Gnadenbrot, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungGna-den-brot
WortzerlegungGnadeBrot
eWDG, 1969

Bedeutung

Lebensunterhalt, den ein arbeitsunfähiger Mensch von einer Person erhält, die zwar nicht gesetzlich dazu verpflichtet ist, ihn aber freiwillig gewährt
Beispiele:
jmdm. das Gnadenbrot geben, gewähren
auf das Gnadenbrot angewiesen sein
jmd. isst das Gnadenbrot bei jmdm., bekommt das Gnadenbrot von jmdm.ein Arbeitsunfähiger wird von jmdm. unterhalten
Beispiele:
sie [der alte Onkel und der Bernhardinerhund] aßen darum auf dem Landsitz der Thienemanns recht eigentlich das Gnadenbrot [G. Hauptm.3,385]
ich saß da als Mensch ... der nun das Gnadenbrot bei andern essen und dafür das Maulhalten eintauschen mußte [WelkGrambauer405]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gnade · begnaden · begnadet · begnadigen · gnädig · Gnadenbrot · Gnadenfrist · gnadenreich · Gnadenstoß
Gnade f. ‘verzeihende Güte, Nachsicht, Schonung, herablassende Gunst, Strafnachlaß’, in der christlichen Religion ‘Barmherzigkeit Gottes, Sündenvergebung’, ahd. gināda ‘göttliches Erbarmen, Gottes Hilfe, Wohlwollen, Gunst’ (8. Jh.), mhd. g(e)nāde ‘das Sichniederlassen, um auszuruhen, ruhige Lage, Glück(seligkeit), Gunst, Huld, Gottes Hilfe und Erbarmen’, asächs. (gi)nāða, mnd. genāde, mnl. ghenāde, nl. genade, anord. (aus dem Asächs. oder Mnd.) nāð ‘Gnade, Frieden, Ruhe’ sind dehnstufige Feminina zu einem nur in got. niþan ‘helfen’ belegten Verb unbekannter Herkunft. Eine Verbindung zu aind. nā́thatē ‘sucht Hilfe, fleht’ und griech. oninánai (ὀνινάναι) ‘nützen, helfen’ ist zweifelhaft. Als Ausgangsbedeutung für das Verb wird ‘sich in Ruhelage begeben, sich niederlassen, um auszuruhen’ und für das Substantiv entsprechend ‘Ruhe, ruhiges Leben, Friede, Glück’ angenommen (vgl. spätmhd. diu sunne gēt ze genāden ‘die Sonne geht unter, begibt sich zur Ruhe’). Gnade im Sinne von ‘huldvolles Zugeneigtsein’ wird in der süddeutschen Mission Übersetzungswort für kirchenlat. grātia und auf das Verhältnis Gottes zu den Menschen bezogen. Die als Zusatz bei Herrschertiteln erscheinende Formel von Gottes Gnaden ist die seit dem 13. Jh. geläufige Übersetzung von lat. grātiā deī, griech. cháriti theū́ (χάριτι θεοῦ), zurückgehend auf Paulus (1. Kor. 15, 10), der sein Apostelamt auf der Gnade Gottes aufbaut. Sie wird von Karl dem Großen dem weltlichen Herrschertitel hinzugefügt. Die Anrede Euer Gnaden, mhd. iuwer gnāde, daneben Ihr(e), Ihro Gnaden (16. Jh.) an fürstliche oder hochgestellte Personen entwickelt sich unter Einwirkung von spätlat. tua bzw. vestra clēmentia. Ferner vgl. Redewendungen wie Gnade geht vor Recht, mhd. gnāde gēt vür daʒ reht; sich auf Gnade und Ungnade ergeben ‘sich bedingungslos ausliefern’ (15. Jh.); die Gnade haben (‘geruhen’), etw. zu tun (18. Jh.); zu Gnaden halten ‘gnädig sein’ (18. Jh.); Gnade ergehen lassen ‘Nachsicht üben’ (19. Jh.). begnaden Vb. ‘eine Gnade zuteil werden lassen, mit hohen Gaben beschenken’, mhd. begnāden ‘Gnade erweisen, ein Privileg erteilen, Almosen geben’; dazu begnadet Part.adj. ‘hochbegabt, genial’, eigentlich ‘durch Gnade mit besonderen Gaben beschenkt’, vgl. ein begabter vnd begnadter Mensch (17. Jh.). begnadigen Vb. ‘Strafnachlaß, Straferlaß gewähren, Gnade erweisen, beschenken’ (16. Jh.), spätmhd. begnādigen, begnedigen ‘mit einer Gnade versehen, begaben, beschenken’; mit Umlaut (begnädigen) noch im 18. Jh. Als Part.adj. begnadigt im Sinne von begnadet (s. oben) vereinzelt bis ins 19. Jh. gnädig Adj. ‘Gnade übend, gewährend, barmherzig, gütig, nachsichtig, freundlich’, ahd. ginādīg ‘wohlwollend, liebreich, barmherzig, mild, geneigt’ (8. Jh.), mhd. genædec; zunächst (seit ahd. Zeit) vornehmlich Attribut Gottes. Dann häufig (14. Jh.) in der Anrede adliger, später (18. Jh.) auch bürgerlicher Personen, vgl. gnädiger Herr, gnädige Frau, gnädiges Fräulein, auch substantiviert die Gnädige, meine Gnädigste (18. Jh.). Gnadenbrot n. ‘aus Barmherzigkeit, Dankbarkeit für geleistete Dienste im Alter gewährter Unterhalt’ (18. Jh.). Gnadenfrist f. ‘aus Gnade gewährte Zeit der Schonung, Zeit der Strafaussetzung, letzte Frist’ (um 1800), zuvor im religiösen Sinne ‘Zeit der Gnade für die Seele vor dem Jüngsten Gericht’ (um 1600). gnadenreich Adj. ‘voller Gnade, huldreich, gesegnet’, mhd. genādenrīche, aus der genitivischen Verbindung mhd. der genāden rīche. Gnadenstoß m. ‘Stoß, Stich zur Beendigung der Todesqual (eines verwundeten Tieres)’, anfänglich ‘vom Henker ausgeführter Todesstoß ins Genick oder Herz des Verurteilten, um ihm die Qualen der nachfolgenden Räderung zu ersparen’ (um 1700); vgl. mhd. genādenstōʒ ‘Anstoß der göttlichen Gnade’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Almosen · ↗Armengeld · ↗Gabe · Gnadenbrot · Gnadengeschenk · ↗Obolus · ↗Spende · ↗Zuwendung · milde Gabe  ●  ↗Scherflein  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Rente bekommen erhalten essen fressen fristen genießen gewähren kriegen verdienen verzehren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gnadenbrot‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und so werden sie fortan vom Gnadenbrot der Regierung leben.
Die Zeit, 05.05.2006, Nr. 20
Er hat wirklich was getan für sein Gnadenbrot - 20 Jahre lang.
Bild, 02.06.2004
Das industrielle Proletariat lebt nur mehr in dem Bewußtsein, das Gnadenbrot zu essen.
konkret, 1994
Nach 15 Jahren Dienst sind sie dann meist reif fürs Gnadenbrot auf Staatskosten.
o. A. [kalt]: Dienstpferd. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1997]
Wenn die Stute »Freya« ihr Gnadenbrot bekam, ging ihre Tochter schon unter dem Sattel.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 175
Zitationshilfe
„Gnadenbrot“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gnadenbrot>, abgerufen am 18.10.2019.

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