Gewissenhaftigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gewissenhaftigkeit · Nominativ Plural: Gewissenhaftigkeiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-wis-sen-haf-tig-keit (computergeneriert)
Wortzerlegunggewissenhaft-igkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

Sorgfalt, Genauigkeit
Beispiele:
etw. mit peinlicher Gewissenhaftigkeit erledigen
mit der größten Gewissenhaftigkeit arbeiten
Sein Sekretär […] protokollierte still, mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit [Feuchtw.Häßl. Herzogin176]
da ich in beruflichen Dingen […] die Gewissenhaftigkeit in Person bin [FrischHomo faber118]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewissen · gewissenhaft · Gewissenhaftigkeit · gewissenlos · Gewissenlosigkeit · Gewissensbiß · Gewissensehe · Gewissensfrage · Gewissensfreiheit
Gewissen n. ‘Vermögen des Menschen, sein Verhalten sittlich einzuschätzen’. Zu dem zu ahd. wiʒʒan (s. ↗wissen) gehörigen Part. Prät. giwiʒʒan wird das Adjektivabstraktum ahd. giwiʒʒanī f. (11. Jh.) gebildet. Es ist der Versuch einer Wiedergabe von lat. cōnscientia ‘Bewußtsein moralischer Handlungen’, eigentlich ‘das Mitwissen’ (vgl. lat. scientia ‘Kenntnis, Wissen, Wissenschaft’ und s. ↗kon-), das seinerseits dem griech. syné͞idēsis (συνείδησις) ‘Mitwissen, Bewußtsein, (gutes) Gewissen’ nachgebildet ist. Semantische Weiterentwicklung zeigt mhd. gewiʒʒen f. n. ‘Wissen, Kenntnis, Kunde, Erkenntnis dessen, was sich schickt’, das in Analogie zum substantivierten Infinitiv von wiʒʒen neutrales Genus annimmt. Der Begriff des Gewissens entsteht im antiken Griechenland aus der Vorstellung, daß es für alle Handlungen und Verhaltensweisen gegenüber Göttern und Menschen einen inneren „Mitwisser“ gibt. In der christlichen Ethik wird das Gewissen zu einem zentralen Begriff menschlichen sittlichen Verhaltens und des Vermögens, seine Handlungen selbst einzuschätzen. gewissenhaft Adj. ‘genau, zuverlässig’ (17. Jh.). Gewissenhaftigkeit f. ‘Sorgfältigkeit, Genauigkeit’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu gewissenhaftig Adj. (16. Jh., im 18. Jh. nicht mehr üblich). gewissenlos Adj. ‘ohne Gewissen, ohne Skrupel’ (um 1400, geläufig erst im 17. Jh.); dazu Gewissenlosigkeit f. ‘Bedenkenlosigkeit, Skrupellosigkeit’ (18. Jh.). Gewissensbiß m. (meist Plur.) ‘moralisches Bedenken, Schuldgefühl’ (17. Jh.), nach (im 17. Jh. häufig belegtem) lat. cōnscientiae morsus; vgl. auch mein Gewissen beißt (Luther), lat. cōnscientiā mordērī (Cicero). Gewissensehe f. ‘Ehe ohne amtlichen Nachweis’ (um 1800) für lat. mātrimōnium cōnscientiae. Gewissensfrage f. ‘eine moralische Entscheidung fordernde Frage’ (17. Jh.). Gewissensfreiheit f. ‘Recht, nicht unter Zwang, sondern nur nach dem Gewissen zu entscheiden, besonders seine Religion ungehindert auszuüben’ (17. Jh.), wohl nach frz. liberté de conscience.

Thesaurus

Synonymgruppe
Genauigkeit · Gewissenhaftigkeit · ↗Sorgfalt

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausdauer Ehrlichkeit Engagement Ernst Fleiß Genauigkeit Gewissen Gründlichkeit Offenheit Pünktlichkeit Sachkenntnis Sorgfalt Stabilität Umsicht Verträglichkeit auszeichnen besonder gleich künstlerisch peinlich prüfen äußer äußerst übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewissenhaftigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Unser Vater arbeitete mit derselben Gewissenhaftigkeit für sein Haus wie für das öffentliche Wohl.
Süddeutsche Zeitung, 25.06.1996
Alle hatten sich mit der größten Gewissenhaftigkeit darauf vorbereitet und keine Ausgaben gescheut.
Die Zeit, 20.01.1958, Nr. 03
Namentlich als letztere wird die große Treue und Gewissenhaftigkeit der Frau geschätzt.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 24880
Die Priester gewann er durch große Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung seiner Kultpflichten.
Soden, Wolfram von: Sumer, Babylon und Hethiter bis zur Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 9349
Und sie gab mir gleich einen Beweis ihrer schauspielerischen Gewissenhaftigkeit.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26473
Zitationshilfe
„Gewissenhaftigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Gewissenhaftigkeit>, abgerufen am 20.04.2019.

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