Ghetto, das oder der

Alternative SchreibungGetto
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ghettos · Nominativ Plural: Ghettos
Nebenform Ghetto, Getto · Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ghettos, Gettos · Nominativ Plural: Ghettos, Gettos
WorttrennungGhet-to · Get-to
HerkunftItalienisch
Rechtschreibregeln§ 32 (2)
Wortbildung mit ›Ghetto‹ als Erstglied: ↗Gettoblaster · ↗Gettorente · ↗Ghettoblaster · ↗Ghettorente · ↗gettoisieren · ↗ghettoisieren
 ·  mit ›Ghetto‹ als Letztglied: ↗Gastarbeitergetto · ↗Gastarbeiterghetto · ↗Judengetto · ↗Judenghetto
eWDG, 1967

Bedeutung

zwangsweise eingerichteter, streng abgeschlossener, besonderer Stadtteil für die jüdische Bevölkerung
Beispiele:
der Aufstand im Warschauer Getto/Ghetto
das Trümmerfeld des ehemaligen Gettos [HermlinGemeinsamkeit73]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Getto · Ghetto
Getto, Ghetto n. m. ‘abgesondertes Stadtviertel’, ursprünglich nur für die jüdische Bevölkerung, Übernahme von ital. ghetto (1. Hälfte des 17. Jhs., zunächst in Berichten über Italien). Die Etymologie ist nicht eindeutig geklärt; sicher jedoch ist in Verbindung mit der von Italien ausgehenden Absonderung der Juden in eigenen Stadtvierteln die ital. Bezeichnung auch in andere Sprachen gelangt. Man versucht, ital. ghetto vom Namen der Insel Geto nuovo (Nordvenedig), wo erstmals italienische Juden von Christen getrennt leben (16. Jh.), herzuleiten. Da auf dieser Insel im Mittelalter Metallgießereien betrieben werden, ist Zusammenhang mit ital. gettare ‘(Metalle) in Formen gießen’ möglich. Das zugehörige Verbalsubstantiv ital. getto kann von italienischen Juden lautlich mit hebr. gēṭ ‘Scheidung, Scheidungsbrief’ in Beziehung gesetzt worden sein, was eine Entwicklung von getto zu ghetto erklären würde; vgl. FEW 20, 25 und Spitzer in: Wörter u. Sachen 6 (1914/15) 204 f.

Thesaurus

Synonymgruppe
Armenviertel · ↗Elendsviertel · Getto · Ghetto · ↗Slum · informelle Siedlung  ●  ↗Bidonville  fachspr., franz. · ↗Favela  fachspr., portugiesisch · Gecekondu  fachspr., türkisch · Marginalsiedlung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitslager Aufruhr Aufstand Deportation Enge Farbige Getto Großstadt Jude Kniefall Konzentrationslager Liquidierung Räumung Schtetl Schwarze Slum Vernichtungslager Vorstadt Warschauer Wilnaer abdrängen deportieren elitär herausholen innerstädtisch jüdisch schmuggeln schwarz selbstgewählt Überlebende

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Getto‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dies lenke davon ab, wo die meisten Verbrechen geschähen, nämlich in den Ghettos.
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2001
Aber aus dem Ghetto der germanistischen Seminare kam er nicht hinaus.
Der Tagesspiegel, 21.09.1998
Wollt ihr das Radio am hellichten Tag durchs Ghetto tragen?
Becker, Jurek: Jakob der Lügner, Berlin: Aufbau-Verl. 1969, S. 80
Von den in Riga verbliebenen Insgesamt rund 28000 Juden sind bisher 24000 im Ghetto untergebracht.
o. A.: Neunzehnter Tag. Donnerstag, 13. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 24704
Denn sie lebten zwar im Ghetto, wurden verfolgt, unterdrückt, aber an das Allerheiligste, ihren Glauben, wurde nicht gerührt.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 369
Zitationshilfe
„Ghetto“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/Ghetto>, abgerufen am 20.05.2019.

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