Grundsatz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungGrund-satz (computergeneriert)
WortzerlegungGrundSatz
Wortbildung mit ›Grundsatz‹ als Erstglied: ↗Grundsatzartikel · ↗Grundsatzdebatte · ↗Grundsatzentscheidung · ↗Grundsatzerklärung · ↗Grundsatzfrage · ↗Grundsatzpapier · ↗Grundsatzprogramm · ↗Grundsatzreferat · ↗Grundsatzvereinbarung · ↗grundsätzlich
 ·  mit ›Grundsatz‹ als Letztglied: ↗Amtsermittlungsgrundsatz · ↗Bewertungsgrundsatz · ↗Erziehungsgrundsatz · ↗Führungsgrundsatz · ↗Geschäftsgrundsatz · ↗Gleichbehandlungsgrundsatz · ↗Gleichheitsgrundsatz · ↗Rechtsgrundsatz · ↗Verfassungsgrundsatz · ↗Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
eWDG, 1969

Bedeutung

feste Regel, die das Denken und Handeln eines Menschen bestimmt, Grundprinzip
Beispiele:
moderne, moralische, pädagogische, sittliche, strenge Grundsätze haben
er hat überhaupt keine Grundsätze
das ist sein Grundsatz
ein Mann von Grundsätzen sein
von seinen Grundsätzen abgehen
an seinen Grundsätzen festhalten
bei seinen Grundsätzen bleiben
bestimmte Grundsätze vertreten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grund · gründen · Gründer · Gründerjahre · Gründerzeit · begründen · Begründer · ergründen · gründeln1 · grundieren · gründlich · Gründlichkeit · Grundbesitz · Grundbesitzer · Grundlage · grundlos · Grundriß · Grundsatz · grundsätzlich · Grundstück · Grundel · Gründel · Gründling · Grundfisch · gründeln2
Grund m. ‘unterste Fläche, Erdboden, Bodenvertiefung, Tiefe und Boden eines Gewässers, eines Gefäßes, Fundament, Grundlage, das innerste, tiefste Wesen, Ursache, Veranlassung’, ahd. grunt (8. Jh.), mhd. mnd. grunt, asächs. grund, nl. grond, aengl. grund, engl. ground, anord. grunnr m. ‘Grund, Boden’, grund f. ‘Feld, Erde’, schwed. dän. grund, got. *grundus (in grunduwaddjus ‘Grundmauer’). Unter Annahme einer (nicht belegbaren) ursprünglichen Bedeutung ‘körniger Boden, Sandboden’ kann für germ. *grundu- über ‘Zerriebenes’ ein Anschluß an ie. *ghren-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, hergestellt werden. Dabei ergibt sich über die dentale Erweiterung ie. *ghrendh- Verwandtschaft mit ↗Grind (s. d.). gründen Vb. ‘die Grundlage schaffen, den Grundstein legen, ins Leben rufen, auf etw. basieren, aufbauen’, ahd. grunten ‘ergründen, erforschen’ (um 1000), mhd. gründen; Gründer m. ‘Erbauer, Urheber, Begründer’ (17. Jh.); Gründerjahre Plur. und Gründerzeit f. ‘Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland nach 1871’ (19. Jh.). begründen Vb. ‘Gründe angeben, den Grund legen, neu schaffen’, mhd. begründen; Begründer m. (Anfang 19. Jh.). ergründen Vb. ‘einer Sache auf den Grund gehen, sie erforschen’, ahd. irgrunten (um 1000), mhd. ergründen. Nur vereinzelt gründeln1 Vb. ‘nach dem Grund, nach der Ursache suchen’ (16. Jh.). grundieren Vb. ‘nach dem Grund, nach der Ursache suchen’ (16. Jh.). ‘die Grundfarbe, den ersten Anstrich auftragen’ (2. Hälfte 18. Jh.), in formaler Anlehnung an ältere maltechnische Begriffe wie ↗schattieren, ↗lackieren, ↗schraffieren (s. d.). gründlich Adj. ‘allem auf den Grund gehend, sorgfältig, gewissenhaft, genau’, ahd. gruntlīhho Adv. (9. Jh.), mhd. grüntlich, gruntlich; Gründlichkeit f. ‘Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit’, allgemein seit Anfang des 18. Jhs., vereinzelt bereits im Sinne von ‘Seelen-, Herzenstiefe’ in der deutschen Mystik (14. Jh.). Grundbesitz m. Grundbesitzer m. (beide 18. Jh.). Grundlage f. ‘Unterlage, Basis, Fundament’ (Ende 16. Jh.). grundlos Adj. ‘ohne Grund und Boden, sehr tief, ohne Ursache, unbegründet’, mhd. gruntlōs, grundelōs; vgl. ahd. gruntlōsī ‘bodenlose Tiefe, Abgrund’ (8. Jh.). Grundriß m. ‘senkrechte Projektion eines Körpers auf eine waagerechte Ebene, maßstabgerechter Übersichtsplan’ (1. Hälfte 17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Grundlage’ (16. Jh.). Grundsatz m. ‘feste Regel, Richtlinie des Denkens und Handelns’ (17. Jh.); grundsätzlich Adj. (16. Jh.; allgemein verbreitet erst um 1800). Grundstück n. ‘abgegrenztes, als jmds. Besitz ausgewiesenes Stück Land’ (16. Jh.). Grundel, Gründel m. f. Name einiger auf dem Grund eines Gewässers lebender Fische, ahd. gruntila, grundila (Hs. 12. Jh.), mhd. grundel, mnd. grundel(e), mnl. grondel(e), nl. grondel, aengl. gryndle. Auch Gründling m. mnd. grundelingk, frühnhd. grundeling (15. Jh.) und Grundfisch m. spätmhd. gruntvisch. gründeln2 Vb. (von Wasservögeln) mit Kopf und Hals zur Nahrungssuche unter Wasser (gleichsam auf den Grund) tauchen (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Grundsatz · ↗Norm · ↗Regel · ↗Typ
Unterbegriffe
  • Drittel-Regel · Zwei-Drittel-Regel
Assoziationen
  • normativ · normgebend · normierend · normsetzend · ↗präskriptiv · vorschreibend · wertend
Synonymgruppe
Annahme · ↗Bedingung · ↗Grundannahme · ↗Grundlage · Grundsatz · ↗Grundvoraussetzung · ↗Grundwahrheit · ↗Kondition · ↗Kriterium · ↗Notwendigkeit · ↗Prämisse · ↗These · ↗Vorannahme · ↗Voraussetzung · ↗Vorbedingung  ●  ↗Axiom  fachspr.
Unterbegriffe
  • Prämisse · ↗Vordersatz
  • Rationalprinzip · Wirtschaftlichkeitsprinzip · Ökonomisches Prinzip
  • kosmologisches Postulat · kosmologisches Prinzip
  • Dedekind-Peano-Axiom · Peano-Axiom · Peano-Postulat
  • Zahlungsbedingung · Zahlungskondition
Assoziationen
Synonymgruppe
Grundregel · Grundsatz · ↗Leitfaden · ↗Maxime · ↗Prinzip
Unterbegriffe
  • Kerckhoffs' Maxime · Kerckhoffs' Prinzip · Kerckhoffs'sches Prinzip
  • Schubfachprinzip · Taubenschlagprinzip
  • 80-zu-20-Regel · 80/20-Regel · Pareto-Effekt · Pareto-Prinzip · Paretoprinzip
  • Prioritätsgrundsatz · ↗Prioritätsprinzip
  • Verteilungsgesetz  ●  ↗Distributivgesetz  fachspr.
  • Vertauschungsgesetz  ●  Kommutativgesetz  fachspr.
  • Verbindungsgesetz · Verknüpfungsgesetz  ●  ↗Assoziativgesetz  fachspr. · Klammergesetz  ugs.
  • Prinzip der Parsimonie · ↗Sparsamkeitsprinzip  ●  Ockhams Rasiermesser  fachspr.
  • Lagerungsregel · stratigraphisches Grundgesetz · stratigraphisches Prinzip
  • Bivalenzprinzip · Prinzip der Zweiwertigkeit
  • Geburtsortprinzip · ↗Geburtsortsprinzip · ↗Territorialprinzip
  • Prinzip der umgekehrten Pyramide · Trichteraufbau
  • Wohlordnungsprinzip · Wohlordnungssatz
  • Vier-Augen-Kontrolle · ↗Vier-Augen-Prinzip
  • Grundsatz der Verhältnismäßigkeit · ↗Verhältnismäßigkeitsprinzip
  • Bestimmtheitsgrundsatz · Spezialitätsprinzip
  • Cavalierisches Prinzip · Prinzip von Cavalieri · Satz des Cavalieri
  • Pressekodex · Publizistische Grundsätze
  • Verteilungsprinzip · ↗Verteilungsregel
  • Prozessgrundsatz · Prozessmaxime
  • Grundsatz der Nichtzurückweisung · Nichtzurückweisungsprinzip
  • Gresham'sches Gesetz · Gresham-Kopernikanisches Gesetz · Greshamsches Gesetz
  • Universalitätsprinzip · Weltrechtsgrundsatz · Weltrechtsprinzip
  • Territorialitätsprinzip · ↗Territorialprinzip
Assoziationen
Synonymgruppe
Doktrin · Grundsatz
Synonymgruppe
Axiom · ↗Erkenntnis · ↗Grundprinzip · Grundsatz · Grundsatz von allgemeiner Geltung · ↗Hauptsatz · ↗Lehrsatz · ↗Leitsatz · ↗Wahrheit  ●  ↗Maxime  geh. · ↗Theorem  fachspr.
Unterbegriffe
  • Drallsatz · Drehimpulssatz
  • Helmholtz-Satz · Helmholtz-Thévenin-Theorem · Thévenin-Theorem
  • Divergenzsatz · Satz von Gauß-Ostrogradski · gaußscher Integralsatz
  • Vier-Farben-Satz · Vier-Farben-Theorem  ●  Vier-Farben-Problem  veraltet · Vier-Farben-Vermutung  veraltet
  • Satz von Stokes · stokesscher Integralsatz
  • Bayestheorem · Satz von Bayes
  • Satz von Baire · bairescher Kategoriensatz
  • Division mit Rest · Divisionsalgorithmus
  • Satz von Lagrange · Vier-Quadrate-Satz
  • Dalton-Gesetz · Daltonsches Gesetz · Gesetz der Partialdrücke
  • Lenz'sche Regel · Lenz'sches Gesetz · Lenzsche Regel · Regel von Lenz
  • Sehnen-Tangenten-Satz · Sekanten-Tangenten-Satz
  • Dritter Hauptsatz der Thermodynamik · Nernst-Theorem · Nernstsche Theorem · Nernstscher Wärmesatz
  • Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik · Wohlfahrtstheorem
  • Nyquist-Shannon-Abtasttheorem · WKS-Abtasttheorem · nyquist-shannonsches Abtasttheorem
  • Satz von Clairaut · Satz von Schwarz · Young-Theorem
  • Babinetsches Prinzip · Babinetsches Theorem
  • Allgemeines Unmöglichkeitstheorem · Allgemeines Unmöglichkeitstheorem nach Arrow · Arrow-Paradoxon · Arrow-Theorem
  • Chintschin-Kolmogorow-Theorem · Wiener-Chintchin-Kriterium · Wiener-Chintschin-Theorem

Typische Verbindungen
computergeneriert

Berufsbeamtentum Gleichbehandlung Gleichberechtigung Gleichheit Rechtsstaatlichkeit Subsidiarität Verhältnismäßigkeit Verstoß Völkerrecht allgemein anerkannt anwenden beachten beruhen demokratisch ehern elementar ethisch folgend geln gelten hehr hergebracht moralisch ober rechtsstaatlich verletzen verstoßen widersprechen Übereinstimmung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grundsatz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die beschränkte Kapazität des Saales verletze den Grundsatz der Öffentlichkeit.
Die Zeit, 14.05.2013 (online)
Der Grundsatz, die Frau sei untertan dem Manne, gilt nicht mehr.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 81
Der Aufbau des Landes beruht auf den universellen Grundsätzen des Menschengeschlechtes.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1946]
Das war ihr Grundsatz; nach dem hat sie sich gerichtet.
o. A.: Zweihundertfünfter Tag. Freitag, 16. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 5418
Natürlich gilt dieser Grundsatz nur insoweit, als nicht ausdrücklich eine abweichende vertragliche Regelung erfolgt ist.
o. A.: Einhundertzweiundsiebzigster Tag. Freitag, 5. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12650
Zitationshilfe
„Grundsatz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grundsatz>, abgerufen am 16.09.2019.

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