Häuptling, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Häuptlings · Nominativ Plural: Häuptlinge
Aussprache
WorttrennungHäupt-ling (computergeneriert)
WortzerlegungHaupt-ling
Wortbildung mit ›Häuptling‹ als Letztglied: ↗Banditenhäuptling · ↗Indianerhäuptling · ↗Oberhäuptling · ↗Piratenhäuptling · ↗Stammeshäuptling · ↗Unterhäuptling
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Stammesoberhaupt eines Naturvolkes
Beispiele:
der tapfere, große, ehrwürdige, weise Häuptling
die Häuptlinge der Indianerstämme
das Zelt, die Hütte des Häuptlings
2.
spöttisch Anführer, Hauptvertreter
Beispiele:
der Häuptling der Bande
Die Bewegung so vieler Häuptlinge des Kapitals war natürlich nicht unbemerkt geblieben [Kellerm.Tunnel37]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haupt · enthaupten · Häuptling · Hauptmann · Hauptsache · hauptsächlich · Hauptstadt · Hauptwort
Haupt n. ‘Kopf, wer an der Spitze steht, Führer, Leiter’. Neben den noch oder ursprünglich einen Diphthong in der ersten Silbe (germ. *haubiþa-) aufweisenden Formen ahd. houbit ‘Kopf, Haupt’ (8. Jh.), mhd. houbet, houpt, asächs. hōƀid, mnd. hȫvet, mnl. hōvet, hooft, nl. hoofd, aengl. hēafod, engl. head, anord. haufuð, got. haubiþ stehen mit einfachem Vokal (germ. *habuþa-) aengl. hafud, anord. hǫfuð. Nur die letztgenannten lassen sich unmittelbar an lat. caput ‘Kopf, Haupt’ und (mit l-Suffix) aind. kapā́lam ‘Schale, Hirnschale, Schädel’ anknüpfen. Es handelt sich dabei vermutlich um Nominalbildungen zu der bei ↗heben und ↗haben (s. d.) angeführten Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, die mehrfach in Wörtern für Gefäße erscheint. Auch für Haupt ist daher eine Ausgangsbedeutung ‘Schalenförmiges, Gefäß’ anzunehmen, so daß eine ähnliche Bedeutungsentwicklung vorliegt wie bei ↗Kopf (s. d.) und bei frz. tête ‘Kopf’ (aus lat. testa ‘Gefäß, Schale, Scherbe’). Schwierigkeiten bereitet jedoch die Erklärung der diphthongischen Formen, die entweder eine rein lautliche Entwicklung innerhalb des Germ. voraussetzen oder auf eine Verquickung mit Bildungen wie ↗Haube (s. d.) hindeuten, dann allerdings auf eine andere ie. Wurzel zurückgehen. Bis zum 15. Jh. ist Haupt das einzige Wort für ‘Kopf’; es wird allgemein seit dem 16. Jh. durch ↗Kopf (s. d.) verdrängt, bleibt aber als gehobener Ausdruck bis heute geläufig. enthaupten Vb. ‘den Kopf abschlagen’, mhd. enthoubeten, zum gleichbed. Simplex houbeten, houpten; vgl. ahd. irhoubitōn, firhoubitōn ‘enthaupten’ (9. Jh.). Häuptling m. ursprünglich ‘Familienoberhaupt, Anführer’ (17. Jh.), seit Coopers Indianererzählungen (um 1825) nur noch ‘Stammesoberhaupt eines Naturvolkes’; zufrühst bezeugt afries. hāvding, hāvdling ‘Mitglied des friesischen Adels’. Hauptmann m. ‘eine Kompanie befehligender Offizier’, ahd. houbitman (8./9. Jh.), mhd. houbetman ‘Oberster, Hauptperson einer Vereinigung, Anführer’, frühnhd. ‘Befehlshaber über eine Kriegerschar’, auch Feldhauptmann; seit 1842 im preußischen Heer Offiziersrang (Entsprechung für frz. capitaine). Hauptsache f. ‘bedeutendster Punkt einer Angelegenheit, das Wichtigste’ (16. Jh.); vgl. spätmhd. houbetsache ‘wesentlicher Bestandteil eines Rechtsstreits, Prozesses’; hauptsächlich Adj. ‘wesentlich, führend’, Adv. ‘vor allem, vorwiegend, in erster Linie’ (16. Jh.). Hauptstadt f. ‘Sitz der Regierung eines Landes’, ahd. houbitstat (10. Jh.), mhd. houbetstat ‘vornehmste Stadt, Hauptstadt eines Landes’. Hauptwort n. Fachwort der Grammatik, im 16./17. Jh. in verschiedener terminologischer Verwendung, auch für ‘Substantiv’ (17. Jh.), in dieser Verwendung von Gottsched (1730) erfolgreich gefördert.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anführer · ↗Führer · ↗Hauptmann · Häuptling · ↗Leiter · ↗Oberhaupt  ●  ↗(führender) Kopf  fig. · ↗Capo (einer Ultra-Gruppe)  fachspr., Jargon · ↗Chef  ugs., salopp, fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apache Clan Dorfälteste Federschmuck Herero Horde Häuptling Indianer Indianerstamm Krieger Medizinmann Negerstamm Oberhäuptling Priester Schamane Sioux Stamm Unterhäuptling Würdenträger afrikanisch charismatisch eingeboren einheimisch gallisch gefangen indianisch keltisch legendär thronen weis

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Häuptling‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Häuptling wohnt, immer rechts dahinter, in einer kleineren Hütte.
Der Tagesspiegel, 06.10.2000
So mußte es auch den großen Häuptlingen gegangen sein, früher.
Die Zeit, 06.10.1961, Nr. 41
Und ich werde dann ebenso männlich hinzufügen, daß ich trotzdem sehr gerne bereit bin, mich mit den vier Häuptlingen zu schießen.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 365
Ihre Häuptlinge sind auch alles andere, als fleißig und unverdrossen.
Haase, Lene: Abenteuer einer weißen Frau in Afrika. In: Exotische Jagdabenteuer, Reutlingen: Enßlin & Laiblin 1927 [1926], S. 5
Dann erst kommen, begleitet vom Häuptling und einigen ranghohen Männchen, die Mütter mit ihren kleinen Kindern.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 185
Zitationshilfe
„Häuptling“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Häuptling>, abgerufen am 23.05.2019.

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