Grütze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Grütze · Nominativ Plural: Grützen
Aussprache
WorttrennungGrüt-ze
Wortbildung mit ›Grütze‹ als Erstglied: ↗Grützbeutel · ↗Grützbrei · ↗Grützfutter · ↗Grützkopf · ↗Grützmühle · ↗Grützsuppe · ↗Grützwurst
 ·  mit ›Grütze‹ als Letztglied: ↗Buchweizengrütze · ↗Entengrütze · ↗Fruchtgrütze · ↗Gerstengrütze · ↗Hafergrütze
Wahrig und DWDS, 2019

Bedeutungen

1.
geschälte und grob gemahlene Getreidekörner, besonders von Buchweizen, Weizen, Gerste oder Hafer
Beispiele:
Grütze wird durch grobes Schroten von geschältem Getreide wie Hafer, Gerste und Buchweizen gewonnen. [die tageszeitung, 27.01.1990]
Angeboten wird der Buchweizen hauptsächlich in Naturkostläden in Form von Grütze, Flocken oder Mehl. [genussradar .fine.food.affairs, 06.06.2010, aufgerufen am 14.09.2018]
Der Speiseplan eines militärischen Waisenhauses in Potsdam aus dem Jahre 1726 sieht hauptsächlich Speisen aus Grütze, Graupen, Erbsen, Mehl, Hirse vor mit Anteilen von Fleisch, Ochsengeschlinge, Klippfisch und Speck. [Berliner Zeitung, 04.07.1987]
Nun sind allerdings die meisten Flocken, Grützen oder Schrote, die heute noch im Kleinhandel erhältlich sind, keine wirkliche Vollkornware. [Bommer, Sigwald u. Lotzin-Bommer, Lisa: Getreidegerichte aus vollem Korn – gesund, kräftig, billig!, Krailing bei München: Müller 1957 [1941], S. 26]
2.
aus Grütze1 (Lesart 1) gekochter Brei
Beispiele:
Es gibt [in Niedersachsen] den Harzer Käse und das »Korn der Heide«, den Buchweizen, aus dem man Aufläufe macht, Klöße oder Grützen. [Berliner Zeitung, 15.05.2004]
Die Landbevölkerung ernährte sich in Europa einst vor allem von Getreidebrei, von kaum gewürzten Grützen. [Süddeutsche Zeitung, 06.03.2014]
Grütze gab es früher morgens kalt mit warmer Milch und abends warm mit kalter Milch. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2006]
Ob Grütze, Brei oder Mus – die unansehnliche Speise bildete in ganz Europa über Jahrhunderte hinweg die Ernährungsgrundlage für das einfache Volk. [Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2004]
umgangssprachlich, übertragen Und auch sonst schreiben Sie so dämliche Grütze (= so einen Unsinn), dass man es kaum fassen kann. [Bild, 26.05.2012]
umgangssprachlich, übertragen Sorry, mein Hirn wird einem Sieb immer ähnlicher … […] Habe außerdem manchmal das Gefühl, nur Grütze (= Sinnloses, Ungeordnetes) im Kopf zu haben. [Unkraut vergeht nicht, 15.06.2014, aufgerufen am 15.09.2018]
Kollokation:
als Akkusativobjekt: Grütze kochen
3.
Kochkunst Süßspeise aus roten Früchten wie Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren oder Kirschen, die mit Zucker gekocht und mit Speisestärke, seltener auch mit Sago oder Grieß angedickt und mit Vanillesoße oder Sahne serviert werden
Phraseme:
rote Grütze
Rote Grütze
Beispiele:
Rote Johannisbeeren sind vor allem eine willkommene Zutat für rote Grützen und Gelees. [metacheck, 09.07.2013, aufgerufen am 08.01.2019]
Echte rote Grütze wird mit Sago oder Speisestärke angedickt. [glasgefluester, 16.07.2012, aufgerufen am 14.09.2018]
Das delikateste Gericht aus frischen Beeren ist Rote Grütze. [Bild, 26.07.2001]
Die rote Grütze, ohne das übliche Maß an Gelatine und Sago, haben wir […] bis auf den letzten Rest ausgelöffelt. [Süddeutsche Zeitung, 20.05.1996]
[…] rote Grütze mit Sahne wird seit je auch im gesamten norddeutschen Raum geschätzt. [Der Spiegel, 07.05.1979, Nr. 19]
Kollokation:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: rote Grütze mit Sahne; rote Grütze mit Vanillesoße
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grütze1 f. ‘geschälte, grobgemahlene Getreidekörner, Brei aus diesen Körnern’, ahd. gruzzi n. (9. Jh.), mhd. grütze n. f., mnd. grütte, (mit Metathese) görte f., mnl. gort(e) f., nl. gort, aengl. grytt n., grytta f., engl. grits (Plur.), germ. *grutja- n., *grutjō f. und ablautendes anord. grautr m. ‘Grütze’ gehören mit ↗Grieß, ↗groß (s. d.) zu ie. *ghrēud-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, s. auch ↗grauen.

Grütze2 f. ‘Verstand’ ist mundartlich weit verbreitet, besonders in der Wendung (keine, wenig) Grütze im Kopf haben (seit dem 17. Jh. literarisch belegt), und beruht vermutlich auf Umbildung von frühnhd. Kritz (hess. Gritz) ‘Verstand, Scharfsinn’, das eigentlich ‘Kitzel’ bedeutet und zu frühnhd. (heute noch landschaftlichem) ↗kritzeln (s. d.) im Sinne von ‘kratzen, kitzeln’ gehört. Daher Kritz (Schläue, Witz, Verstand) in der Nase haben (16. Jh.), eigentlich ein leichtes Kratzen (vgl. ↗naseweis, s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Denkfähigkeit · ↗Denkvermögen · ↗Geist · ↗Geisteskraft · ↗Intelligenz · ↗Klugheit · ↗Scharfsinn · ↗Scharfsinnigkeit · ↗Vernunft · ↗Verstand  ●  ↗Gehirnschmalz  ugs. · ↗Grips  ugs. · Grütze  ugs. · ↗Köpfchen  ugs.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
  • Herzgehirn · Herzintelligenz
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brei Eis Graupe Grütze Kartoffel Kopf Mehl Milch Reis Sahne Salz Vanillesauce Vanillesoße blau grün kochen rot schmecken schwarz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grütze‹.

Zitationshilfe
„Grütze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grütze#1>, abgerufen am 19.06.2019.

Weitere Informationen …

Grütze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Grütze · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGrüt-ze
Wahrig und DWDS, 2019

Bedeutung

umgangssprachlich Verstand, Scharfsinn, Intelligenz
siehe auch Grütze1 (Lesart 2)
Beispiele:
»Daß wir in Baden-Württemberg heute Geld haben«, rief der Schwabe, »liegt daran, daß wir genug Grütze im Kopf haben[…] [Die Zeit, 21.08.1987, Nr. 35]
Sie werden […] mehr Grütze im Kopf nötig haben, als Ihnen vielleicht jemals zur Verfügung steht, um nur die Hälfte der Arbeit zu verrichten, die man Ihnen antragen wird. [Die Müllhalde, 24.02.2013, aufgerufen am 14.09.2018]
Joachim bezog das Gymnasium, er hatte das, was die Holländer mit »studiekop« bezeichnen, ein Studienhaupt, […] Grütze im Schädel[…]. [Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 274]
»Nein!« erwiderte ich, »nein, ich will nicht!« und hörte, wie ein Vorübergehender zum andern sagte: »Der scheint keine Grütze mehr im Kopf zu haben.« [Die Zeit, 09.05.1946, Nr. 12]
Kollokation:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: (keine) Grütze im Kopf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Grütze1 f. ‘geschälte, grobgemahlene Getreidekörner, Brei aus diesen Körnern’, ahd. gruzzi n. (9. Jh.), mhd. grütze n. f., mnd. grütte, (mit Metathese) görte f., mnl. gort(e) f., nl. gort, aengl. grytt n., grytta f., engl. grits (Plur.), germ. *grutja- n., *grutjō f. und ablautendes anord. grautr m. ‘Grütze’ gehören mit ↗Grieß, ↗groß (s. d.) zu ie. *ghrēud-, einer Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’, s. auch ↗grauen.

Grütze2 f. ‘Verstand’ ist mundartlich weit verbreitet, besonders in der Wendung (keine, wenig) Grütze im Kopf haben (seit dem 17. Jh. literarisch belegt), und beruht vermutlich auf Umbildung von frühnhd. Kritz (hess. Gritz) ‘Verstand, Scharfsinn’, das eigentlich ‘Kitzel’ bedeutet und zu frühnhd. (heute noch landschaftlichem) ↗kritzeln (s. d.) im Sinne von ‘kratzen, kitzeln’ gehört. Daher Kritz (Schläue, Witz, Verstand) in der Nase haben (16. Jh.), eigentlich ein leichtes Kratzen (vgl. ↗naseweis, s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Denkfähigkeit · ↗Denkvermögen · ↗Geist · ↗Geisteskraft · ↗Intelligenz · ↗Klugheit · ↗Scharfsinn · ↗Scharfsinnigkeit · ↗Vernunft · ↗Verstand  ●  ↗Gehirnschmalz  ugs. · ↗Grips  ugs. · Grütze  ugs. · ↗Köpfchen  ugs.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Unterbegriffe
  • Herzgehirn · Herzintelligenz
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brei Eis Graupe Grütze Kartoffel Kopf Mehl Milch Reis Sahne Salz Vanillesauce Vanillesoße blau grün kochen rot schmecken schwarz

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grütze‹.

Zitationshilfe
„Grütze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Grütze#2>, abgerufen am 19.06.2019.

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