Härte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Härte · Nominativ Plural: Härten
Aussprache
WorttrennungHär-te
Wortbildung mit ›Härte‹ als Erstglied: ↗Härteausgleich · ↗Härtefall · ↗Härtefonds · ↗Härtegrad · ↗Härtemittel · ↗Härteparagraf · ↗Härteparagraph · ↗Härteprüfung · ↗Härteskala · ↗Härtestufe · ↗Härteverfahren
 ·  mit ›Härte‹ als Letztglied: ↗Frosthärte · ↗Gefühlshärte
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
meist im Singular
Festigkeit, Widerstand, den ein Körper dem Eindringen eines anderen, härteren Körpers entgegensetzt
Beispiele:
die Härte des Holzes, Stahles
die Härte eines Kristalls
ein Gestein von großer Härte
die Härte des Eisens erhöhen
Chemie die Härte des Wassers (= sein Gehalt an gelösten Kalzium- und Magnesiumsalzen)
2.
meist im Singular
übertragen Strenge
Beispiele:
eine unbillige, rücksichtslose, schonungslose Härte
die Härte seines Wesens
ihn traf die ganze Härte des Gesetzes
das Verbrechen wurde mit äußerster Härte geahndet
mit unbeugsamer Härte gegen jmdn. vorgehen
kein Übermaß an Gefühlen zersetzte die diamantene Härte seines Charakters [FlakeSchritt21]
3.
meist im Singular
Stärke, Intensität
Beispiele:
die Härte des Frostes
die Härte der Farben, Töne
die Härte (= Wucht) eines Schlages
Physik die Härte einer Strahlung (= ihr Durchdringungsvermögen)
4.
meist im Singular
Heftigkeit, Schärfe
Beispiele:
die schneidende Härte seiner Stimme
die Härte einer Auseinandersetzung, eines Wettkampfes
alle unnötige Härte in einer Diskussion vermeiden
5.
Schwierigkeit, Last
Beispiele:
die Härte des Lebens
diese Bestimmungen bringen große Härten für die Betroffenen
er trug tapfer die Härte seines Schicksals
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hart · Härte · härten · abhärten · Abhärtung · erhärten · verhärten · hartherzig
hart Adj. ‘fest, keinem Druck nachgebend, streng, scharf, heftig, schwer erträglich’, ahd. hart ‘fest, rauh, unbiegsam’ (8. Jh.), mhd. hert(e), (md.) hart, auch ‘grob, ausdauernd, hartnäckig, dicht, anstrengend, schwer’, asächs. hard, mnd. hart, hā̌rde, mnl. hart, nl. hard, aengl. hard, heard ‘hart, stark, tapfer’, engl. hard ‘hart, schwer, streng, rauh’, anord. harðr ‘hart, stark’, schwed. hård, got. hardus ‘hart, streng’ kann als Ableitung mit tu-Suffix außergerm. vielleicht (trotz abweichender Vokalqualität) mit aind. krátuḥ ‘geistige Kraft, Verstand, Einsicht, Wille’, griech. krátos (κράτος) ‘Stärke, Kraft, Macht, Herrschaft, Sieg’, kratýs (κρατύς) ‘stark, mächtig’ verglichen werden. Für das Germ. ist dann von ie. *kartu- auszugehen, Ableitung von einer Wurzel ie. *kar- ‘hart’. Seit germ. Zeit begegnet das Adjektiv im Sinne von ‘stark, kühn’ häufig in Personennamen (Bernhard, Eberhard, Gerhard, Reinhard, Richard, Hartmut, Hartwig). Härte f. ‘harte Beschaffenheit, Festigkeit, Strenge’, ahd. hertī ‘Härte, Stärke, Strenge’ (9. Jh.), mhd. herte. härten Vb. ‘hart, fest, widerstandsfähig machen’, speziell ‘einem Metall durch Erhitzen und anschließendes Abschrecken erhöhte Härte verleihen’, ahd. herten ‘hart, fest, stark machen’ (9. Jh.), mhd. herten, auch (intransitiv) ‘Widerstand leisten, ausdauern’. abhärten Vb. ‘widerstandsfähig machen, stählen’ (17. Jh.), zuvor auch ‘mit Worten zurückhalten, nicht ausdauernd machen’ (16. Jh.); Abhärtung f. (17. Jh.). erhärten Vb. ‘bekräftigen, bestätigen, hart werden oder machen’, ahd. irherten (11. Jh.), mhd. erherten. verhärten Vb. ‘hart machen, hart werden, verbittern, hartherzig werden’, ahd. firherten (um 800), mhd. verharten, verherten. hartherzig Adj. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Härte · ↗Rauheit
Synonymgruppe
Gefühllosigkeit · ↗Gleichgültigkeit · ↗Hartherzigkeit · ↗Herzlosigkeit · Härte · ↗Kälte · ↗Taubheit · Trägheit des Herzens (relig.)
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Beständigkeit · ↗Festigkeit · Härte · ↗Persistenz  ●  mit Biss  ugs.
Synonymgruppe
(übertriebene) Strenge · Härte · ↗Rigorismus
Assoziationen
Synonymgruppe
Härte · ↗Kompromisslosigkeit · null Toleranz

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brutalität Entschlossenheit Schärfe Vermeidung Zähigkeit abfedern besonder brutal demonstrieren durchgreifen erbarmungslos geboten gewiss gnadenlos kompromißlos mildern nötig rücksichtslos sozial unbillig unerbittlich unnachgiebig unnötig unvermindert unzumutbar vermeiden voll vorgehen äußer übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Härte‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch wie soll man gegenüber einer unsichtbaren Front Härte beweisen?
Süddeutsche Zeitung, 30.10.2002
Du musst Härte zeigen, wenn Du nicht gleich untergehen willst.
Der Tagesspiegel, 18.04.2002
Zur Vermeidung unbilliger Härten kann ein weiterer Teil des Vermögens anrechnungsfrei bleiben.
o. A.: Bundesgesetz über individuelle Förderung der Ausbildung (Bundesausbildungsförderungsgesetz - BAföG). In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998
Der Härte dieses Kampfes ums Dasein ist er schließlich erlegen.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 33
Die Härte braucht aber nicht mehr besonders schwerwiegend zu sein.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 90
Zitationshilfe
„Härte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Härte>, abgerufen am 26.04.2019.

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