Grauen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Grauens · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGrau-en (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Grauen‹ als Erstglied: ↗grauenerregend · ↗grauenhaft · ↗grauenvoll · ↗grausam
eWDG, 1969

Bedeutung

mit Schrecken und Abscheu verbundene, unbestimmte Furcht vor etw. Unheimlichem, Drohendem, Entsetzen über etw.
Beispiele:
das Grauen vor der herannahenden Gefahr, in der Dunkelheit
das Grauen des Krieges, der Bombennächte
die zerstörten Städte waren ein Bild des Grauens
(ein) Grauen erfüllte ihn, herrschte im Lande
die Schilderung erregte allgemeines Grauen
ein leises, geheimes, heimliches, gelindes, dunkles, starkes, tiefes, eisiges, wildes, großes, erbärmliches Grauen packt ihn, befiel ihn, stieg in ihm auf, ergriff, erfasste, durchfuhr, überlief, überkam, lähmte ihn
umgangssprachlich wenn man das sieht, kriegt man das große Grauen
er musste mit Grauen erkennen, dass ...
Ein Maß von Passivität ist erreicht, daß einem das Grauen davor kommt [KlepperSchatten293]
Der König tritt zurück mit Grauen [SchillerRing]
Er ... ließ alles geschehen, von einem süßen Grauen und einer tiefen, glücklichen Bangigkeit erfüllt [HesseUnterm Rad1,522]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grauen2 · Grauen · grauenhaft · grauenvoll
grauen2 Vb. (unpersönlich oder reflexiv) ‘schaudern, sich fürchten’, ahd. grūēn (11. Jh.), ingrūēn (um 800), mhd. grūwen, grūen, mnd. mnl. grūwen, grouwen, nl. gruwen. Dazu gehören ↗Greuel, ↗graulen, ↗grausen (s. d.). Man versucht, die Wortgruppe an ie. *ghrēu-, *ghrū-, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, anzuknüpfen, und verweist dabei auf ie. *ghrēud-, wozu nicht nur ↗Grieß und ↗Grütze (s. d.), sondern auch lit. grū́sti ‘stampfen, zerstoßen, wehmütig, traurig gestimmt werden, sich grämen’, russ. grustít’ (грустить) ‘traurig sein’, grust’ (грусть) ‘Kummer, Trauer’ gehören, so daß sich eine befriedigende semantische Beziehung zu der oben genannten germ. Wortgruppe herstellen läßt. Aber auch Anschluß an die Wurzel ie. *g̑her(s)- ‘starren, beben’ (wozu lat. horrēre ‘starr sein, sich emporsträuben, schaudern, sich entsetzen’ gehört) wird erwogen; die germ. Wörter um grauen wären dann als onomatopoetische Weiterbildungen zu erklären (vgl. Kluge ²⁵372). Grauen n. ‘Furcht, Entsetzen, Abscheu’ (16. Jh.), substantivierter Infinitiv von grauen, älteres Grau m. ‘Schauder’ (mhd. grūwe) verdrängend. grauenhaft Adj. grauenvoll Adj. (beide 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Grauen · ↗Horror · ↗Schrecken  ●  ↗Horrortrip  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abscheu Angesicht Banalität Bilder Derby Ekel Ekstase Entsetzen Fahrstuhl Faszination Grauen Horror Komik Kondom Konzentrationslager Nebel Schrecken Stätte Symphonie alltäglich erlebt lauern nackt namenlos packen unfassbar unvorstellbar zurückdenken Ästhetisierung überkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als der Morgen graute, entschleierte sich die fremde Umgebung allmählich den staunenden Augen.
Jünger, Ernst: In Stahlgewittern, Stuttgart: Klett-Cotta 1994 [1920], S. 94
Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau gebracht.
Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 246
Als der Morgen dieses Tages graute, floh sie aus dem Krankenzimmer.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Als ich das Buch aus der Hand legte, graute der Morgen.
Die Zeit, 21.10.1960, Nr. 43
Endlich graut der Morgen, und wir mühen uns erleichtert an der sogenannten Wirklichkeit ab.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.1998
Zitationshilfe
„Grauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grauen>, abgerufen am 21.07.2019.

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