Hölle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hölle · Nominativ Plural: Höllen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHöl-le
Wortbildung mit ›Hölle‹ als Erstglied: ↗Höllenabgrund · ↗Höllenbrodem · ↗Höllenbrut · ↗Höllenfahrt · ↗Höllenfeuer · ↗Höllenfürst · ↗Höllengeist · ↗Höllengezücht · ↗Höllenhund · ↗Höllenkunst · ↗Höllenrachen · ↗Höllenstein · ↗Höllenstrafe
 ·  mit ›Hölle‹ als Letztglied: ↗Folterhölle · ↗Lusthölle · ↗Opiumhölle · ↗Spielhölle · ↗Vorhölle
 ·  mit ›Hölle‹ als Grundform: ↗höllen-
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu Himmel
a)
Religion Strafort für die nach dem Tod verdammten Seelen
Beispiele:
die Qualen, Flammen der Hölle
sprichwörtlich der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert
[der Pater] hielt ... eine Predigt, in der er alle Schrecken der Hölle in glühenden Farben heraufbeschwor [CramerKonzessionen51]
fahr zur Hölle! Scher dich zur Hölle, Sepp, du bist des Teufels! [FrischBiedermannNachsp.]
b)
übertragen Ort großer Qualen
Beispiele:
die Hölle des Krieges, des Vernichtungslagers
die grüne Hölle des Amazonas (= der tropische Urwald mit seinen Gefahren)
sie machte ihm das Leben zur Hölle
Qualen der Hölle durchstehen
[Lucile durchlitt] alle Höllen der letzten bittersten Einsamkeit [ZuckmayerLeben u. Tod155]
umgangssprachlich die Hölle ist loshöchster Aufruhr herrscht
Beispiele:
er hat bei ihr die Hölle (= hat große Qualen zu erleiden)
jmdm. die Hölle heiß machen (= jmdm. Angst einjagen)
er setzte Himmel und Hölle in Bewegung (= bot alles auf)
An der Front war die Hölle los. Das Artilleriefeuer lag bereits über und hinter dem Dorf [RemarqueZeit zu leben396]
2.
landschaftlich, veraltend enger Raum zwischen Wand und Ofen
Beispiel:
wie in allen sächsischen Bauernstuben fand er sich [der Raum hinter dem Ofen] durch ein etwa drei Fuß hohes Podium ausgefüllt, welches »die Hölle« genannt wurde [KügelgenJugenderinnerungen45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hölle · höllisch · Höllenmaschine · Höllenstein · Spielhölle
Hölle f. nach christlicher Auffassung ‘Stätte der Verdammnis, Ort für die nach dem Tod verdammten Seelen’, übertragen ‘Ort großer Qualen’. Ahd. hella (9. Jh.), mhd. mnd. helle, nhd. Hölle (allgemein seit 17. Jh.), asächs. hellia, mnl. helle, hille, nl. hel, aengl. hel(l), engl. hell, anord. hel, got. halja, germ. *haljō gehört als ‘das Verbergende oder Verborgene’ zu der unter ↗hehlen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *k̑el- ‘bergen, verhüllen’ und bezeichnet ursprünglich den ‘unterirdischen Aufenthaltsort der Toten’ (vgl. den Namen der Todesgöttin anord. Hel), in christlicher Vorstellung den ‘Aufenthaltsort der Verdammten’. Szadrowsky in: PBB 72 (1950) 221 ff. verbindet dagegen die germ. Formen für ‘Hölle’ mit anord. hella ‘flacher Stein’, aengl. heall ‘Felsen’, got. hallus ‘Fels’ (mit nicht gesicherter Etymologie), nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘Felsplatte’ zu ‘Gruftplatte, Grabplatte’, dann zu ‘Grab’ und ‘Totenreich’ an und hält den Anschluß (über ‘deckende, verbergende Steinplatte’) an die Wortgruppe von hehlen für sekundär. höllisch Adj. ‘zur Hölle gehörig, die Hölle betreffend, schrecklich, grausam’, mhd. hellisch, hel(le)sch. Als Verstärkung, Übertreibung im Sinne von ‘sehr groß, sehr stark’, adverbial ‘sehr’ begegnet höllisch seit dem 17. Jh. Mit dieser Verwendung decken sich zahlreiche substantivische Zusammensetzungen mit Höllen- wie Höllenangst, zufrühst ‘Angst vor der Hölle’ (16. Jh.), Höllenhitze, zuerst ‘Hitze, Feuer in der Hölle’ (17. Jh.), Höllenlärm (19. Jh.), Höllentempo (20. Jh.). Höllenmaschine f. ‘getarnte Sprengladung mit Zeitzünder’ (1. Drittel 19. Jh.), nach frz. machine infernale. Höllenstein m. aus Silbernitrat bestehendes, in der Heilkunde verwendetes Ätzmittel (Mitte 18. Jh.), zuvor höllischer Stein (1712); vgl. nlat. lapis infernalis, frz. pierre infernale. Spielhölle f. abschätzige Bezeichnung eines Spielkasinos (um 1830).

Thesaurus

Synonymgruppe
Agonie · ↗Pein · ↗Qual · ↗Quälerei · ↗Strapaze · ↗Tortur  ●  Hölle  ugs.
Synonymgruppe
Hades · Hölle · ↗Inferno · ↗Jenseits · ↗Orkus · Reich der Toten · ↗Schattenreich · ↗Totenreich · ↗Unterwelt
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Abstieg Ausgeburt Eingang Erde Fegefeuer Himmel Hölle Norden Paradies Pforte Piz Qual Teufel Verdammter Vertreibung Vorhof Willkommen braten dantesch durchleben entkommen entrinnen grün hinabsteigen irdisch kleinbürgerlich losbrechen pflastern schmoren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hölle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jeder, der seine Religion nicht befolgte, würde in der Hölle braten.
Die Welt, 19.08.2003
Die meisten von ihnen erleben einige Tage lang die Hölle.
Der Tagesspiegel, 20.02.2003
Ich war vielmehr eilig, aus dieser Hölle des Lärms herauszukommen, und so fuhren wir bereits am Abend ab.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Sucht er Schutz im Haus des Vergessens, in der dritten Hölle?
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 113
Den Ausdruck »Hölle« fand ich übrigens gar nicht so unpassend.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Zitationshilfe
„Hölle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Hölle>, abgerufen am 22.10.2019.

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