Glückskind

GrammatikSubstantiv
WorttrennungGlücks-kind
WortzerlegungGlückKind
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich jmd., der fortwährend Glück hat, dem alles glückt
Beispiel:
Er war von Natur ein Glückskind, für die Sonnenseite des Lebens geboren [Th. Mann11,718]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glück · glücken · beglücken · glücklich · Unglück · unglücklich · verunglücken · glückselig · Glückseligkeit · Glückskind · Glückspilz · Glücksrad · Glücksritter
Glück n. ‘zufälliges, überraschendes Zusammentreffen günstiger Umstände, Schicksal, Gemütszustand innerer Befriedigung’, mhd. g(e)lücke, mnd. (ge)lükke, mnl. (ghe)lucke, (ge)luc, nl. geluk; entlehnt aus dem Mnd. sind afries. lukk, mengl. luk(e), engl. luck, anord. lukka, lykka, schwed. lycka. Mhd. g(e)lücke ist erstmals in der frühhöfischen Dichtung (1160) bezeugt und verbreitet sich mit der höfisch-ritterlichen Kultur vom Rhein aus über das dt. Sprachgebiet. Es bedeutet anfangs ‘Schicksal, Geschick, Ausgang eines Geschehens oder einer Angelegenheit (sowohl zum Guten als auch zum Bösen)’ und tritt als Schicksalsbegriff in Konkurrenz mit mhd. sælde und heil (s. ↗selig und ↗Heil), den älteren Ausdrücken für ‘Segen, Heil, Glück’. Aus dem engeren Gebrauch im Sinne von ‘günstiger Verlauf oder Ausgang eines Geschehens, günstiges Geschick’ entwickelt sich Glück zur Bezeichnung des wünschenswerten ‘Zustandes starker innerer Befriedigung und Freude’. Im 14. Jh. nimmt Glück auch die Bedeutung von ‘Beruf, Lebensunterhalt’ an. Die Herkunft des erst relativ spät auftretenden Wortes ist nicht geklärt. Verschiedene, jedoch sämtlich nicht befriedigende Herleitungsversuche sind zusammengestellt in ¹DWB 4, 1, 5, 226 f. glücken Vb. ‘gelingen, nach Wunsch ablaufen’, mhd. g(e)lücken, zum Substantiv gebildet; im Mhd. nur selten, erst in nhd. Zeit sich ausbreitend. beglücken Vb. ‘glücklich machen, erfreuen’ (Anfang 17. Jh.). glücklich Adj. ‘vom Glück begünstigt, erfolgreich, zufrieden, vorteilhaft, günstig’, mhd. gelückelich ‘vom Zufall, vom Schicksal abhängig, günstig’. Unglück n. ‘verhängnisvolles Ereignis, schweres Mißgeschick, Schicksalsschlag, Pech’, mhd. ung(e)lücke. unglücklich Adj. ‘traurig, niedergeschlagen, bedrückt, verhängnisvoll’ (15. Jh.). verunglücken Vb. ‘einen Unfall erleiden, mißlingen, mißraten’ (17. Jh.). glückselig Adj. ‘sehr glücklich, überglücklich’, mhd. gelücksælec. Glückseligkeit f. spätmhd. gelücksælecheit. Glückskind n. ‘vom Glück Begünstigter, wem alles gelingt’ (16. Jh.), vielleicht nach lat. fortunae filius. Glückspilz m. zunächst im Sinne von ‘Emporkömmling, Parvenü’ (2. Hälfte 18. Jh.), eigentlich ‘wer wie ein Pilz plötzlich aus dem Nichts aufschießt’ (vielleicht unter Einfluß von engl. mushroom, das sowohl ‘Pilz’ wie auch ‘Emporkömmling’ bedeutet); von der 2. Hälfte des 19. Jhs. an gleichbed. mit Glückskind. Glücksrad n. Sinnbild für die Veränderlichkeit des Glücks, auch ‘das sich drehende Rad bei Verlosungen und bestimmten Glücksspielen’, mhd. des gelückes rat, auch gelückrat, später glükrad (14. Jh.), seit dem 17. Jh. Glücksrad, seltener Glückrad. Glücksritter m. ‘wer sich in seinem Handeln sorglos auf sein Glück verläßt’, auch abschätzig ‘Abenteurer’ (2. Hälfte 18. Jh.), zunächst auf mittelalterliche Verhältnisse bezogen ‘Ritter, der auf Glück auszieht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Glücklicher · Glückskind · ↗Sonntagskind  ●  ↗Glückspilz  Hauptform · Duslbauer  ugs., bair.
Unterbegriffe
  • Hans Herrmann  ●  Hans im Glück  ugs.
Assoziationen
  • mehr Glück als Verstand (haben) · unglaubliches Glück (gehabt) haben · unverdientes Glück (haben) · zu etwas kommen wie die Jungfrau zum Kind  ●  (jemandem) in den Schoß fallen  fig. · (sich) vor Glück bescheißen  derb, fig. · Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.  ugs., variabel, Sprichwort
  • mehr Glück als Verstand (gehabt) haben · unglaubliches Glück (gehabt) haben  ●  ↗(einen) Schutzengel (gehabt) haben  fig. · wahnsinniges Glück (gehabt) haben  ugs.
  • (das) Glück auf seiner Seite haben · (das) Glück ist auf jemandes Seite · Glück haben  ●  Schwein haben  sprichwörtlich · (das) Glück ist jemandem hold  geh. · Fortuna lächelt (jemandem)  geh. · Fortuna meint es gut mit  geh., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fußball Pechvogel wahr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Glückskind‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es lief nicht gut in jüngster Zeit für das frühere Glückskind der britischen Politik.
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2004
Nur einmal ging es dem ewigen Glückskind an den Kragen.
Die Zeit, 13.03.1995, Nr. 11
Für Ewalds Tochter ist es sicher nicht leicht, ein Glückskind als Bruder zu haben.
Noll, Ingrid: Ladylike, Zürich: Diogenes 2006, S. 176
Im Volksglauben wurden jedoch Einschränkungen nötig, denn nicht jeder, der am Sonntag geboren worden war, erwies sich später als Glückskind.
Röhrich, Lutz: Sonntagskind. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 20908
Oft gelten Sonntagskinder als Glückskinder, nur bei den Weißrussen sind sie Unglückskinder.
Lanczkowski, G.: Sonne. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 36931
Zitationshilfe
„Glückskind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Glückskind>, abgerufen am 24.08.2019.

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