Grille, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Grille · Nominativ Plural: Grillen
Aussprache
WorttrennungGril-le
Wortbildung mit ›Grille‹ als Erstglied: ↗Grillenfänger · ↗Grillengezirp · ↗Grillengezirpe · ↗grillenhaft
 ·  mit ›Grille‹ als Letztglied: ↗Feldgrille · ↗Hausgrille · ↗Maulwurfsgrille
eWDG, 1969

Bedeutungen

I.
den Heuschrecken verwandtes, geflügeltes Insekt mit gedrungenem, walzenförmigem Körper und dickem Kopf, von dem das Männchen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel einen zirpenden Laut hervorbringt
Beispiele:
Grillen zirpten
Die Grillen singen unentwegt [Hausm.Lampioon215]
II.
1.
nur im Plural
trübe Gedanken, düstere Stimmung
Beispiele:
hast du wieder Grillen im Kopf?
in der Dämmerung befallen ihn immer seine Grillen
setz dir doch keine Grillen in den Kopf!
jmdm. die Grillen austreiben, vertreiben
komm von deinen Grillen los!
seinen Grillen nachhängen
Grillen sind mir böse Gäste! [C. M. v. WeberFreischützII 1]
umgangssprachlich Grillen fangenverdrießlich sein
Beispiele:
sitz nicht herum und fang Grillen!
warum fängst du Grillen?
2.
seltsamer, schrulliger Einfall
Beispiele:
das ist wohl nur so eine Grille von ihm
ich ward Soldat ... aus der Grille, daß es für jeden tüchtigen Mann gut sei, sich in diesem Stande eine Zeitlang zu versuchen [MehringLessing-Legende361]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grille · Grillenfänger
Grille f. Der Name mehrerer zirpender, zu den Heuschrecken zählender Insekten lautet ahd. grillo (10. Jh.), mhd. grille, frühnhd. (und später noch obd.) Grill m., seit dem 15. Jh., wohl auf Grund der Pluralform, daneben Grille f. Diese Bezeichnung, die sich von Süden her ausbreitet und bodenständiges ↗Heimchen (s. d.) zurückdrängt, beruht auf Entlehnung von gleichbed. lat. grillus, gryllus. Das lat. Substantiv, das meist als Übernahme aus dem Griech. angesehen wird, könnte auch eine den zirpenden Laut des Tieres nachahmende eigene Bildung sein und wäre dann nicht identisch mit dem ebenfalls onomatopoetischen griech. grýllos, grȳ́los (γρύλλος, γρῦλος) ‘Ferkel, Meeraal’, das erst byzant.-griech. (unter lat. Einfluß?) in der Bedeutung ‘Grille’ vorkommt; vgl. Corominas 2, 786. Seit dem 15. Jh., vereinzelt schon im 14. Jh. (Pseudo-Neidhart) wird Grille im Dt., ähnlich wie andere Insektennamen (s. ↗Mücke), im Sinne von ‘wunderlicher Einfall, Laune’ verwendet; vgl. die Fügung Grillen im Kopf haben (15. Jh.) und den entsprechenden Gebrauch von mnd. grille, nl. gril, mfrz. grillon, ital. grillo, span. grilla. Die Übertragung wird vielleicht begünstigt durch gelehrte Kenntnis eines bei Plinius bezeugten lat. gryllus ‘groteske Menschen- und Tierdarstellung, Karikatur’ (mit deutlichem Bezug hierauf Grillen bei Fischart, 1575), dem wahrscheinlich ein von griech. grýllos ‘Ferkel’ zu trennendes, sonst aber unerklärtes griech. grýllos (γρύλλος) als Benennung für einen ausgelassenen Tanz zugrunde liegt. An die Wendung Grillen fangen ‘wunderlichen Gedanken nachhängen, verdrießlich sein’ (17. Jh.) schließt sich die Zusammenbildung Grillenfänger m. ‘wer sich trüber Stimmung hingibt’, älter auch ‘Phantast, Sonderling’ (17. Jh.) an.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · ↗Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · ↗Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · ↗Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ameise Braten Chillen Fabel Fledermaus Frittieren Frosch Gezirpe Grashüpfer Heimchen Heuschrecke Heuschrecken Holzkohle Kakerlak Käfer Lagerfeuer Laubheuschrecke Mehlwurm Mücke Picknick Schneck Skorpion Spinne Tiergarten Wurm Zikade Zirpen sprechend zirpen zirpend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grille‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Alles hier wirkt bedrückt, selbst die Grillen zirpen gedämpfter als draußen am Highway.
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2002
Die Grillen waren sehr laut, das fiel ihm plötzlich auf.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 243
Wenn er zu Ende ist, hört man wieder die Grillen.
Bobrowski, Johannes: Levins Mühle, Frankfurt a. M.: Fischer 1964, S. 156
Sie setzen dem jungen Volk allerlei Grillen in den Kopf.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 271
Wir haben alle zu Hause unsere Grillen und mein Vater hat die meisten.
Die Zeit, 03.04.1952, Nr. 14
Zitationshilfe
„Grille“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grille>, abgerufen am 25.04.2019.

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