Grafschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Grafschaft · Nominativ Plural: Grafschaften
Aussprache
WorttrennungGraf-schaft (computergeneriert)
WortzerlegungGraf1-schaft
Wortbildung mit ›Grafschaft‹ als Erstglied: ↗Grafschaftsrat  ·  mit ›Grafschaft‹ als Letztglied: ↗Freigrafschaft · ↗Landgrafschaft
eWDG, 1969

Bedeutung

Bezirk eines Grafen
Beispiele:
die britischen Grafschaften
der ihm für treu geleistete Dienste ein Amt in seiner Grafschaft Mümpelgard anvertraute [C. F. MeyerAmulett3,11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Graf · gräflich · Grafschaft
Graf m. erblicher Adelstitel, ahd. grāvo (8. Jh.), mhd. grāve ‘Vorsteher des königlichen Gerichts, Verwalter’, asächs. grāvio, mnl. grāve, nl. graaf, daneben mit Umlaut afries. grēva, mnd. mnl. grēve. Die Etymologie ist ungewiß. Man hat versucht, von in der Bedeutung übereinstimmendem aengl. gerēfa (erhalten als zweiter Bestandteil in engl. sheriff) auszugehen, einer Präfixbildung, deren Grundwort aengl. rēfa in einem Ablautverhältnis zu ahd. ruoba (8. Jh.), ruova (9. Jh.) ‘Zahl’ stehen könnte. Doch sind die übrigen germ. Formen nicht als Präfixbildungen nachzuweisen. Eine andere Deutung will eine Beziehung zu got. gagrēfts ‘Beschluß, Verordnung’ und einem daraus erschlossenen got. *grēfan ‘gebieten’ herstellen; dabei bliebe freilich die aengl. Form unerklärt. Vielleicht aber ist das in merowingischen und karolingischen Quellen gut bezeugte mlat. graphio, grafio, grauio ‘Steuerbeamter, gerichtlicher Verwalter’ nicht als Latinisierung eines germ. Wortes, sondern vielmehr als Entlehnung des byzantinischen Hoftitels byzant.-griech. graphé͞us (γραφεύς), eigentlich ‘Schreiber’, zu griech. gráphein (γράφειν) ‘schreiben’, aufzufassen. In frühmerowingischen Quellen bezeichnet graphio einen Polizei- und Vollstreckungsbeamten, dann einen königlichen Beamten mit administrativen und richterlichen Befugnissen. In spätkarolingischer Zeit wird das Grafenamt mit der Verleihung von Landbesitz zu einem erblichen Lehen umgewandelt (vgl. ahd. burg-, lant-, marc-, phalanzgrāvo). Seit dem späteren Mittelalter kann Graf, besonders in md. und nd. Gebieten, auch eine gewählte oder ernannte Amtsperson mit niederer richterlicher Gewalt oder den Vorsitzenden eines genossenschaftlichen Amtes bezeichnen, meist in Zusammensetzungen mit Graf als Grundwort wie Deich-, Wasser-, Feld-, Wald-, Holz-, Salzgraf. gräflich Adj. ‘zu einem Grafen gehörig, ihn betreffend’, spätmhd. grevelich, greflich. Grafschaft f. ‘Amt und Würde eines Grafen, das unter der Verwaltung oder Herrschaft eines Grafen stehende Gebiet’, ahd. grāfscaft (um 1000), mhd. grāveschaft, grāfschaft.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwesen Fürstentum Gau Grafschaft Herzogtum House Landhaus Landsitz Reichsstadt angrenzend benachbart englisch gefürstet irisch lieblich mittelenglisch nordenglisch nordirisch nordwestenglisch nördlich ostenglisch reichsunmittelbar schottisch südenglisch südirisch südostenglisch südwestenglisch südwestlich walisisch westenglisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grafschaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Frage nach den Ohren beschäftigte eine Gruppe von Ärzten in der britischen Grafschaft Kent.
Die Zeit, 02.08.2004, Nr. 31
An einer Stelle der Grafschaft Kent gab es eine geringe Anzahl Opfer.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1941]
Die S. waren bes. in den nordwestlichen Grafschaften Englands verbreitet.
Hohlwein, H.: Seekers. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 39174
Die Grenzen der jüngeren Grafschaften und der kirchlichen Einteilung der gleichen Zeit decken sich weitgehend.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 316
Insgesamt sollen 12 englische Grafschaften, eine Anzahl Grenzbarone und Wales 21540 Mann stellen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 28290
Zitationshilfe
„Grafschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grafschaft>, abgerufen am 13.11.2019.

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