Gilde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gilde · Nominativ Plural: Gilden
Aussprache
WorttrennungGil-de
Wortbildung mit ›Gilde‹ als Erstglied: ↗Gildehaus · ↗Gildemeister · ↗Gildenhaus · ↗Gildenmeister · ↗Gildenzeichen · ↗Gildezeichen
 ·  mit ›Gilde‹ als Letztglied: ↗Fleischergilde · ↗Kaufmannsgilde
eWDG, 1967

Bedeutung

historisch Zusammenschluss von Handwerkern und Kaufleuten oder von religiös Gleichgesinnten im Mittelalter zur Wahrung der gemeinsamen Interessen
Beispiele:
eine strenge, ehrbare Gilde
die Gilde der Schmiede, Fischer, Kaufleute
übertragen
Beispiel:
Und weil es alle Leute interessierte, gab es bald eine ganze Gilde von Beobachtern [HagelstangeSpielball90]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gilde f. ‘Zusammenschluß von Handwerkern, Kaufleuten’, mnd. gilde ‘Festschmaus, Festlichkeit (der Bruderschaften und Ämter), genossenschaftlicher Zusammenschluß für gemeinsame Leistungen, Bruderschaft (von Handwerkern, Kaufleuten, Glaubensgenossen), Zusammengehörigkeit, Schar’, mnl. ghilde, nl. gilde, anord. gildi ‘Bezahlung, Schmaus’. Der Ausdruck verbreitet sich, von den Gebieten an der Nord- und Ostsee ausgehend, seit dem 17. Jh. im gesamten dt. Sprachgebiet und stellt sich im Sinne von ‘Berufsverband’ neben gleichbed. md.Innung und obd.Zunft (s. d.). Gilde ist eine Bildung zu den unter ↗gelten und ↗Geld (s. d.) angeführten Wortgruppen (vgl. aengl. gield ‘Opfer, Zahlung, Abgabe, Tribut, Vergeltung, Bruderschaft’), knüpft an deren alte Bedeutungen ‘opfern, erstatten, entrichten’ bzw. ‘Opfer, Abgabe, Bezahlung’ an und bezeichnet ursprünglich wohl eine heidnische Kultgemeinschaft, zu deren Opfermahlzeiten jedes Mitglied einen Beitrag zu leisten verpflichtet ist. In frk. Kapitularien des 8./9. Jhs. werden Nachfolger derartiger Genossenschaften (in latinisierter Form gildonium oder gelda genannt) offensichtlich auf Grund ihres heidnischen Ursprungs verboten. Die Bezeichnung geht jedoch auf andere Interessengemeinschaften und deren festliche Zusammenkünfte über. Ausführlich dazu de Vries Altgerm. Religionsgesch. 1 (²1956) 483 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewerk (Bau) · Gilde · ↗Innung · ↗Zunft
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Brauerei Bruderschaft Filmkunsttheater Hasseröder Kasten Kaufleute Marktschreier Meister Mitglied Mittelalter Ruf Satzung Stadtführer Star Vertreter Vorsteher Wirtschaftsprüfer Zunft aufsteigen einreihen elitär exklusiv gegründet gehören gesamt mittelalterlich zusammenschließen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gilde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wie jeder aus seiner Gilde verbannt auch er das Mehl strikt aus der Küche.
Der Tagesspiegel, 22.01.2003
Doch für die Gilde der Trainer könnten bald rosige Zeiten anbrechen.
Die Welt, 28.05.1999
Da das Kloster bereits 1464 zerstört wurde, hat auch die Gilde keine lange Dauer gehabt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 336
Als erster, in der Gilde der Musiker, unterschreibt das Galilei.
Mann, Michael u. Heartz, Daniel: Die europäische Musik von den Anfängen bis zu Beethoven. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 16041
Auf die gewaltige Bedeutung der Gilden in China kommen wir weiterhin zu sprechen.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.), Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen: Mohr 1920 [1916-1919], S. 283
Zitationshilfe
„Gilde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gilde>, abgerufen am 17.08.2019.

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