Habgier, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungHab-gier
Wortbildung mit ›Habgier‹ als Erstglied: ↗habgierig
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

abwertend von anderen als unangenehm u. abstoßend empfundenes, rücksichtsloses Streben nach Besitz oder Vermehrung des Besitzes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gier · gierig · gieren · Begier · Begierde · begierig · Neugier · Neugierde · neugierig · Habgier · habgierig
Gier f. ‘heftiges, maßloses Verlangen, Begehren’. Das auf den dt. Sprachraum beschränkte Substantiv ahd. girī(n) (8. Jh.), mhd. gir ‘Begierde’, asächs. nur im Kompositum fehugiri ‘Streben nach Besitz’, ist eine Abstraktbildung zu dem durch gierig (s. unten) ersetzten alten Adjektiv ahd. ger (9. Jh.), Nebenform giri (8. Jh.), mhd. gir, ger ‘begierig, verlangend’, mnd. gīr, gēr, das mit ↗gern und ↗begehren (s. d.) verwandt ist und wie diese zur Wurzel ie. *g̑her- ‘begehren, gern haben’ gehört. gierig Adj. ‘voller Gier, heftig begehrend’, ahd. girīg (9. Jh.), mhd. giric ‘begierig, begehrlich’, Weiterbildung zu den oben genannten Adjektivformen ahd. ger, giri, mhd. gir, ger. gieren Vb. ‘heftig begehren, gierig verlangen’ (15. Jh.), nach heutigem Sprachempfinden als Ableitung von Gier angesehen, ist aber wohl Übernahme von mnd. gīren und gehört damit zu der unter ↗gähnen (s. d.) genannten Wurzelform ie. *g̑hēi-, *g̑hī- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’. Doch können im Einzelfall auch auf die gleiche Wurzel zurückgehende nominale Formen mit ī (s. ↗Geier) von Einfluß gewesen sein. Begier f. Begierde f. ‘heftiges, leidenschaftliches (sinnliches) Verlangen’. Während ahd. girida (um 800), mhd. girde Abstraktbildungen zum Adjektiv ahd. ger, giri (s. oben) sind, gehört das Abstraktum mhd. begirde zum Verb mhd. begern, begirn, nhd. ↗begehren (s. d.). Verkürztes mhd. begir steht dagegen unter dem Einfluß von mhd. gir, nhd. Gier (s. oben). begierig Adj. ‘voller Begierde, auf etw. versessen’, mhd. begirec, begirdec. Neugier f. Neugierde f. ‘Gier, Begier, Neuigkeiten oder die Angelegenheit anderer zu erfahren’ (17. Jh.), gebildet zu älterem neugierig Adj. ‘voller Neugier, gespannt’ (Mitte 16. Jh.). Habgier f. ‘Gier nach Besitz’ (18. Jh.) übernimmt die ältere Bedeutung von ↗Geiz (s. d.) und meint den ‘raffenden’ im Unterschied zum späteren ‘sparsamen Geiz’; habgierig Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Habgier · ↗Habsucht
Synonymgruppe
Begehrlichkeit · ↗Gier · ↗Gierigkeit · Habgier · ↗Habsucht · ↗Konsumrausch · ↗Raffgier
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beweggrund Dummheit Egoismus Eifersucht Eigennutz Faulheit Geiz Gewinnsucht Großmannssucht Heimtücke Herrschsucht Menschenverachtung Mißgunst Mord Mordlust Mordmerkmal Neid Niedertracht Rache Rachsucht Selbstsucht Tatmotiv Verdeckung Verlogenheit Völlerei Wollust besudeln hemmungslos morden unersättlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Habgier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann hat gestanden, aus Habgier die Frau getötet zu haben.
Die Welt, 19.07.2000
An der Wall Street setzt langsam wieder die Habgier vergangener Jahre ein.
Süddeutsche Zeitung, 15.04.1995
Es wird in diesem Alter mitunter Opfer seiner eigenen Habgier.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 317
Jetzt begann vor dem Landgericht der Prozeß wegen gemeinschaftlichen Mordes aus Habgier.
Bild, 06.04.2006
Nur allzugerne schoben die Autoren ihre Probleme beim Erreichen des intendierten Lesers der Unfähigkeit und Habgier dieser kommerziellen Vermittlungsinstanzen zu.
Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 2999
Zitationshilfe
„Habgier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Habgier>, abgerufen am 19.04.2019.

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