Handlanger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Handlangers · Nominativ Plural: Handlanger
Aussprache
WorttrennungHand-lan-ger
Wortbildung mit ›Handlanger‹ als Erstglied: ↗Handlangerarbeit · ↗Handlangerdienst
eWDG, 1969

Bedeutung

Zuarbeiter
Beispiele:
ein Handlanger auf dem Bau, in einer Fabrik
er machte immer bloß den Handlanger
abwertend, übertragen willfähriger Helfer
Beispiele:
die Handlanger eines korrupten Systems
bezahlte Handlanger suchen, finden
Handlanger und Haudegen des faschistischen Regimes [Weiskopf8,234]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ↗ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu ↗langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besatzungsmacht Großgrundbesitzer Großkapital Henker Hilfsarbeiter Hintermann Imperialismus Imperialist Kollaborateur Mafia Marionette Mitläufer SS Sowjet Strafverfolgungsbehörde Tyrann Wahlfälscher beflissen beschimpfen bloß brandmarken degradieren denunzieren diffamieren erniedrigen gefügig skrupellos verdingen willfährig willig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Handlanger‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für freiheitlich gesinnte Hanseaten ist er ein Handlanger der verhassten reaktionären Mächte.
Bild, 18.08.2000
Die Banken machten sich ohne Not zum Handlanger ihrer Kunden.
Süddeutsche Zeitung, 17.06.1999
Ein Lehrer verdient dagegen nur knapp 700 Mark, ein Handlanger etwa 120 Mark im Monat.
Der Spiegel, 06.02.1984
Wie lange kann man leben als Handlanger in einer Häuserfabrik?
Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand, Berlin: Neues Leben 1974, S. 253
Der kommandierende Mörder saß nicht mit den Handlangern bei Tisch; das widersprach den Kasinositten.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 439
Zitationshilfe
„Handlanger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Handlanger>, abgerufen am 18.06.2019.

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