Grobheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Grobheit · Nominativ Plural: Grobheiten
Aussprache
WorttrennungGrob-heit
Wortzerlegunggrob-heit
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
ungeschliffene, grobe Wesensart; Gefühllosigkeit
Beispiele:
Für den Verlauf dieser Wahl kommt es darauf an, wie viele Menschen bereit sind, Trumps Grobheit zu ignorieren. [Süddeutsche Zeitung, 23.01.2016]
Einer [Frau] sind alle Kinder gestorben, die anderen haben andere Schicksalsschläge und die Grobheit ihrer Ehemänner nicht ausgehalten. [Süddeutsche Zeitung, 19.05.2014]
Zum anderen hat Koch […] einen Zusammenhang zwischen alltäglicher Grobheit, Unhöflichkeit etwa, und Kriminalität hergestellt. […] Schlechtes Benehmen ist unangenehm und begünstigt gewiss ein Klima der Rücksichtslosigkeit. [Süddeutsche Zeitung, 05.01.2008]
Plötzlich hereinbrechende Grobheit gehört auch zu den unangenehmen Überraschungen des Alterns. [Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 60]
Die Art und Weise, wie du mit den Dingen umgehst, deine Grobheit, dein primitiver Unverstand zeigen mir, daß du ein Stümper bist, ein barbarischer Stümper und ein lausiger frecher Rotzbengel obendrein. [Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 107]
2.
meist im Plural
unhöfliche, grobe Äußerung oder Handlung
Beispiele:
Meinungsstark wirbt er [Peymann] für seine Idee vom Theater und versteht es dabei durchaus, sich mit sprachlichen Grobheiten Gehör zu verschaffen. [Die Zeit, 16.04.2015, Nr. 16]
Der Spieler läßt sich unvermittelt zu Grobheiten hinreißen, der Unparteiische zum […] Zücken der Roten Karte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2006]
[In einem Theaterstück:] Ein Venezianer versperrt dem Prinzen mit einigen Grobheiten den Zugang zum Spieltisch. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 248]
Sie […] wehren sich und zeigen ihrem Klassenkameraden, daß er durch Grobheiten die ihm entgegengebrachten Sympathien gefährdet. [Der Spiegel, 09.08.1982]
[Theaterstück:] Der verbale Rundumschlag, der […] kaum eine Grobheit wider öffentliches Leben auslässt, mündet in ein zielstrebig herbeigeführtes Delirium tremens ein, ein überbordendes Identitäts-Suchspiel[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.1999] ungewöhnl. Sg.
Kollokation:
mit Adjektivattribut: sprachliche, verbale Grobheiten
3.
derbe, grobe Beschaffenheit
Beispiele:
Das Foyer wirkt frei und klar, auch wenn man sich an die alles dominierenden Treppenläufe Gutbrods, an die Grobheit der Metallstreben und die rohen Betonpfeiler erst gewöhnen muss. [Süddeutsche Zeitung, 21.11.2014]
In genauen Schnitten reiht Astrid Rosenfeld ihre Auftritte aneinander, und flink purzeln die witzigen Dialoge daher, deren Sprache zwischen Zartheit und Grobheit changiert. [Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2015]
Gänzlich unterschiedlich sind die erzielten Effekte an den Fassaden [aus Fertigbauteilen], die von felsiger Grobheit bis hin zu einem ephemeren Hauch aus Stahl reichen. [Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2000]
Sogar die Bank vor dem Haus ist aus Stein. Die Grobheit und Härte des Materials verlangt die funktionalste, klarste Form – und die ist von eindrucksvoller Schönheit. [Die Zeit, 25.10.1991, Nr. 44]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grob · gröblich · Grobheit · Grobian · vergröbern · grobschlächtig · Grobschmied
grob Adj. ‘rauh, nicht fein, derb, unhöflich, barsch’, ahd. g(e)rob ‘grob, dick, tief tönend’ (um 1000), mhd. grop, grob (vereinzelt gerop), mnd. grof ‘massig, stark, reichlich, ungebildet, unangemessen’ (mnd. auch ‘tief tönend, einfach, verständlich’), mnl. grof, groef, grouf ‘dick, schwer, schwanger, groß, reichlich, nicht fein’, nl. grof ‘grob, roh, plump’. Die Herleitung des nur dem dt.-nl. Bereich angehörenden Adjektivs (anord. grōfr ‘groß, grob’ entstammt dem Nd., engl. gruff ‘mürrisch, grob’ dem Nl.) ist nicht gesichert. In der Regel wird ahd. g(e)rob als Präfixbildung mit germ. *ga- (s. ↗ge-) aufgefaßt, deren Stamm sich zu ahd. (h)riob ‘aussätzig’ (9. Jh.), (h)ruf (8. Jh.), frühnhd. ruf(e) ‘Schorf, Aussatz’ (15. Jh.), aengl. hrēof ‘rauh, schorfig, aussätzig’, anord. hrjūfr ‘uneben, rauh, schorfig’ stellen und mit lit. kraupùs ‘rauh, uneben, struppig’, aslaw. krupica ‘Brosame, Krümchen’, russ. krupá (крупа) ‘Grütze, Graupen’, krúpnyj (крупный) ‘grobkörnig, groß’ auf ie. *kreup- ‘Schorf, sich verkrusten’ zurückführen ließe. Andere Erklärungsversuche betrachten gr- als Stammanlaut (mit jungem Sproßvokal) und verweisen auf ie. *ghrēu-, *ghrəu- ‘scharf darüber reiben, zerreiben’, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’; nächste Verwandte wären dann ↗Griebe, ↗Griebs und ↗groß (s. d.). In beiden Fällen ergibt sich für grob eine Ausgangsbedeutung ‘körnig, rauh’, aus der der in den älteren Sprachstufen vorherrschende Sinn ‘massig, dick’ hervorgeht. Die heute mit dem Adjektiv verbundene negative Wertung tritt erst im Nhd. stärker zutage. gröblich Adj. ‘beträchtlich, stark, schlimm’, adverbiell ‘heftig, sehr’, mhd. grobelich Adj., grobelīche(n) Adv., mnd. gröflīk, groflīk Adj., gröflīk(en), groflīk(en) Adv. ‘groß, stark, heftig, in hohem Maße, sehr, viel’; zunächst Adverbialbildung zum Adjektiv mhd. grop, mnd. grof (s. oben), der adjektivische Gebrauch ist bis in die Gegenwart nur schwach bezeugt (vgl. gröblicher Irrtum). Grobheit f. ‘Derbheit, Unfreundlichkeit’, auch ‘barsche, unhöfliche Äußerung’, mhd. (besonders spätmhd.) gropheit, grobheit ‘Dicke, Unebenheit, Rauheit, Körperlichkeit’, mnd. grofhēt ‘Rauheit, Unebenheit, Roheit, Unhöfischkeit’. Grobian m. ‘derber, ungesitteter Mensch’ (15. Jh.), bis ins 18. Jh. auch Grobianus, latinisierende humanistische Scherzbildung in Anlehnung an Heiligennamen auf lat. -ānus, vgl. Cyprian(us), Damian(us). vergröbern Vb. ‘gröber machen’ (Anfang 18. Jh., zuvor vergröben, 17. Jh.), Präfixbildung zu einem nur vereinzelt belegten Faktitiv frühnhd. gröbe(r)n. grobschlächtig Adj. ‘von grobem Schlage, derb, plump’ (19. Jh.). Die Zusammensetzung lehnt sich wohl an andere, besonders im Obd. verbreitete Adjektive mit -schlächtig an. Zum zweiten Kompositionsglied, das auf mhd. -slaht ‘geartet’ beruht, s. ↗ungeschlacht und ↗Geschlecht. Grobschmied m. vom 17. bis ins 19. Jh. gebräuchliches Synonym für ↗Schmied (s. d.), das den Unterschied zum (Schlosserarbeiten ausführenden) Kleinschmied hervorhebt (vgl. frühnhd. grop werk ‘grobe Schmiedearbeit’, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Grobheit  ●  ↗Sottise  veraltet
Synonymgruppe
Flegelei · ↗Flegelhaftigkeit · Grobheit · Krawallmacherei · ↗Pöbelei · ↗Rowdytum · ↗Rüpelei · ↗Rüpelhaftigkeit · provokantes Auftreten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Feinheit arg gewiss göttlich verbal verbergen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grobheit‹.

Zitationshilfe
„Grobheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grobheit>, abgerufen am 14.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
grobhäutig
grobgliedrig
grobgezimmert
grobgefügt
Grobgarn
Grobian
grobianisch
Grobianismus
Grobinformation
grobjährig