Grillenfänger, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Grillenfängers · Nominativ Plural: Grillenfänger
Aussprache
WorttrennungGril-len-fän-ger (computergeneriert)
WortzerlegungGrilleFänger
Wortbildung mit ›Grillenfänger‹ als Grundform: ↗Grillenfängerei
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich jmd., der trüben Gedanken nachhängt
Beispiel:
sei kein Grillenfänger und Pessimist!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grille · Grillenfänger
Grille f. Der Name mehrerer zirpender, zu den Heuschrecken zählender Insekten lautet ahd. grillo (10. Jh.), mhd. grille, frühnhd. (und später noch obd.) Grill m., seit dem 15. Jh., wohl auf Grund der Pluralform, daneben Grille f. Diese Bezeichnung, die sich von Süden her ausbreitet und bodenständiges ↗Heimchen (s. d.) zurückdrängt, beruht auf Entlehnung von gleichbed. lat. grillus, gryllus. Das lat. Substantiv, das meist als Übernahme aus dem Griech. angesehen wird, könnte auch eine den zirpenden Laut des Tieres nachahmende eigene Bildung sein und wäre dann nicht identisch mit dem ebenfalls onomatopoetischen griech. grýllos, grȳ́los (γρύλλος, γρῦλος) ‘Ferkel, Meeraal’, das erst byzant.-griech. (unter lat. Einfluß?) in der Bedeutung ‘Grille’ vorkommt; vgl. Corominas 2, 786. Seit dem 15. Jh., vereinzelt schon im 14. Jh. (Pseudo-Neidhart) wird Grille im Dt., ähnlich wie andere Insektennamen (s. ↗Mücke), im Sinne von ‘wunderlicher Einfall, Laune’ verwendet; vgl. die Fügung Grillen im Kopf haben (15. Jh.) und den entsprechenden Gebrauch von mnd. grille, nl. gril, mfrz. grillon, ital. grillo, span. grilla. Die Übertragung wird vielleicht begünstigt durch gelehrte Kenntnis eines bei Plinius bezeugten lat. gryllus ‘groteske Menschen- und Tierdarstellung, Karikatur’ (mit deutlichem Bezug hierauf Grillen bei Fischart, 1575), dem wahrscheinlich ein von griech. grýllos ‘Ferkel’ zu trennendes, sonst aber unerklärtes griech. grýllos (γρύλλος) als Benennung für einen ausgelassenen Tanz zugrunde liegt. An die Wendung Grillen fangen ‘wunderlichen Gedanken nachhängen, verdrießlich sein’ (17. Jh.) schließt sich die Zusammenbildung Grillenfänger m. ‘wer sich trüber Stimmung hingibt’, älter auch ‘Phantast, Sonderling’ (17. Jh.) an.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und die Netze der Grillenfänger bleiben in der Regenzeit oft leer.
Die Zeit, 04.11.2012, Nr. 06
Sie selbst blieben von dem sonderlichen Wesen unberührt, ließen Gott und den Paracelsi sowie die Grübler und Grillenfänger um ihn gute Leute sein.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 717
Zitationshilfe
„Grillenfänger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grillenfänger>, abgerufen am 21.05.2019.

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