte
ein verlorener, versprengter, zusammengewürfelter, feindlicher Haufen
die Bauern bewaffneten sich mit Dreschflegeln und Sensen und zogen in Haufen gegen die Adelssitze
Ganze Haufen böhmischer Reiter schwadronieren im Holz herum [SchillerRäuberII 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haufen · häufen · häufeln · häufig
Haufen m. älter Haufe, ‘übereinandergeschichtete Dinge, Menge, große Anzahl, Trupp Bewaffneter’ (z. B. militärische Einheit im Landsknechtsheer). Neben nur im Dt. bezeugten Formen mit ū (germ. *hūp-) ahd. hūfo ‘Haufen, Menge, Anhäufung’ (8. Jh.), mhd. hūfe, mnd. hūpe stehen im Ablaut (germ. *haup-) gleichbed. ahd. (8. Jh.), mhd. houf, asächs. hōp, nl. hoop, aengl. hēap, engl. heap. Verwandt sind ↗hüpfen, ↗Hüfte (s. d.), die mit den oben genannten Bildungen auf ie. *keub-, *kūb- zurückführen, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ (wozu auch ↗Haube, ↗Hobel, ↗hoch, ↗Hügel, ↗Hocke, s. d.). Im Nhd. sind die Formen mit -ū- und -ou- in -au- zusammengefallen; das seit dem Frühnhd. auftretende auslautende -n stammt aus den Flexionsformen. häufen Vb. ‘übereinanderschichten, aufstapeln’, (reflexiv) ‘sich (auf)türmen, vermehren’, vgl. ahd. hūfōn (um 800), houfōn (9. Jh.), mhd. hūfen, houfen ‘(an-, auf)häufen’; in frühnhd. Zeit setzt sich die umgelautete Form durch. häufeln Vb. ursprünglich gleichbed. mit häufen, also ‘Haufen machen’ (15. Jh.), heute vor allem in der Landwirtschaft ‘Erde locker um Pflanzen aufhäufen’. häufig Adj. älter häuficht, früher ‘in Haufen, massenweise vorhanden, reichlich’ (16. Jh. bis Anfang 19. Jh.), heute ‘oft vorkommend, wiederholt’ (seit 2. Hälfte 18. Jh.); vgl. mhd. hūfeht ‘gehäuft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausscheidung · ↗Kot · ↗Stuhl  ●  ↗Fäkalien  Plural · ↗Losung  Jägersprache · ↗Exkrement  fachspr. · ↗Fäzes  fachspr. · Haufen  ugs. · ↗Kacke  derb · ↗Scheiße  derb · ↗Wurst  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Brocken · Haufen · ↗Klumpen · ↗Portion · ↗Stück  ●  ↗Batzen  ugs. · ↗Klumpatsch  ugs.
Synonymgruppe
Aufschüttung · ↗Halde · Haufen · ↗Schüttung  ●  Hochkippe  regional · ↗Haufwerk  fachspr.
Synonymgruppe
Haufen · ↗Klumpen · ↗Masse
Synonymgruppe
Anhäufung · ↗Anzahl · ↗Ballung · ↗Batzen · ↗Fülle · Haufen · ↗Heer · ↗Legion · ↗Masse · ↗Menge · ↗Reihe · ↗Schar · ↗Schwall · ↗Schwarm · ↗Schwung · ↗Serie · ↗Unmasse · ↗Unmaß · ↗Unmenge · ↗Unzahl · ↗Vielheit · ↗Vielzahl · ↗Wust · ↗Übermaß  ●  ↗Armee  ugs. · ↗Flut  ugs. · ↗Latte  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(wilder) Haufen  abwertend · ↗Horde  abwertend · ↗Meute  abwertend · ↗Rotte  Jargon · ↗(unzivilisierte) Bande  derb · ↗Mob  derb, abwertend · ↗Pack  derb, abwertend · ↗Saubande  derb, stark abwertend · ↗Schweinebande  derb, stark abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Haufen Individualist Kalkulation armselig aufschichten bewaffnet bunt chaotisch desolat formen los rennen riesig scheißen schichten schmeißen stapeln stinkend türmen undiszipliniert ungeordnet verloren verschworen versprengt werfen wild wirr wüst zerstritten zusammengewürfelt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haufen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein ganzer bunter Haufen Tiere ist ganz treu miteinander befreundet.
Bild, 23.07.2004
So viel Geld hat er noch nie auf einem Haufen gesehen.
Der Tagesspiegel, 14.03.2002
Eine Erwartung gilt es jedoch sogleich über den Haufen zu werfen.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 239
Ein Haufen gestapelter Bücher macht noch lange keine Bibliothek aus.
Reznicek, Paula von u. Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 9210
Denn es wird auf Schützenfesten doch viel getrunken, und als könnte man doch leicht jemand über den Haufen schießen.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 9958
Zitationshilfe
„Haufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Haufen>, abgerufen am 14.10.2019.

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