Großstadt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungGroß-stadt
WortzerlegunggroßStadt
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

große, mit pulsierendem Leben erfüllte Stadt mit vielen Einwohnern (amtlich Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

groß · Größe · Größenwahn · größenwahnsinnig · vergrößern · großartig · großsprecherisch · großkotzig · großmütig · Großmut · großzügig · Großzügigkeit · Großmacht · großmächtig · Großstadt · Großstädter · großstädtisch · Großmutter · Großvater
groß Adj. ‘ausgedehnt, von beträchtlichem Ausmaß’, bei näherer Bestimmung der räumlichen Ausdehnung mit vorangestellter Maßangabe im Akkusativ (seit Ende des 18. Jhs., zuvor und bis ins 19. Jh. im Genitiv), auch ‘der Zahl, dem Grad nach herausragend, von hohem Wert, besonderer Bedeutung’, ahd. (9. Jh.), mhd. grōʒ, asächs. mnd. grōt, mnl. nl. groot, afries. grāt, aengl. grēat, engl. great. Die semantische Entwicklung des nur westgerm. belegten Adjektivs germ. *grauta-, das wahrscheinlich mit anord. grautr ‘Grütze’ (s. ↗Grütze) und lit. graudùs ‘spröde, brüchig’, lett. grauds ‘Korn’ an ie. *ghrēud-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’ anzuschließen ist, entspricht zunächst der des vielleicht ebenfalls verwandten ↗grob (s. d.): aus ‘grobkörnig’ (so noch im Aengl. und gelegentlich im Frühnhd.) erwächst die Bedeutung ‘massig, dick’, die in mhd. Zeit vorherrscht. Daran knüpfen sich (schon ahd. und in den übrigen westgerm. Sprachen) Übertragungen auf andere räumliche Erstreckungen (‘lang, breit, weit’) und (besonders asächs. mnd. mnl. frühnhd.) auf Mengen (‘zahlreich, viel’), ferner (bereits asächs. mhd. mnd. mnl. sowie im modernen Engl.) Verwendungen, die Qualitätsmerkmale, namentlich einen hohen Rang oder außergewöhnlichen Wert kennzeichnen (‘bedeutsam, wichtig, hervorragend, vornehm’). Der im älteren Nhd. verbreitete Gebrauch als intensivierendes Adverb ist heute auf bestimmte Konstruktionen, vor allem auf einige negative Fügungen (nicht groß, niemand groß) eingeschränkt. Jüngerer Umgangssprache gehört adverbielles (ganz) groß ‘großartig, prächtig’ an (groß ausgehen, etw. ganz groß ankündigen). Die oben angeführten Formen vom Stamm *grauta- verdrängen im Kontinentalwestgerm. das vorher zur Bezeichnung eines beträchtlichen Ausmaßes übliche gemeingerm. Adjektiv ahd. mihhil (8. Jh.), asächs. mikil, mhd. michel, mnd. mnl. mēkel, michel, aengl. micel, anord. mikill, got. mikils (noch lebendig in engl. much, schwed. mycken, dän. megen ‘viel’ und in Namen wie Michelstadt, Mecklenburg), das wie lat. magnus, griech. mégas (μέγαϛ) (s. ↗mega-), aind. mahā́n ‘groß’ auf die Wurzel ie. *meg̑(h)- ‘groß’ zurückgeht. Größe f. ‘räumliche Ausdehnung, Ausmaß, hoher Wert, besondere Bedeutung’, auch ‘bedeutende Persönlichkeit’, terminologisch in der Mathematik ‘durch eine Zahl ausdrückbarer Begriff’ (16. Jh.), in der Bekleidungsindustrie ‘genormtes Maß für Kleidungsstücke’ (20. Jh.), ahd. grōʒī (9. Jh.), mhd. grœʒe ‘Größe, Dicke’, mnd. grȫte ‘Größe, Menge’ als Adjektivabstraktum; dazu Größenwahn m. ‘krankhaft übersteigertes Selbstgefühl’ (auch Größenwahnsinn) und größenwahnsinnig Adj. (alle 19. Jh.). vergrößern Vb. ‘größer machen’, reflexiv ‘größer werden’ (17. Jh.), löst vorausgehendes ergrößern (16. Jh.), größern (Ende 15. Jh.) ab; vgl. auch gleichbed. mhd. grœʒen, frühnhd. größen. großartig Adj. ‘prächtig, eindrucksvoll, hervorragend’, auch mit negativer Wertung ‘prahlerisch, auf Wirkung abzielend’ (Anfang 19. Jh., zunächst für ↗grandios, s. d.). großsprecherisch Adj. ‘prahlerisch, wichtigtuerisch’ (17. Jh.), zu älterem Großsprecher (15. Jh.), groß sprechen, großsprechen (16. Jh.); in ähnlichem Sinne umgangssprachlich großkotzig Adj. (19. Jh.), wohl dem Rotw. entstammend, vgl. jidd. kozin ‘reicher Mann’, hebr. qātzīn ‘Fürst, Anführer, Richter’. großmütig Adj. ‘edel denkend, nachsichtig’ (so vom 17. Jh. an), spätmhd. grōʒmüetec, -muotec (14. Jh.) und im Frühnhd. ‘hochgestimmt, kühn, unverzagt’ (für lat. magnanimus); vgl. ahd. mihhilmuotīg ‘tapfer, beherzt’ (11. Jh.); Großmut f. ‘edle Gesinnung’, frühnhd. auch ‘Kühnheit’ (16. Jh.). großzügig Adj. ‘nicht kleinlich, freigebig, tolerant’ (um 1900); Großzügigkeit f. (Anfang 20. Jh.). Großmacht f. ‘entscheidenden Einfluß auf die internationale Politik ausübender Staat’ (Mitte 19. Jh., zunächst von bestimmten Staaten des Deutschen Bundes, entsprechend frz. grande puissance), vorher gleichbed. mit große Macht, woraus es zusammengerückt ist (17. Jh.); früher bezeugt ist großmächtig Adj. ‘sehr mächtig’ (besonders in Titeln), ‘sehr groß’, frühnhd. auch ‘von kräftiger Gestalt, dick’ (15. Jh.). Großstadt f. ‘große Stadt’, namentlich (nach statistischer Festlegung) ‘Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern’, vereinzelt schon im 16. Jh. vorkommend, dann seit Anfang des 19. Jhs., wohl angelehnt an Großstädter m. (17. Jh.), großstädtisch Adj. (Mitte 18. Jh.). Großmutter f. Großvater m. ‘Mutter, Vater des Vaters oder der Mutter’, mhd. grōʒmuoter (1350), spätmhd. grōʒvater (um 1400), mnd. grōt(e)mōder, grōt(e)vāder. Die offenbar vom Norden des dt. Sprachgebiets ausgehenden Bildungen treten in dieser Verwendung an die Stelle von mhd. ane f., an(e), ene m. (s. ↗Ahn); wie nl. grootmoeder, grootvader, engl. grandmother, grandfather folgen sie vielleicht dem Muster der allerdings erst verhältnismäßig spät nachweisbaren Zusammensetzungen frz. grand’mère (in diesem Sinne schon afrz. grant mere?), grand-père (16. Jh.), doch ist wegen der frühen Bezeugung im Dt. auch an vom Frz. unabhängige Bildungen zu denken.

Thesaurus

Synonymgruppe
Großstadt · Regiopole
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anonymität Ballungsgebiet Ballungsraum Ballungszentrum Dickicht Dschungel Einwohner Hektik Kleinstadt Oberbürgermeister Rand Sinfonie Slum Symphonie Umland Vergleich Vorort amerikanisch ander anonym bundesdeutsch deutsch europäisch mittel modern norddeutsch ostdeutsch pulsierend vergleichbar westdeutsch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Großstadt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im ausklingenden Jahr zogen die Reporter von ZEIT online in neun Großstädten durch die Nacht.
Die Zeit, 18.12.2006, Nr. 51
In den Großstädten mangelt es ja nicht gerade an Ärzten.
Der Tagesspiegel, 23.12.2004
Und in der Großstadt ist er gar nicht so groß.
Bach, Tamara: Marsmädchen, Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger 2003, S. 74
Wirklich glücklich waren in den Großstädten immer nur einige wenige.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 50
Der unmenschliche Charakter der Großstadt beginnt, ihnen bewußt zu werden.
Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Gesammelte Schriften Bd. 5,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982 [1928-1929, 1934-1940], S. 50
Zitationshilfe
„Großstadt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Großstadt>, abgerufen am 23.09.2019.

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